120 Mitarbeiter sind betroffen

REGION ⋅ Liechtensteinische Mitarbeitende des Spitals Grabs und des BZB Buchs müssen seit Anfang 2018 neu in der Schweiz Steuern bezahlen. Gemäss dem kantonalen Steueramt wurde dies den Betroffenen frühzeitig angekündigt.
14. Februar 2018, 05:30
Thomas Schwizer

Wenn jemand im Januar 2018 plötzlich weniger Lohn bekommt als im Monat davor, dann hat er daran keine Freude. Genau das war bei rund 120 Grenzgängerinnen und Grenzgängern aus dem Fürstentum Liechtenstein der Fall, die in der Schweiz in folgenden fünf Institutionen des öffentlichen Dienstes arbeiten: kantonale Spitäler Grabs, Walenstadt und Rorschach, Kantonsspital St. Gallen sowie Berufs- und Weiterbildungszentrum BZB Buchs. 

Ihnen wurde vom Arbeitgeber beim Januarlohn erstmals automatisch die Quellensteuer abgezogen. Da die Steuern im Fürstentum Liechtenstein tiefer sind als in der Schweiz, müssen die betroffenen Lohnbezüger, vor allem wenn sie Vollzeit arbeiten und keine Kinder haben, mit deutlich höheren Steuern rechnen als bisher. Wer alleinstehend ist, keine Kinder und ein Brutto-Jahreseinkommen von 100 000 Franken hat, zahlt neu gut 8000 Franken mehr Steuern pro Jahr. Wer weniger verdient und Kinder hat, spürt von der Neuregelung deutlich weniger.
 

Keine gemeinsame Beteiligung

«Die neue Regelung ist kein unfreundlicher Akt des Kantons St. Gallen, sondern eine Verständigungsvereinbarung zwischen der Schweiz und Liechtenstein, die sachlich klar gerechtfertigt ist.» Das betont Felix Sager, der Leiter des kantonalen Steueramtes, auf Anfrage des W&O. Sie wurde im April 2017 von den beiden Ländern gemeinsam beschlossen und unterzeichnet. Der Grund ist: Bei diesen fünf öffentlichen Institutionen in der Schweiz liegt keine gemeinsame Beteiligung des Fürstentums Liechtenstein und des Kantons St. Gallen vor, wie der W&O am 27. April 2017 berichtete.

Insgesamt müssen neu, gemäss Schätzungen des kantonalen Steueramtes St. Gallen, rund 400 Personen, die im Fürstentum Liechtenstein wohnen, ihren Lohn aus öffentlichem Dienst in der Schweiz versteuern. Bei 280 davon war das schon bis anhin der Fall, beispielsweise bei Lehrkräften. 

Umgekehrt bezahlen schätzungsweise 1000 Personen aus der Schweiz, die im öffentlichen Dienst im Fürstentum Liechtenstein arbeiten, wie bisher dort Steuern. Diese Steuerregelung beim öffentlichen Dienst basiert gemäss Felix Sager auf dem Musterabkommen der OECD (internationale Organisation für die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). 

Übrigens: Auch berufliche Neurenten oder Kapitalzahlungen aus der 2. Säule von Mitarbeitenden im öffentlichen Dienst werden im Land des Arbeitsortes besteuert. 
 

Weiterhin Sonderregelung für gewisse Institutionen

Bei vier Institutionen besteht eine exklusive Sonderregelung zwischen der Schweiz und Liechtenstein. Sie legt fest, dass für Mitarbeitende folgender Institutionen weiterhin die Lohn- und Rentenbesteuerung im Land des Wohnsitzes erfolgt: Stiftung Ostschweizer Kinderspital, Interstaatliche Hochschule für Technik (NTB) in Buchs, Interstaatliche Maturitätsschule für Erwachsene, St. Gallen/Sargans – und neu auch RhySearch in Buchs. Denn bei diesen vier liegt eine gemeinsame Beteiligung des Fürstentums Liechtenstein und des Kantons St. Gallen vor.
 

Spitalregion: «Eng begleitet und intensiv informiert»

Die Spitalregion Rheintal-Werdenberg-Sarganserland (RWS) beschäftigt Dutzende von Mitarbeitern aus dem Fürstentum Liechtenstein. Die Verantwortlichen haben die Betroffenen «fortlaufend informiert und betreut», wie die Spitalregion auf Anfrage des W&O schreibt. Als Arbeitgeber sei man sich über die schwierige Situation ihrer Mitarbeitenden aus Liechtenstein klar. «Wir sind uns bewusst, dass ein Reallohnverlust in dieser Höhe für die meisten einschneidend ist», heisst es dazu. Als Arbeitgeber habe man aber «keinen Einfluss auf die Entscheidung und die damit verbundenen Konsequenzen für die betroffenen Mitarbeitenden». Weiter schreibt die Spitalregion: «Wir würden es sehr bedauern, wenn wir langjährige und geschätzte Mitarbeitende verlieren, weil sie sich auf Grund des Reallohnverlustes anderweitig orientieren müssen.» (ts)


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