Was der Deutsche isst, trinkt der Schweizer nicht

QUERELEN AM BODENSEE ⋅ Trotz offener Grenzen und Euregio Bodensee herrscht zwischen den Anrainerstaaten des Sees nicht nur eitel Sonnenschein. Das zeigen die jüngsten Querelen zwischen Schifffahrtsunternehmen aus der Schweiz und Deutschland wieder einmal.
31. Mai 2017, 15:27
Christof Krapf
Im alten Pass des Grossvaters – Jahrgang 1913 – fanden sich noch Einreisestempel aus Deutschland und Österreich. Kurz über den Bodensee, hinüber nach Friedrichshafen – das war noch eine richtige Auslandreise. Die Grenzen rund um den See werden heute längst nicht mehr so rigoros kontrolliert. Bayern, Baden-Württemberg, die Ostschweizer Kantone, Vorarlberg und das Fürstentum Liechtenstein sind zur Euregio Bodensee verschmolzen; pflegen Dialog und Zusammenarbeit.

Das bedeutet aber nicht, dass die Grenzen abgeschafft sind – sie werden nur subtiler gelebt als früher. Jüngstes Beispiel dafür sind die Querelen der Schweizer Bodensee-Schifffahrt (SBS) mit den Bodensee-Schiffbetrieben (BSB) aus Deutschland. Die SBS bedient neu die rein deutsche Strecke Konstanz-Unteruhldingen-Mainau-Meersburg und räubert damit im Gebiet der BSB. Letztere reagierte mit der Ankündigung, den Schweizer Schiffen künftig Landegebühren zu berechnen – SBS-Oberkapitän Erich Hefti ist erbost. Er fühlt sich in Konstanz nicht willkommen. Vielleicht befürchten die Konstanzer aber nur, dass per Schiff künftig noch mehr Schweizer Einkaufstouristen ihre schmucke Stadt überlaufen. Die Nachbarn sind für die meisten mehr Ärgernis denn Wirtschaftsfaktor.

Nachbarschaftliches Ungemach bahnt sich auch unter der Seeoberfläche an. Deutsche Berufsfischer wollen in Aquakulturen künftig Felchen züchten. Antibiotika könne so in den See gelangen, monieren Schweizer Naturschützer. Schliesslich trinken der Thurgauer und der St.Galler Seewasser: Was der Deutsche frisst, säuft der Schweizer nicht.

Gross war auch die Aufregung, als die Idee kursierte, in der Bodenseeregion mit der umstrittenen Fracking-Methode Erdgas und –öl zu suchen. Am deutschen Ufer ist diese Förderung faktisch verboten; im Kanton Thurgau ist sie bei Geothermie-Projekten noch erlaubt.

Eitel Sonnenschein herrscht rund um den See also trotz Euregio und offener Grenzen nicht. Der See ist aber nun einmal unter drei Ländern aufgeteilt – auch wenn im Obersee die Landesgrenzen nicht genau definiert sind. Uns Schweizer mag aber eines trösten: 61 Prozent des Bodensee-Zuflusses stammen aus dem Alpenrhein. 

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