Vier Junggiraffen – viermal heisst der Vater Bobo

KINDERZOO RAPPERSWIL ⋅ Vier Jungtiere verzücken in Knies Kinderzoo in Rapperswil derzeit die Zoobesucher. Sie haben nicht nur denselben Jahrgang, sondern auch denselben Vater: Der fleissige Giraffenbulle Bobo.
12. September 2017, 19:20
Arcangelo Balsamo
Mit stoischer Ruhe steht der Rothschildgiraffenbulle Bobo vor einem Baum und lässt sich sein Futter aus einem blauen Fass schmecken. Dieses hängt an einem Ast in gut fünf Metern Höhe. Dank seiner Körpergrösse erreicht er es problemlos. Bobo ist der Grösste im Gehege und überragt alle mindestens um einen Kopf. Der Bulle wurde 2006 in Tschechien geboren und kam via italienischen Safaripark im März 2013 nach Rapperswil in den Kinderzoo.

  • Bobo ist elf Jahre alt und seit März 2016 Teil der Herde in Knies Kinderzoo.

Vier Jungtiere verzücken in Knies Kinderzoo in Rapperswil derzeit die Zoobesucher. Sie haben nicht nur denselben Jahrgang, sondern auch denselben Vater: Giraffenbulle Bobo. (Bilder: Jil Lohse)


Der Andrang vor dem Giraffengehege ist gross. Bobo lässt sich nicht beirren und frisst gelassen weiter. Das gesteigerte Interesse der vergangenen Tage gilt nicht ihm. Anteil daran hat er jedoch allemal. Der Giraffenbulle ist in diesem Jahr viermal Vater geworden. Eine perfekte Bilanz, wenn man bedenkt, dass seine Herde vier Kühe zählt und jede seit April ein gesundes Giraffenbaby zur Welt gebracht hat. Vier Giraffengeburten innert weniger Monate: Das gab es in Knies Kinderzoo noch nie.
 

Kühe signalisieren, wann sie empfangsbereit sind

Dennoch wäre es falsch, Bobo als «Wunderzuchtbullen» zu bezeichnen, erklärt Benjamin Sinniger von der Direktion des Kinderzoos. «Das Spezielle ist, dass alle vier Jungtiere gesund und in so kurzer Zeit auf die Welt gekommen sind.» Dies, obwohl man das Paarungsverhalten der Giraffen nicht steuere.

Tierpfleger Jan Butz sagt ebenfalls, dass besonders die kurze Abfolge der Geburten bemerkenswert sei. Ausserdem sei es falsch anzunehmen, dass Bobo immerzu Interesse zeige, die Giraffendamen zu beglücken. «Ab und zu versucht er es. Dann folgt er der Kuh jeweils auf Schritt und Tritt durchs Gehege. Wenn sie aber nicht will und er zu hartnäckig ist, dann greifen wir ein.» Normalerweise seien es aber die Kühe, die ihm signalisieren, dass sie empfangsbereit sind. Vermittelt wird dies über den Geruch und den Geschmack des Urins. Der Giraffenbulle ist somit nicht zwangsläufig potenter als seine Artgenossen oder gar im Besitz von Superkräften. Jedoch war er im vergangenen Jahr – die Tragezeit bei Giraffen dauert gut 14 Monate – stets bereit, als sein Typ gefragt war. Eine Lieblingskuh habe der Bulle keine. «Doch nicht alle Weibchen schenken ihm gleich viel Aufmerksamkeit», sagt Tierpfleger Butz.

Ob Bobo auch im nächsten Jahr Vater wird, könne man derzeit noch nicht sagen. Theoretisch ist es möglich. Giraffenkühe können laut Butz bereits kurz nach der Geburt eines Jungtiers wieder empfängnisbereit sein. Ausserdem könne man erst einige Wochen vor einer bevorstehenden Geburt mit Sicherheit sagen, ob eine Kuh trächtig sei.

Währenddessen hat sich Bobo vom blauen Fass entfernt und ist andernorts im Gehege auf Futter gestossen. Er frisst knapp 40 Kilogramm täglich. Neben frischen Blättern steht auch Luzerneheu, das einen höheren Blattanteil als gewöhnliches Heu aufweist, auf seinem Menuplan.

Wer so viel Nahrung zu sich nimmt, hat kaum Zeit sich auszuruhen: «Giraffen schlafen nur etwa zwei Stunden pro Tag», sagt der Tierpfleger. Dabei legen sich die Tiere auf den Bauch und biegen ihre Hälse nach hinten. «Der Kopf darf wegen des Blutdrucks nicht unter die Herzhöhe geraten», erklärt Butz. Der spärliche Schlaf hat aber nichts mit der vermeintlich unbequemen Position zu tun. Giraffen müssen in freier Wildbahn stets auf der Hut sein. Deshalb können sie es sich nicht erlauben, sich lange wehrlos dem Fressfeind auszuliefern. Dieses Risiko besteht für Bobo nicht. Ebenso wenig läuft er Gefahr, Konkurrenz zu bekommen, wenn das nächste Mal der Duft eines Weibchens lockt. Vorerst bleibt er der einzige Bulle im Gehege.

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