Zwei Wandergesellen machen Halt in Wattwil

WALZ ⋅ Patrick Wittin und Max Masella befinden sich als Wandergesellen auf der Walz und reisen dabei um die ganze Welt. Auch durchs Toggenburg.
12. April 2018, 06:00
Noëlle Lee
Vom Fenster aus, kann man die beiden gut sehen. Auf dem Kiesplatz, gleich neben der Redaktion des Toggenburger Tagblatts, sitzen die zwei wunderlichen Gestalten, die aussehen, als müssten sie aus einer anderen Zeit stammen.

Sie tragen beide je einen schwarzen Zylinder und weite schwarze Schlaghosen, das Jackett haben sie wegen des warmen Frühlingswetters ausgezogen. So sitzen sie nur in ihrem weissen Hemd und der aufgeknöpften Weste auf einem Stein und essen zu Mittag. Angesprochen zu werden, dass macht ihnen zwischenzeitlich nichts mehr aus, schliesslich kommt es aufgrund ihrer Kleidung nicht selten vor, dass sich interessierte Passanten erkundigen. Und Auskunft über sich geben die beiden noch so gerne.
 

Mindestens drei Jahre und einen Tag

«Wir sind Wandergesellen», erklärt Patrick Wittlin und zeigt dabei auf seine Kluft. «Wir reisen für mindestens drei Jahre und einen Tag durch die Welt, um unser Handwerk als Zimmerleute zu verbessern und uns menschlich weiter zu entwickeln.» Ihre absonderliche Kleidung geht, genauso wie die Wanderschaft an sich auf eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition zurück. Bereits damals brachen Gesellen aus diversen Zünften nach dem Abschluss ihrer Lehrzeit auf eine Wanderung auf, während der sie sich weiterbilden sollten. Ausserdem war die Wanderung auch Voraussetzung, um überhaupt zur Meisterprüfung zugelassen zu werden. Heute ist die Reise zwar keine Pflicht mehr, um handwerkliche Berufe erlernen zu können, doch es begeben sich trotzdem immer noch hunderte junge Männer, und mittlerweile auch Frauen, auf die Walz.

Patrick Wittin, der aus Basel stammt, reist nun bereits seit über drei Jahren in diesem Rahmen um die Welt. Die Liste der Städte, in denen er war, ist lang. Sie reicht von Europa über Südamerika nach Afrika. Kürzlich war er in Wil, wo er auch seinen jetzigen Kumpanen Max Masella kennenlernte. «Es hat gleich zwischen uns gepasst. Darum reisen wir nun zusammen weiter.» 

Max Masella kommt aus Braunschweig und ist seit ziemlich genau einem Jahr unterwegs. Beide gehören zu den «Rechtschaffenen Fremden», einer sogenannten Schacht, die Gesellen auf der Walz unter sich versammelt. Trotz des harten Lebensstils, welchen solche Gesellen haben, bereuen beide ihren Entschluss nicht. Sie freuen sich auf noch mehr eindrückliche Erlebnisse. Das nächste Ziel ihrer Reise ist Nürnberg.

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