"Müssen das Ergebnis akzeptieren": Aus für Erlebnishotel-Projekt in Wildhaus

DEUTLICHES RESULTAT ⋅ Das Hotelprojekt in Wildhaus-Alt St.Johann wird deutlich verworfen. Nur rund 38 Prozent der Abstimmenden legten ein Ja ein. Die Stimmbeteiligung betrug 64,8 Prozent. Die Jufa-Gruppe bricht die Arbeiten am Projekt nun ab und will nach anderen Standorten in der Ostschweiz suchen. Der Gemeindepräsident seinerseits fragt sich, ob man die Vorteile zu wenig gut habe verkaufen können.
Aktualisiert: 
15.04.2018, 13:00
15. April 2018, 11:57
Sabine Schmid
Das Resultat bei der heutigen Urnenabstimmung ist deutlich ausgefallen. 749 Stimmbürger legten ein Nein in die Urne, 463 sprachen sich für die Beteiligung der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann am Erlebnishotel aus. Die Stimmbeteiligung lag bei 64,9 Prozent. Somit ist klar: Der Investitionsbeitrag von 7 Millionen Franken, der Baurechtsvertrag und der Grunddienstbarkeitsvertrag sind abgelehnt. Das geplante Erlebnishotel in der Sandgrueb wird nicht gebaut. 

Die Sandgrueb in Wildhaus bleibt vorerst unbebaut. Ein dort geplantes Hotelprojekt hatte an der Urnenabstimmung keine Chance. Zoom

Die Sandgrueb in Wildhaus bleibt vorerst unbebaut. Ein dort geplantes Hotelprojekt hatte an der Urnenabstimmung keine Chance.

"Das Ergebnis ist eindeutig. Das muss man so akzeptieren", sagte Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann, kurz nachdem das Resultat bekannt war. Die Gemeinde habe zusammen mit dem Investor und der Betreibergesellschaft der Bevölkerung ein Angebot unterbreitet. Dieses sei aber nicht angenommen worden. "Das Erlebnishotel ist eine faszinierende Idee, die nun nicht hier realisiert wird", zog Rolf Züllig Bilanz.
 

Eine andere Destination kommt jetzt zum Zug

Die Investorin, die ITW-Gruppe aus Balzers, und die Jufa-Gruppe, die das Hotel betrieben hätte, zeigen sich in einer gemeinsamen Stellungnahme enttäuscht über den negativen Ausgang der Volksabstimmung. "Es ist uns nicht gelungen, die Bevölkerung von unserem Konzept und den grossen Vorteilen des Jufa-Erlebnis-Hotels für Wildhaus zu überzeugen", sagte Martin Meyer, CEO der ITW-Gruppe.

Gerhard Wendl, Vorstandsvorsitzender der Jufa-Gruppe, spricht von "einer grossen Enttäuschung für uns alle".  Sie hätten geplant, den Jufa-Markteintritt in die Schweiz in Wildhaus vorzunehmen. Nun sei aber klar: "Die Jufa-Gruppe muss sich einen anderen Standort suchen."  Bereits im Vorfeld der Abstimmung war klar , dass es weder eine Redimension des Projekts noch Nachverhandlungen nach der Abstimmung geben wird. Somit werden die Arbeiten am Projekt Jufa-Erlebnishotel in Wildhaus eingestellt und die Abklärungen für alternative Standorte in der Ostschweiz sofort aufgenommen.
 

Vorlage zu wenig gut verkauft?

Ob das Projekt Jufa-Hotel weiterverfolgt werden kann, entscheidet das Stimmvolk am 15. April. Zoom

Ein Modell des gescheiterten Projekts.

Über die Gründe, warum das Hotelprojekt in der Bevölkerung keine Chance hatte, kann Rolf Züllig nur spekulieren. Klar ist, dass den einen der Investitionsbeitrag von der Gemeinde in der Höhe von 7 Millionen Franken zu hoch war. Auch hat man im Vorfeld der Abstimmung immer wieder gehört, dass es nicht richtig sei, wenn die Gemeinde ein Hotelprojekt unterstütze, während andere Hoteliers ohne Hilfe von der öffentlichen Hand über die Runden kommen müssen.

Aber: "Der Investitionsbeitrag war eine Bedingung der Investorin und der Betreiberin", erklärt Rolf Züllig. Vielleicht habe man die Vorteile zu wenig gut verkaufen können, sagt er. An den beiden Informationsveranstaltungen habe man versucht, die Vorlage transparent vorzustellen und mögliche Ungereimtheiten aus der Welt zu schaffen. 
 

Logiernächte lassen sich nicht steigern

Trotz des deutlichen Ergebnisses der Abstimmung will Rolf Züllig nicht von Gewinnern und Verlieren sprechen. Das Erlebnishotel sei ein Angebot gewesen, um die Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann und deren touristisches Angebot zu entwickeln. Die Konsequenz aus der Ablehnung sei, dass keine grosse Entwicklung möglich sei. Mit dem bestehenden Angebot würde sich beispielsweise die Anzahl Logiernächte nicht steigern lassen. 

Dennoch glaubt Rolf Züllig nicht, dass die Gemeinde zum Stillstand kommen wird. Die Bevölkerung habe Nein gesagt zu einer wichtigen Vorlage, um in der Gemeinde einen wirtschaftlichen Impuls zu schaffen. Als Folge müsse man nun klären, ob die Gemeinde überhaupt wirtschaftliche Impulse setzen solle. Und wenn ja, welche Projekte sie diesbezüglich angehen solle.
 

Umstrittenes Projekt

Der 7-Millionen-Beitrag an das geplante Erlebnishotel war im Vorfeld umstritten. Neben den Gemeindebehörden hatten sich die SP Toggenburg,  Toggenburg Tourismus, die Bergbahnen Wildhaus  und der Kanton St.Gallen dafür ausgesprochen. Gegen den Beitrag waren die Ortsparteien von FDP und SVP. Bei den Hoteliers der Gemeinde waren unterschiedliche Positionen vertreten, die Toggenburger Bergbahnen wollten keine Stellung beziehen. (rus)


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