Prüfen und kritisch hinterfragen

REGION ⋅ Das regional tätige Jung-Unternehmer-Zentrum hat im vergangenen Jahr 116 Personen beraten und begleitet. Der anspruchsvolle Schritt in die Selbstständigkeit scheint nach wie vor nur für wenige eine Option.
17. April 2018, 05:16
Hans Suter

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

«Vertrauen schenken. Sicherheit geben. Verantwortung übernehmen.» Das sind in den Augen von Monika Scherrer die Grundlagen für eine erfolgreiche Partnerschaft zwischen den Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern und ihren Beratenden. Die Degersheimer Gemeindepräsidentin steht für diese Werte ein, indem sie sich in ihrer Freizeit als Präsidentin des Vereins Jung-Unternehmer-Zentren mit seinen vier Beratungszentren (siehe Kasten) engagiert.

Das Angebot wird gut nachgefragt. Im vergangenen Jahr wurden 116 Personen beraten. Dabei wurden 460 Beratungsstunden gelistet. Per Ende 2017 zählte das Jung-Unternehmer-Zentrum 180 aktive Jungunternehmer, die 390 Arbeitsplätze geschaffen haben. Diese Werte entsprechen weitgehend dem langjährigen Durchschnitt. Seit der Gründung im Jahr 2003 wurden knapp 1500 Personen beraten oder begleitet.

Das geografische Tätigkeitsgebiet umfasst mehr als 20 Gemeinden von Gossau bis Wil und das gesamte Toggenburg. Das entspricht etwa einem Drittel des Kantons. Es werden aber vermehrt auch Personen ausserhalb dieses Gebiets, zum Beispiel aus St. Gallen und dem Kanton Appenzell Ausserrhoden beraten.

Dienstleister liegen an der Spitze

Der Blick in die Statistik gibt auch Aufschluss über die Branchenstruktur. Mit 42 Prozent machen die Dienstleister den grössten Anteil im Branchenmix aus. Danach kommen die Handwerksbetriebe mit 26 Prozent. Mit einem Anteil von 13 Prozent folgt an dritter Stelle der Handel. Dabei handelt es sich bei zwei Dritteln um Detailhandelsbetriebe; der Rest teilt sich etwa zu gleichen Teilen in Online-Shops und Business-to-Business-Händler (B2B) auf. Es folgen: das Gesundheitswesen (neun Prozent), die Gastronomie (fünf Prozent), Produktion (zwei Prozent) und Bildung (zwei Prozent).

«Unsere Aufgabe ist, Geschäftsideen zu prüfen und kritisch zu hinterfragen und angehenden Unternehmerinnen und Unternehmern ein ehrliches Feedback zu geben», sagt Erika Schiltknecht. «Einige überlegen es sich nochmals, andere gehen gestärkt an die Umsetzung.»

Zurückhaltung beim Schritt in die Selbstständigkeit

Trotz günstiger Rahmenbedingungen scheinen junge Schweizerinnen und Schweizer nach wie vor zurückhaltend, den unternehmerischen Weg in Angriff zu nehmen, wie die Flawiler Zentrumsleiterin Erika Schiltknecht im Jahresbericht 2017 festhält. Zudem: «Frauen wählen diesen beruflichen Werdegang seltener.» Das stellt sie nicht nur in ihrer Beratertätigkeit fest. Dies sind auch zwei Resultate des neuesten Länderberichts Schweiz des Global Entrepreneurship Monitors (GEM). Die Rahmenbedingungen in der Schweiz würden im Allgemeinen positiv beurteilt. Die Bedingungen für die Gründung eines Unternehmens seien in der Schweiz besser als in vergleichbaren Ländern. Dennoch hätten sich in den vergangenen Jahren gesamthaft nur 8,2 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ins unternehmerische Abenteuer gestürzt.

2016 glaubten 43,3 Prozent der Schweizer, dass sie über genügend Erfahrung und Kompetenz verfügten, um ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Trotzdem sei das eigene Unternehmen nur für eine Minderheit eine Option. Die unternehmerische Karriere scheine in der Schweizer Bevölkerung nicht die nötige positive Ausstrahlung zu besitzen.

Wie geht es den Jungunternehmerinnen und -unternehmern? Anfangs Jahr wurde eine Online-Umfrage durchgeführt, an der 44 Personen teilnahmen. 26 Prozent bezeichnen den Geschäftsgang als «sehr gut», 71 Prozent als «gut» und 3 Prozent als «nicht so gut». Den Nutzen der Jungunternehmerförderung bewerten 31 Prozent als «sehr hoch», 49 Prozent als «hoch», 18 Prozent sind indifferent und 3 Prozent erkennen keinen Nutzen.

Hinweis

17. Hauptversammlung des Jung-Unternehmer-Zentrums: Am 7. Juni, 18 Uhr, bei der Firma Rutishauser in Züberwangen.


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