Nicht interessiert an "Verspargelung" der Landschaft wegen Windrädern

KRINAU/LIBINGEN ⋅ Landschafts- und Vogelschützer schliessen beim heutigen Wissensstand einen Windpark auf dem Älpli nicht aus. Sie weisen auf mögliche Konflikte mit anderen Zielen aus dem Bereich des Umweltschutzes hin.
15. Februar 2018, 06:00
Martin Knoepfel
Auf dem unteren Älpli oberhalb von Krinau und Libingen werden  möglicherweise drei Windturbinen oder Windenergieanlagen aufgestellt. Die Masten mit den Rotoren werden von weit her sichtbar sein, denn die Masten werden 120 bis 160 Meter hoch sein. Die Rotoren werden 110 bis 140 Meter Durchmesser aufweisen. Jede Turbine soll fünf bis sechs Gigawattstunden Strom pro Jahr erzeugen. 

Beschlossen ist noch nichts. Trotzdem stellt sich die Frage, wie Organisationen des Landschafts- und des Vogelschutzes auf diese Pläne reagieren. Einige dieser Organisationen haben das Recht, gegen Projekte eine Verbandsbeschwerde einzulegen. 
 

«Windparks nicht aus Prinzip ausschliessen»

Christian Meienberger, Geschäftsführer Pro Natura St. Gallen. Zoom

Christian Meienberger, Geschäftsführer Pro Natura St. Gallen.

Christian Meienberger, Geschäftsführer von Pro Natura St. Gallen-Appenzell, braucht für ein Urteil Informationen über die Folgen der Windturbinen auf die Greifvögel und die Fledermäuse. Eine ähnliche Antwort erhielt diese Zeitung von Jerry Holen-stein, Oberhelfenschwil. Er ist Präsident von Birdlife St. Gallen.  Er sei persönlich nicht gegen Windturbinen, zumal diese Strom produzieren könnten, wenn die Fotovoltaik ausfalle, sagte er. 

Pro Natura wolle Windparks nicht aus Prinzip ausschliessen, bestätigt Christian Meienberger. Er verweist auf die Situation auf St. Anton in Oberegg (AI) hin. Den Windpark dort sehe man vom Rheintal aus gut. Die Anlage sei nicht schön, aber tragbar. Für Pro Natura wäre es laut Christian Meienberger heikel, wenn Gebiete aus dem Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) tangiert werden.

Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz. Zoom

Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz.

Mitarbeiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) haben den Standort des geplanten Windparks oberhalb von Krinau im Juli 2017 besucht. Das sagt Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung. Er betont, dass der Standort Älpli relativ exponiert sei und dass die Turbinen von weitem sichtbar sein würden. Ein Windpark an diesem Ort sei nicht ungesetzlich. Es komme auf die genaue Platzierung an, sagt Raimund Rodewald. Mit der Energiestrategie 2050 seien die Kleinkraftwerke – «und darum handelt es sich hier» – in der Interessenabwägung zurückgestuft worden. Nur drei Windturbinen seien völlig ineffizient, gibt Raimund Rodewald zu bedenken. Das habe mit der Energiestrategie 2050 nichts zu tun, die grössere Windparks favorisiere. Mehr Windturbinen seien im Älpli nicht möglich. Die SL-FP sei nicht interessiert an einer «Verspargelung» der Landschaft, sagt Raimund Rodewald.
 

Steinadler ziehen ihre Kreise über dem Älpli

Reto Zingg, Inhaber eines Büros für Ökoberatungen, Ebnat-Kappel. Zoom

Reto Zingg, Inhaber eines Büros für Ökoberatungen, Ebnat-Kappel.

Der Ebnat-Kappler Ökoberater Reto Zingg weist darauf hin, dass das Älpli früher ein Randgebiet des Reviers von Hasel- und Auerhühnern war. Ein Projekt für Windturbinen an diesem Ort müsse sehr gut geprüft werden, auch im Hinblick auf weitere bedrohte Vogelarten. Reto Zingg weist darauf hin, dass das Gebiet zum Revier eines Steinadlerpaares gehört und dass in der Region Habichte und Rotmilane anzutreffen sind. Zudem stelle sich das Problem durchziehender Vogelarten. Es sei jedoch falsch, den Bau von Windturbinen im Älpli jetzt schon auszuschliessen. 

Ähnlich tönt es beim Wattwiler Franz Rudmann, Präsident des Vereins Nathur Wattwil-Lichtensteig-Krinau. Es gebe vielleicht keine Auerhühner mehr im Älpli, sagt er. Die Auerhühner hätten zudem einen grossen Lebensraum. Eventuell werde das Gebiet von anderen bedrohten Tierarten bevölkert. Allerdings gebe es auch andere Faktoren, die für die Tierwelt negativ seien. 
 

Auerhühner stehen auf der Roten Liste

Die Zahl der in der Schweiz lebenden Auerhühner ist seit der Mitte des 20. Jahrhunderts stark gesunken. Das schreibt das Bundesamt für Umwelt. Die aktuell besiedelten Gebiete seien für das Überleben dieser Art in der Schweiz von zentraler Bedeutung, entweder als Lebensräume oder als Verbindung zwischen den einzelnen Lebensräumen, heisst es weiter. Bei Birdlife Schweiz heisst es, dass beim heutigen Wissensstand noch keine Aussage möglich sei. Die stellvertretende Geschäftsführerin Christa Glauser weist darauf hin, dass das Älpli zum Lebensraum der Auerhühner gehören könnte. Diese Vogelart steht auf der «Roten Liste» und ist zugleich in Bezug auf Störungen heikel. Wenn es genug Unterlagen gebe, müsse man seriöse Abklärungen vornehmen, sagt Christa Glauser.

Was sie mit seriös meint, erklärt sie mit einem Beispiel. Es bringe nichts, Greifvögel zwischen acht und zehn Uhr zu zählen, da die Greifvögel wegen der Thermik meist erst nach zehn Uhr in der Luft seien. Mögliche Probleme sieht Christa Glauser nicht nur bei Kollisionen zwischen Vögeln und den Rotoren der Windräder. Man müsse auch bedenken, dass es mehr Verkehr geben werde, wenn man die Zufahrtsstrasse wegen der Bauarbeiten verbreitere, sagt die Vogelschützerin. Birdlife könne nur Einsprache machen, wenn Gesetzesartikel verletzt würden. Birdlife sei nicht generell gegen Windparks.

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