Astronomie und Raumfahrt mit Jost Bürgi

LICHTENSTEIG ⋅ Am 14. April findet in der Freudegghalle das 2. Internationale Jost-Bürgi-Symposium statt. Als Gastsprecher mit dabei ist der Astrophysiker und Astronaut Claude Nicollier.
07. April 2018, 06:00
Sascha Erni
In seiner zweiten Auflage widmet sich das Jost-Bürgi-Symposium kommenden Samstagmorgen ganz der Astronomie. Der Historiker Jürgen Hamel etwa stellt bisher unbekannte Ergebnisse aus Bürgis Arbeit vor, während Bernard A. Schüle, Kurator des Schweizer Nationalmuseums, über dessen berühmten «Himmelsglobus» referieren wird. Vollends im Weltall ankommen sollen die Besucher dann mit den letzten zwei Vorträgen: Die Astrophysikerin Aurora Sicilia-Aguilar führt in die Bildung von Planetensystemen bei jungen Sternen ein, und unter dem Titel «Faszination der Raumfahrt» berichtet Claude Nicollier von seinen Erfahrungen als Astronaut. Nicollier war zwischen 1992 und 1999 viermal im All – als erster und bislang einziger Schweizer.
 

Aus Neugierde zum Bürgi-Experten geworden

Das Symposium entstand 2016 auf Initiative von Fritz Staudacher. Zu Bürgi fand er aus Neugierde, wie der Rheinthaler erzählt. Er hätte sich in den 70ern gewundert, weshalb die Schweiz einen solch guten Ruf in Sachen Präzision hat, seine Nachforschungen hätten ihn dann bis zurück zu den Helvetiern geführt. Das erste Mal von Bürgi hörte er aber erst zwanzig Jahre später, als eine Filmfirma auf der Suche nach Sponsorengeldern an seinen damaligen Arbeitgeber herantrat. Das Thema des Films: Jost Bürgi.

Ihm sei aufgefallen, dass Bürgi im 16. und 17. Jahrhundert Unglaubliches geleistet hatte, ihn aber kaum jemand kannte. Staudacher wollte diese Wissenslücke zuerst nur für sich schliessen, heute gilt der 75-Jährige als wichtigster Bürgi-Biograph. Seit kurzem schreibt er auch im Internet auf www.jostbuergi.com über den grossen Lichtensteiger. Fritz Staudacher zeigt sich überzeugt, dass geballtes Wissen, wie es sich in der Schweiz zu den Themen Astronomie und Präzision findet, über eine lange Zeit heranwachsen muss. Entsprechend wichtig sei die Wertschätzung historischer Figuren, die Herausragendes geleistet haben. Sie sind Träger von Kultur, an denen man sich orientieren muss, wie er sagt. Mit Bürgi gäbe es so jemanden aus dem Toggenburg, noch dazu aus einfachsten Verhältnissen. «Und darauf darf das Toggenburg heute berechtigt stolz sein», betont Staudacher.
 

Universaltalent Jost Bürgi

Einiges in Lichtensteig weist auf Jost Bürgi hin. Gerade erst rückte dank der Arbeit der Jost-Bürgi-Gedächtnisstiftung unter Hans Büchler sein Denkmal wieder ins Licht der Öffentlichkeit (siehe «Toggenburger Tagblatt» vom 21. Dezember 2017), nun organisiert die Stiftung das Symposium. Es sei ein nächster Schritt, um Bürgi die Bekanntheit zu geben, die ihm gebühre, sind sich Fritz Staudacher und der Lichtensteiger Stadtpräsident Mathias Müller einig.

Konsequenterweise ist das Symposium öffentlich, der Eintritt frei. «Wissenschaft und Jost Bürgi sollen der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden», erklärt Mathias Müller. Beim ersten Symposium hatten sich gut 300 Interessierte versammelt, für dieses Jahr erwarten die Organisatoren einen etwas grösseren Zustrom. Auch in Zukunft wird Lichtensteig seinen bekanntesten Wissenschaftler im Blick behalten, denn mindestens fünf Mal soll das Symposium stattfinden, verrät Müller. Denn Themen seien genügend vorhanden, zu diesem Universaltalent Jost Bürgi.

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