Genuss auf harten Kirchenbänken

Wenn die drei Jodelchöre Säntisgruess, Thurtal und Churfirstenchörli zum «zäme johle» einladen, dann ist die katholische Kirche gleich an zwei Abenden voll besetzt.
03. Januar 2018, 05:20
Adi Lippuner

Adi Lippuner

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@toggenburgmedien.ch

Die harten und daher nicht immer bequemen Kirchenbänke halten Jodelfans aus Nah und Fern nicht vom Besuch das schon zur Tradition gewordenen Konzerts «zäme johle» in Alt St. Johann ab. Was vor acht Jahren als spontane Idee begann, um der Bevölkerung und den Gästen zwischen Weihnachten und Neujahr einen Konzertgenuss zu bieten, hat sich zum Grosserfolg entwickelt. Wie am Freitagabend von Hans-Jakob Scherrer zu erfahren war, trafen schon am 1. Dezember, beim Start der Reservationsphase, 400 Ticketwünsche ein. Scherrer ist Dirigent des Jodelclub Säntisgruess und führte als Moderator durchs Konzert.

«Nicht alle können in den ersten Reihen sitzen, aber wir bemühen uns, dass der Klang jede einzelne Sitzreihe erreicht. Zudem sind die Bänke alle gleich hart», so die von einem Schmunzeln begleitete Aussage. Stolz mache die Organisatoren – das sind die drei Chöre Säntisgruess, Thurtal und Churfirstenchörli – die Tatsache, dass es eine grosse Fangemeinde gebe. «Wir freuen uns jedes Jahr, das Einheimische, Feriengäste und Jodelfans von Nah und Fern dabei sind und viele sogar alle acht Konzerte besucht haben.»

Zweimal volles Haus

Um allen Interessenten gerecht zu werden, wird der Abend seit vier Jahren zwei Mal durchgeführt. Die Bänke und die Empore sowie die zusätzlich aufgestellten Stühle sind jeweils alle besetzt. Das ergibt zwei Mal knapp 600 Besucherinnen und Besucher. Eine Herkulesaufgabe für das ganze Team, gilt es doch, die Reservationen entgegen zu nehmen, die Plätze zu nummerieren und dafür zu sorgen, dass auch jeder und jede das richtige Ticket erhält. Von Anfang an wurde auf die Erhebung eines Eintrittspreises verzichtet. Jeder und jede darf bei der Kollekte das bezahlen, was er für den Jodelgenuss angemessen erachtet.

Jedes Jahr lassen sich die Organisatoren einen neuen Ablauf einfallen, sorgen für Abwechslung und bieten immer wieder neuen Ohrenschmaus. Bei der aktuellen Ausgabe von «zäme johle» war die Organistin Heidi Bollhalder mit von der Partie. Was sie als Zwischenspiele und Übergänge der Königin der Instrumente entlockte, sorgte ebenso für Hühnerhautfeeling wie die gekonnt ausgewählten Darbietungen der einzelnen Chöre.

Naturjodel und ihre Bezeichnungen

Während neue Kompositionen einen Namen tragen und mit Komponist angegeben werden, haben überlieferte Naturjodel unterschiedliche Bezeichnungen und werden als traditionell bezeichnet. Hans-Jakob Scherrer liess das Publikum wissen, dass viele einfach interne Bezeichnungen tragen, damit die Chormitglieder wissen, was angestimmt und gesungen wird. «Einige Melodien tauchen in unterschiedlichen Stücken auf und jeder Chor intoniert den Gesang so, wie es zu seinen stimmlichen Möglichkeiten und den Vorstellungen des Dirigenten oder der Dirigentin passt.»

Traditionelle Stücke standen beim diesjährigen Konzert einige auf dem Programm: «Sennele ho a ho» vom Säntisgruess, der Anna-Koch-Jodel vom Churfirstenchörli oder der Büeler vom Jodelclub Thurtal, um nur einige zu nennen. Den traditionellen Abschluss bildete der Gesamtchor mit dem Naturjodel Lutewiler und als Zugabe wurde der Wildhuser gesungen. Lange anhaltender Applaus, zufriedene Gesichter und stellvertretend die Aussage von Esther und Heinz Gull bringen die Bilanz von «zäme johle» 2017 auf den Punkt: «Ein rundum tolles Konzert, wir haben bisher kein einziges versäumt.»


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