«Wir wollten nie bloss Geld verdienen»

MOSNANG ⋅ Die FDP-Ortspartei hat den Unternehmer, Sportler und Nationalrat Marcel Dobler zu einem Vortrag eingeladen. Sein Referat überzeugte mit Witz und interessanten Einblicken in den politischen Alltag.
06. April 2018, 11:11
Sascha Erni
Irgendwie ist es eine typische Start-up-Story, die Marcel Dobler zur Eröffnung seines Vortrags letzten Donnerstagabend im Restaurant Krone in Mosnang erzählte. Aber auch eine Erfolgsgeschichte, die aufzeigt, wie wichtig das konsequente Verfolgen der eigenen Interessen und Stärken sein kann. Doblers Erzählung beginnt früh. Er hätte in der Schule gerne Computergames gespielt und an Rechnern rumgeschraubt, also lernte er Elektroniker. Während der Lehre eröffnete er mit Freunden den ersten Online-Shop, daraus sollte dann Schritt für Schritt Digitec werden. «Falls Sie Kinder haben, die ständig am Computer spielen, das kann also auch gut kommen», scherzte der Unternehmer in die kleine, aber gut gelaunte Runde.
 

Als IT-Mensch in Bern

Sie hätten eigentlich mit nichts angefangen, sagte Dobler. Das Wachstum von Digitec geschah organisch über 15 Jahre: von der kleinen Mietwohnung in Zürich Wiedikon bis hin zu Tausenden von Quadratmetern an Lagerfläche. Aber immer seien es die Interessen und Ideen der Mitarbeiter gewesen, die das Unternehmen erfolgreich machten. Die Hauptabsicht sei nie gewesen, einfach Geld zu verdienen, sondern es besser zu machen als die Konkurrenz – weil ihnen die Arbeit an und für sich wichtig war. Diese Philosophie, Erfolg durch Interesse und Ziele, fand sich auch in seinen Ausführungen zum Sport. «Sport war immer megawichtig für mich», sagte der Zehnkämpfer und Bobfahrer.

Im Jahr 2014 verkaufte Marcel Dobler seine Firma und stand vor der Frage, was er jetzt tun sollte. Er entschied sich für die Politik und wollte eigentlich in einem ersten Schritt Kantonsrat werden. «Das war der Masterplan, aber es ist dann anders gekommen», lachte der heutige Nationalrat. Doblers Einblicke ins parlamentarische Alltagsgeschäft wussten das Publikum in Mosnang oft zu erstaunen. Die wichtigen Geschäfte beispielsweise würden nicht im Plenum entschieden, erklärte Dobler, die meiste Arbeit geschehe in den Kommissionen. Von zentraler Bedeutung seien dabei die Vorstösse, und hier gäbe es ein Problem für Berufspolitiker. Denn, wie viel Zeit investiert wurde, damit ein Vorstoss auch durchkommt, sehen die Wähler nicht in den Medien. Dabei sei die sinnvolle und aufwendige Arbeit bereits vor den Voten im Parlament geschehen.
 

Lange mit dem Publikum diskutiert

Der Referent Marcel Dobler zeigte sich an diesem Abend sachbezogen und wenig ideologisch, aber immer mit klar liberaler Linie. Im Anschluss besonders zu reden gaben Doblers Ausführungen zu Lobbyisten. Er würde Lobbys als Dienstleistung schätzen, sagte er, denn diese Menge an Informationen könne man sich als Parlamentarier unmöglich selbst beschaffen. Schwierig werde es aber dann, wenn Geld fliesse. «Es ist ein Unterschied, ob jemand vielleicht 300 Franken Sitzungsgeld bekommt oder nebenbei als Vorstand ein Jahreseinkommen von 50000 einstreicht», sagte Dobler.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer diskutierten nach dem Vortrag am Donnerstag noch lange mit Marcel Dobler weiter. Urs Stillhard, Präsident der FDP Mosnang, war dann auch äusserst zufrieden mit dem Abend. «Wir möchten mit diesen Anlässen Politik näher zu den Leuten bringen, auf einer persönlichen Ebene», erklärte er. Die FDP Mosnang führt solche Vorträge zwei bis drei Mal im Jahr durch. Im November heisst es dann das nächste Mal: «Zu Gast in Mosnang.»

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