Unternehmen: Der Spielraum schwindet

WATTWIL ⋅ In der Steuerpraxis ändert sich vieles. Und Bitcoins-Gewinne sind künftig Vermögenswerte. Am Impulsapéro gab es Antworten zu unternehmerischen Themen.
07. Februar 2018, 05:18

Mit den Impulsapéros offeriert das Jungunternehmerzentrum seit Jahren regelmässig von Fachleuten gecoachte Weiterbildungen zu aktuellen Themen. An der ersten Veranstaltung im neuen Jahr referierte Christoph Brunner, Bereichsleiter Treuhand St. Gallen bei der OBT und Mitglied der Geschäftsleitung, über zwei Themen von ausgewiesener Aktualität. Es geht um die Frage, was sich bei der Steuerpraxis ändert und darum, ob das eigene Unternehmen für eine womöglich schnell zu realisierende Eigentumsveränderung fit genug ist. Unter den Teilnehmenden im Kongresszentrum Thurpark in Wattwil war auch Regierungsrat Bruno Damann, Vorsteher des St. Galler Volkswirtschaftsdepartements.

Christoph Brunner wandte sich zunächst den aktuellen Veränderungen in der behördlichen Handhabung der Steuerpraxis zu. Sie seien mitgeneriert durch die Ablehnung der Unternehmenssteuerreform und der Massnahmen zur Altersvorsorge an der Urne.

Bitcoins-Gewinne ins Wertschriftenverzeichnis

Der Experte illustrierte den Anwesenden mit einer Reihe von Beispielen teilweise einschneidende Veränderungen. Die Tendenz gehe dabei in die Richtung, früher auszuhandelnden Ermessensspielraum durch kleinmaschigere Regeln zu ersetzen. Veränderungen machten sich beispielsweise bei Handänderungen bemerkbar, wo Kaufklauseln zu Gunsten des Verkäufers nun neu als Einkommen bewertet würden. Gewinne bei Kryptowährungen wie beispielsweise die Bitcoins gelten neu als Vermögen und müssten im Wertschriftenverzeichnis aufgeführt werden. Zum automatischen Informationsaustausch wies der Referent darauf hin, dass die Eidgenössische Steuerverwaltung künftig davon ausgehe, dass die Steuerbehörden spätestens am 30. September Kenntnis von allen Steuerfaktoren habe. Ab diesem Zeitpunkt würden folglich Selbstanzeigen nicht mehr straflos behandelt.

Grenze des Aufwands ist erreicht

Es gab viel zu diskutieren beim Impulsapéro. Zoom

Es gab viel zu diskutieren beim Impulsapéro.

Auch das zweite Thema fesselte die Zuhörer im Thurpark: «Ist Dein Unternehmen fit für einen Eigentumswechsel?». Umstände zu einem oft sehr plötzlichen Eigentumsübergang eines Unternehmens können sich jederzeit einstellen. Dann komme es darauf an, wie gut das Unternehmen und dessen Eigentümer auf einen solchen Fall vorbereitet seien. Die Diskussion wurde rege benützt. In engagierten Voten beklagten sich mehrere Votanten in deutlicher Form gegen den immer dichter werdenden administrativen Wildwuchs. Es sei eine absolute Obergrenze der Beanspruchung erreicht. Die Voten richteten sich zum Teil auch an die Adresse des anwesenden Regierungsrates.

Regierungsrat Bruno Damann nahm dazu nicht Stellung. Im angeregten Gespräch am Apérotisch sagte Bruno Damann, er habe den Abend sehr informativ und anregend gefunden. Für ihn sei der Kontakt mit der Wirklichkeit und der Unternehmerbasis sehr wichtig. So gingen die Impulse an diesem Abend in mehrere Richtungen. (pd/lim)

Weitere Informationen auf der Website der Jungunternehmer: www.jungunter- nehmerzentrum.ch


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