Angetroffen

Der Herr der Bänkli ist wieder unterwegs

14. April 2018, 06:00
Fränzi Göggel
Sein Lieblingsbänkli steht im Schluchen, zwischen den Mosnanger Weilern Dottingen und Aufeld. «Das habe ich 2006 auf eigene Kosten selber gebaut. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich andere, marode Bänkli restaurieren würde. So fing alles an», erzählt der 82-jährige Viktor Oberhänsli. Seither kontrolliert er jeden Frühling mit seiner Oldtimer-Vespa die 36 Bänkli des Verkehrsvereins Mosnang. Heute begleite ich den Bänklichef mit meinem BMW-Motorrad.

Sein Zuhause finde ich problemlos, die grüne Vespa steht bereits auf dem Vorplatz. «Hast du genug Zeit für den Ausflug? », fragt er mich augenzwinkernd, stülpt sich Helm und einen roten Faserpelz mit aufgesticktem Oberhänsli-Logo über, kickt seine grüne Vespa an und tuckert los. Neugierig folge ich dem Zweitakt duftenden Roller. Das blaue Abgaswölklein bestätigt, dass der Motor einwandfrei läuft. 
 

Mit der Vespa auf dem Schotterweg

Entspannt fahren wir ins sonnige Quartier Säntisstrasse zum ersten Bänkli. Zwei Frauen grüssen uns und rufen dem Senior zu, dass das Bänkli in Ordnung sei. Lachend setzt er einen Haken in sein schwarzes Notizbüchlein, startet sein Vehikel, fährt weiter und wählt die Kiesstrasse über Hinterbitzi zum Flugplatz. Wir fahren das schmale Strässchen runter zum Gonzenbach, von dort hoch zum Chogelhuet und zweigen ab nach Brunnen. Die Sonne steht hervorragend, gerne mache ich ein erstes Foto. «Ha sicher en Schudel», blinzelt er mir zu, zückt einen Kamm aus der Hosentasche und richtet die Frisur.

«Getrausch di, da abe z’fahre?», fragt mich der alte Mann mit seiner betagten Vespa, und deutet mit dem Kopf auf den steilen, tief ausgefahrenen Schotterweg. Ich nicke und staune. So holpern wir den abschüssigen Chnübis runter und weiter über den Betongitterweg nach Dreien, fahren wieder hoch Richtung Ackerwies, über den Sonnenberg runter nach Mühlrüti und wieder hoch zum Egghof. Ich habe längst schon aufgehört mit Zählen. Viktor Oberhänsli kennt jedes noch so kleine Strässchen und alle schönen Plätze mit den roten Bänkli. Zügig fahren wir auf die Hulftegg und biegen links ab in den Schotterweg Richtung Älpli. Er ist positiv überrascht, dass trotz der Feuerstelle direkt vor dem Bänkli kein Abfall herumliegt. «Das isch immer guet bsuecht», freut er sich.

So rumpeln wir abermals auf die Kantonsstrasse und biegen links ab, gen Buechenhorn. Die runden, weiss-roten Verkehrsschilder, ignorieren wir. Schliesslich sind wir zum Wohle des Bürgers in der Mission Bänkli unterwegs. Schon wieder führt er mich über einen steilen Schotterweg bergwärts. Da wanderte ich auch schon durch. Vor einem Schüürli parken wir unsere Töff. «Weiter oben ist es schwierig zum Wenden, wir laufen», erklärt er. Der Bänklichef kennt sich nicht nur in seiner Heimat aus, dank klarer Sicht auf die Alpen zeigt er mir das Vrenelis Gärtli und erzählt: «Für die Alp Ergeten schreinerte ich in meiner Werkstatt einen ‹Hälblig›, aus einem halbierten Weisstannenstamm. Die Bank transportierte ich mit dem Schilter und stellte diese mit Hilfe des Älplers auf. »

Zurück in Mosnang kehren wir für eine Pause bei ihm Zuhause ein. Seine Frau offeriert feines Birnbrot und kühles, süsses Mineralwasser. Dankbar greifen wir zu, ehe wir uns wieder auf unsere Töff schwingen. Wir fahren zum Klägersberg, wo wir erneut nur zu Fuss zu den Zwillings-Bänkli weiterkommen.
 

Dringlichkeit der Reparatur ins Büchlein notiert 

Akribisch führt Bänklichef Viktor Oberhänsli Buch, welches Bänkli in der Gegend wie stark lädiert ist. Zoom

Akribisch führt Bänklichef Viktor Oberhänsli Buch, welches Bänkli in der Gegend wie stark lädiert ist.

Unterwegs nach Libingen versinkt die Sonne hinter den Hügeln, wir fahren aufwärts zum oberen Stein. Genau begutachtet Viktor Oberhänsli jedes rote Bänkli und notiert sich die Dringlichkeit der Reparatur in Prozent. Nach der über 50 Kilometer langen Bänklitour sind wir müde. Zu Hause zeigt er mir seine gut eingerichtete Werkstatt und deutet auf die Ersatzlatten, die auf ihren Einsatz warten. «Lueg, die habe ich vom Bauamt der Gemeinde und vom Wohlgensinger im Aufeld». Was für ein schönes Hobby.

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