Thursanierung: «Das Hauptproblem ist die Postbrücke»

NACHGEFRAGT ⋅ Unter dem Titel «Thursanierung Ja – aber mit Augenmass» lancierte der Ulisbacher Wendelin Brand zwei Petitionen gegen das Projekt für die Thursanierung in Wattwil. Die Unterzeichner der Petitionen sprechen von einer Luxuslösung und wollen eine Sanierung, die weniger Land beansprucht. Zudem kritisieren sie die ihrer Ansicht nach zu hohen Kosten des Projekts.
15. November 2017, 05:19
Martin Knoepfel

Wendelin Brand, wie war das Echo auf die Petitionen, die Sie eingereicht haben?

Ich werde vereinzelt auf die Petitionen angesprochen, etwa im Bus durch Personen, die ich nicht kenne. Ich habe auch einige Briefe erhalten. Bisher hat mir niemand gesagt, er finde die Petitionen schlecht. Die direkten Rückmeldungen sind aber überschaubar.

Stammen alle Unterschriften unter den Petitionen aus Wattwil?

Nein, auch Personen aus Ebnat-Kappel und Lichtensteig haben unterzeichnet. 700 Personen haben eine der beiden oder beide Petitionen unterschrieben. Da die Thursanierung ja im öffentlichen Interesse erfolgt, finde ich, dass auch Auswärtige unterschreiben dürfen.

Was entgegnen Sie auf die Antwort des kantonalen Amts für Wasser und Energie auf die beiden Petitionen zur Thursanierung?

Von der Antwort des Kantons bin ich inhaltlich nicht befriedigt. Zudem hätte ich als Antwort zu einer öffentlichen Angelegenheit auch eine öffentliche Stellungnahme des Kantons erwartet.

Was sagen Sie zur Antwort des Gemeinderats?

Ich war überrascht, dass es offenbar die Gemeinde ist, die die Verbreiterung der Thurwege verlangt hat und dafür das öffentliche Interesse ins Feld führt. In Spitzenzeiten zählen die Thurwege jedoch maximal je 100 Nutzer pro Stunde. Das heisst, sie werden nicht sehr intensiv genutzt. Zugleich fordern mehrere hundert Personen ausdrücklich, dass der Thurweg nicht verbreitert wird. Nun das Gegenteil als öffentliches Interesse zu behaupten, ist grenzwertig. Jeder merkt, dass die Argumentation der Gemeinde nicht überzeugt.

Was verstehen Sie unter dem «zwingend Notwendigen», auf das sich die Thursanierung gemäss den Petitionen beschränken soll?

Zwingend notwendig sind der Hochwasserschutz und die nachhaltige Reparatur der Stellen, an denen die 100 Jahre alten Verbauungen defekt sind. Die Behörden wollen aus dem Vollen schöpfen und Bauten realisieren, deren Notwendigkeit in den Augen vieler nicht bewiesen ist.

Woher haben Sie die Information, dass das Bett der Thur auf bis zu 80 Meter verbreitert werden soll? Auf der Website zur Thursanierung sind es rund 60 Meter.

Wie alle Anstösser sehe ich die Thur inklusive der beiden Thurwege. Aber auch wenn es nur 60 Meter sind, ist das unverschämt. In der Schomatten und im Rickenhof soll die Flusssohle auf bis zu 45 Meter verbreitert werden. Das Hauptproblem ist die Postbrücke. Jeder sieht, dass sie die engste Stelle am Thurlauf in Wattwil ist. Ausgerechnet hier unternimmt man nichts. Wenn dem so ist, dass der Durchlass bei der Postbrücke breit genug ist für ein «300-jähriges Hochwasser», ist eine Verbreiterung der Thur an jeder anderen Stelle überflüssig.


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