Beschwingte Akzente zum neuen Jahr

LICHTENSTEIG ⋅ Das Toggenburger Orchester spielte mit Schwung und guter Laune zum neuen Jahr auf. Das traditionelle Neujahrskonzert im Wiener Stil stand diesmal unter dem Motto «Solo».
03. Januar 2018, 05:20
Peter Küpfer

Peter Küpfer

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Die eingeschworenen Musikerinnen und Musiker des Toggenburger Orchesters müssen kein Umfrageinstitut mit einer Beliebtheitsumfrage beauftragen. Mit ihrem traditionellen Neujahrskonzert im Dreijahresrhythmus füllten sie einmal mehr am ersten und zweiten Neujahrstag problemlos die Freudegghalle in Lichtensteig mit deren 1000 Sitzen. Wie Josef Rütsche, scheidender langjähriger Präsident und Conférencier, bei seiner Begrüssung sagte, stand auch das diesjährige Konzert ganz im Zeichen der Freude. Gute Wünsche zum Neujahr kamen von Städtli-Präsidenten Mathias Müller. Er erinnerte in einem optimistisch und humorvoll geprägten Kurzüberblick daran, dass in vielen Bereichen Zeichen der Ermutigung auffindbar seien, sogar im Obertoggenburger Bergbahnenstreit.

Rassiges Début auf der rosa ausgestatteten Bühne

Schon der Beginn des Konzerts war eindrucksvoll. Zuerst bestieg Pianist Matthias Hüberli die noch leere, mit aufwendiger Blumenpracht in rosa ausgestattete Bühne und setzte sich ans Klavier. Zu lieblichen Mozartklängen aus «Figaros Hochzeit» wurden von hinten im Saal entschiedene Schritte vernehmbar. Zügig betraten die Ensemblemitglieder das Podium und füllten es in ihrer eindrücklichen Zahl, begleitet vom rhythmischen Begrüssungsklatschen des Publikums. Ebenso dynamisch durchschritt Ernst Hüberli, seit 45 Jahren Dirigent des von ihm gegründeten Orchesters, die volle Saallänge und setzte mit seinen sparsam-präzisen Bewegungen das bewährte musikalische Uhrwerk in Gang. Zur Eröffnung erklang glanzvoll Mozarts elegante und schmissige Ouvertüre zu «Ascanio in Alba».

Das Programm wurde dem Motto gemäss von solistischen Leistungen mitgeprägt. Zunächst trat Violinist Ioan Gramatic, Virtuose und Musikpädagoge, mit einer besinnlichen Darbietung (Jules Massenet, Meditation aus «Thaïs») auf. Dann überraschte er das Publikum mit dem Capriccio Nr. 24 von «Teufelsgeiger» Niccolo Paganini, einem eigentlichen Hexenwerk, das dem Interpreten fingerbrecherische Techniken abverlangte. Wellenartige Bewegungen, akustisch und optisch, schlossen sich mit Ivanovicis «Donauwellen-Walzer» an. Sie erhielten besonders glanzvolle Noten durch den Auftritt von Yulia Dreier, der mehrfachen und aktuellen Schweizermeisterin im Standardtanz, mit ihrem Partner Vova. Die beiden starteten ihre schwungvolle Performance mitten im Saal und variierten die von der Musik vorgegebenen Wellen dann auf der schmalen Bühne mit grosser Eleganz.

Vom «Brummbär» bis zur Clownin

Den Erwartungen punkto Überraschungen wurde das Programm auch im weiteren Ablauf gerecht. Zuerst entzückte Tuba-Solist Sepp Zürcher das Publikum mit seiner Interpretation von Fuciks «Der alte Brummbär». Dann intonierte der renommierte Solist Montis berühmtes Virtuosenstück «Czardas», für halsbrecherische Violine komponiert, von A bis Z auf seiner Basstuba, wofür es schon ein ganz besonderes «Mundwerk» brauchte. Nach etwas Verschnaufpause, lieblich ausgefüllt durch die Orchesterstreicher mit der Pizzicato-Polka von Delibes, eroberte sich ein weiteres ungewöhnliches Solo-Instrument die Herzen der Zuhörer. Domenica Ammann betrat als Musik-Clownin Solina das Podium mit ihrer singenden Säge, die bald schluchzend, bald etwas näselnd zu «O sole mio» und Sant-Saëns «Schwan» aufjauchzte. Den Abschluss des Programms machte das Ensemble mit seinem «eigenen» Solisten Pascal Bösch. Er sorgte auf seinem Xylophon mit G. Peters «Erinnerung an Zirkus Renz» für viel Schwung und Dynamik beim glanzvollen Abschluss.

Der intensive Schlussbeifall des Publikums wurde mit zwei Zugaben beantwortet: dem River Kwai Marsch, von «tausend Solisten», wie Hüberli sagte, mitgepfiffen – dem amüsierten Publikum nämlich – sowie dem «obligatorischen» Radetzky-Marsch. Zu Ehren des scheidenden Präsidenten Josef Rütsche übergab ihm Dirigent Ernst Hüberli den Dirigentenstab, den Rütsche mit Freude und Geschick handhabte.

Wie üblich verwandelte sich dann der Konzertsaal unter Mitwirkung des Publikums in die Apéro-Halle, wo sich ein vergnügtes Publikum zusammen mit den Musikern und Solisten Prosit Neujahr anwünschte.


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