Benis Olympia-Tagebuch: Feilschen um jede Kamera

EIN TOGGENBURGER AN DEN OLYMPISCHEN SPIELEN ⋅ Beni Giger wird die Verletzungshexe nicht los: Kürzlich hat es zwei weitere seiner Mitarbeitenden erwischt. Ausserdem hat ein Kampf um personelle und technische Ressourcen begonnen, da wegen der Renn-Verschiebungen nun mehrere Rennen an einem Tag stattfinden.
12. Februar 2018, 13:04
Beni Giger

Einmal mehr fahren wir am sehr frühen Morgen zum Technik-Hang, denn der Riesenslalom der Damen steht an. Wir fahren wie immer mit einem Reisecar von der Unterkunft dorthin. Wir müssen einen Security-Check absolvieren, das heisst, alle müssen aussteigen und durch eine Kontrolle, wie bei einem Flughafen. Jeder muss den Rucksack öffnen und einige von uns werden stichprobenartig mit Metall-Suchgeräten «geröntgt». Danach können wir wieder in den Bus einsteigen, der durch die Sicherheitszone durchfahren kann.

Trotz kalten Temperaturen und eisigem Wind ist Regisseur Beni Giger immer wieder auf der Piste. Zoom

Trotz kalten Temperaturen und eisigem Wind ist Regisseur Beni Giger immer wieder auf der Piste.

Am Hang angekommen, wird uns schnell klar, dass wegen des starken Windes heute gar nichts geht. Ich treffe mich mit den Verantwortlichen der FIS und wir sprechen die möglichen Verschiebungen durch. Wie ich mir schon gestern gedacht habe, werden wir angefragt, ob es möglich ist, am Donnerstag die Herrenabfahrt und den Damen-Riesenslalom zu produzieren. Das ist möglich, wenn wir das Team aufteilen. Wir setzen uns also an einen Tisch und überlegen uns, was wir so absolut dringend brauchen. Dieses Treiben erinnert mich an einen Basar. «Ich brauche 25 Kameraleute, kannst du es mit 15 machen?», fragt der eine. «Nein, das geht gar nicht, ich brauche doch diese Kamera im Ziel und überhaupt...», heisst es dort.

Nach einer Stunde ist klar, dass wir irgendwie und von irgendwo sechs zusätzliche Kameraleute organisieren müssen. Im Lauf des Tages erfahre ich, dass zwei meiner Kameraleute ausfallen. Die Kamerafrau Cony hat sich beide Innenbänder am Knie gerissen und Kameramann Giuliano muss sich den Daumen möglichst schnell operieren lassen. Unsere Arbeit am Hang kann gefährlich sein. Ich appelliere beim Mittagessen einmal mehr ans Team, dass alle vorsichtig sein sollen.

Ob es überhaupt Rennen geben kann?

Am Nachmittag gehe ich an den Start des Slaloms, um die Kamerapositionen für das Rennen in zwei Tagen zu bestimmen. Da es so stark windet, fährt kein Skilift. Wir organisieren uns ein Pistenfahrzeug. Dessen Fahrer stammt aus Bulgarien. Ich treffe also wieder jemanden von einer «neuen» Nation und wir plaudern über das dortige Skigebiet in Bansko.

Am Start des Slaloms ist es unglaublich kalt, minus 20 Grad und dazu bläst ein sehr starker Wind. Kann mich direkt beim Start fast nicht auf den Beinen halten. Ich bin gespannt, ob es hier überhaupt je ein Rennen geben wird. Ich hoffe es natürlich. Bei der Fahrt nimmt mein Helfer Rico den «Notausgang». Es war kein schöner Anblick, wie er auf dem Bauch den ganzen Hang
hinunter rutscht. Zum Glück steht er unten auf und hebt den Daumen. Ich hatte Glück, auch mich hätte es erwischen können. Ich werde heute noch zu Hans Pieren gehen und ihn bitten, er solle bei meinen Skiern die Kanten schleifen.

Ich hoffe, dass es morgen endlich ein Rennen geben wird. Die Kombination der Männer kann, falls nötig, zeitlich nach hinten verschoben werden, da es auf dem Hang Flutlicht gibt.


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