Benis Olympia-Tagebuch: Es herrscht pure Hektik bei zwei parallelen Rennen

EIN TOGGENBURGER AN DEN OLYMPISCHEN SPIELEN ⋅ Um überhaupt die Herrenabfahrt und den Damen-Riesenslalom parallel produzieren zu können, muss Beni Giger Kameraleute von anderen Sendern aufbieten. Doch diese haben es selber eilig.
15. Februar 2018, 14:25
Beni Giger
Der wichtigste Tag für viele – Athleten, Fans und Produzenten – ist vorbei. Die Abfahrt der Herren und gleichzeitig den Riesenslalom der Damen zu produzieren, war nicht ganz einfach. Die Planung und die Aufteilung der Kameras waren das A und O. Bei zwei Rennen haben wir 40 Kameraleute zur Verfügung. Zwei davon mussten wegen ihrer Verletzung bereits in die Schweiz zurückreisen.
In solchen Fällen können wir Reserve-Kameraleute aufbieten, aber die sind nur bedingt bergtauglich.

Die Produktion der Herrenabfahrt in Pyeongchang verlief ohne grosse Probleme. Zoom

Die Produktion der Herrenabfahrt in Pyeongchang verlief ohne grosse Probleme.

Um unser Problem zu lösen, haben wir ORF-Kameraleute vom Biathlon ausgeliehen. Die einzige Bedingung des Biathlon-Regisseurs war, dass sie um 15.30 Uhr, rechtzeitig für ihre Rennen, zurück sein müssen. Also rechne: Die Kameraleute müssen spätestens um 15 Uhr gehen. Die Abfahrt beginnt um 11.30 Uhr. Das Startintervall ist für die ersten 20 Fahrer 2 Minuten 30, danach 1 Minute 30. Es reicht, wenn nach Fahrer 25 fünf Kameraleute vom Speed zum Technikhang wechseln. Im Hintergrund organisieren wir alle nötigen Transporte und Akkreditierungen.
 

Schöne Bilder, die Emotionen zeigen

Ich sitze im Büro und habe kurz Zeit, meinen Kollegen aus der Romandie bei der Produktion des Riesenslaloms zuzusehen. Lange kann ich aber nicht zuschauen, denn ich muss weg und mich auf meinen Job, die Abfahrt, konzentrieren. Ich fiebere aber mit ihnen mit. Ich bin zufrieden mit unserer heutigen Produktion. Die Bilder sind schön, die Geschichten zeigen Emotionen.
In meinem Kopf läuft aber immer die Uhr und ich hoffe, dass ich die richtigen Kamerapositionen weggelassen habe. Im Vergleich zur ursprünglichen Planung haben fünf Bilder von der Strecke gefehlt. Zum Glück ist dort aber nichts Entscheidendes passiert, die Zuschauer haben also nichts verpasst.


Und morgen gleich noch einmal

Kaum ist das Rennen fertig, geht’s auf den Hang, wo wir für den Super G umbauen. Morgen blüht uns dasselbe Programm wie heute, die eine Hälfte des Teams ist hier und die andere beim Slalom. Ich muss neue Kamerapläne erstellen, denn alle müssen wissen, welche Kameras gebraucht werden. Die Zeit vergeht im Flug. Ich muss rennen, damit ich um 18 Uhr den Bus erreiche und auch auf der Fahrt organisiere ich weiter. Die Biathlon-Kameraleute kommen wieder zu uns, und wieder müssen wir den Transport für sie organisieren.

Endlich im Zimmer rufe ich meinen Sohn Carlo an und gratuliere ihm zum Geburtstag. Er ist 2006 auf die Welt gekommen, als ich an den Olympischen Spielen in Turin war. Der Anruf bei meiner Familie gibt mir Kraft, auch morgen wieder alles zu geben.
 

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