Die Ausstellung Arthur 3 stellt in fünf Wartehallen Kunst zum Thema «Auszug – Einzug» aus

Wartesäle zur Kunsthalle gemacht

Nesslau. Am Samstag findet die Vernissage der Ausstellung Arthur 3 statt. Sechs, aus dem Toggenburg weggezogene Künstler präsentieren ihre Kunst in den Wartesälen von Nesslau bis Lichtensteig.
11. September 2008, 01:05
Noemi martig

«Ins Toggenburg zurückkommen ist für mich kein Thema, sonst wäre ich schon längst wieder hier», antwortet Christian Eberhard, auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, Zürich für seine Heimat zu verlassen. «Mit meinem Beruf ist das nicht möglich», sagt er. Christian Eberhard zog vor elf Jahren aus seinem Heimatort Wattwil weg, um in Zürich Fotografie zu studieren. Den Schritt, die Heimat zu verlassen, machen heutzutage viele, sei's aus beruflichen Gründen oder aus Neugier auf das Unbekannte. Der Verein Kunsthallen Toggenburg, die Organisatoren der «Nomadenausstellung» Arthur, nahm dieses Thema auf und beauftragte sechs Künstler, alles Toggenburger, die in die Stadt gezogen sind, einen Beitrag zum Thema «Auszug – Einzug» zu gestalten.

Das Besondere an der Ausstellung: Präsentiert werden die künstlerischen Beiträge nicht in einer Kunsthalle, sondern in den Warteräumen der Bahnhöfe von Lichtensteig, Wattwil, Ebnat-Kappel, Krummenau und Nesslau. Wartesäle vereinen stets – für eine gewisse Zeit – ankommende und abreisende Menschen. So wird der Raum Sinnbild für die Ausstellung. «Die Kunst wird durch die Wartehallen zu den Menschen ins Toggenburg gebracht, auch zu denen, die sich sonst vielleicht nicht getrauen würden, sich Kunst anschauen zu gehen», sagt Herbert Weber, Organisator und Mitglied des Vereins Kunsthallen Toggenburg.

Schlichte Thema-Umsetzung

Dünne schwarze Linien, die sich fortlaufend zu einer Landschaft aus Gebäuden, Hügeln und Strommasten formen, sind auf den von Christian Eberhard installierten Monitoren zu sehen. «Ich bin die Strecke Zürich–Wattwil für dieses Projekt mehrmals mit dem Zug gefahren und habe mir dabei skizzenhafte Zeichnungen der Landschaft angefertigt. Diese dienten später als Vorlage für meine Animationsfilme», so Christian Eberhard. Die 2000 Zeichnungen ergaben drei Filme, die rund eine Minute dauern und im Wartesaal Nesslau in einer Endlosschlaufe abgespielt werden. Zudem hat er Motive, die in den Filmen wiederzufinden sind, zu einem Muster zusammengesetzt und wird sie als Wandschmuck im Warteraum aufhängen. Seine Arbeit habe keinen tieferen Hintergrund, ihm ginge es darum, den Weg Zürich–Wattwil zeichnerisch zu beschreiben. Jedoch spiele die Wiederholung eine wichtige Rolle. Diese Strecke repetiere sich für ihn selbst immer wieder, da er oft seine Familie in Wattwil besuche und so wiederhole er auch die Motive dieser Strecke in seiner Kunst im Wartesaal immer wieder, erklärt Christian Eberhard. Nicht nur das Heimkehren ist für ihn kein Thema, auch Heimweh verspürt der Wahlzürcher keines. «Wattwil ist meine Heimat und ich fühle mich mit dem Tal auch verbunden. Doch ich war froh, als ich weggehen und das Stadtleben kennen lernen konnte, denn das Tal kann auch sehr einengend sein», sagt Christian Eberhard.

Arthur aus der Not geboren

Die Ausstellung Arthur findet dieses Jahr zum dritten Mal statt und das Konzept, immer in öffentlichen Räumen auszustellen, ergab sich aus einer Notlage: Im 2006 wurde eine Kunstausstellung in der Heberlein-Shedhalle durchgeführt, doch dieser Standort konnte aufgrund der finanziellen Mitteln nicht beibehalten werden. Daraufhin beschloss der Verein Kunsthallen Toggenburg, «Arthur» als Nomade durch das Toggenburg ziehen zu lassen. Am Samstag, 13. September, dem Eröffnungstag, fährt der Extrazug «Arthurexpress» von Bahnhof zu Bahnhof, wobei sich die Besucher die verschiedenen Werke in aller Ruhe betrachten können. Los geht es um 14.36 Uhr in Lichtensteig, Billette können im Vorverkauf an den Bahnhöfen Nesslau, Ebnat-Kappel, Wattwil und Lichtensteig. bezogen werden.


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