Sieben Diktatoren und ihre Traktoren

TOGGENBURG. Der Verein Kunsthallen Toggenburg kündigt seine vierte Ausstellung an. Arthur#4 widmet sich im September in der Dietfurter Rietberghalle dem Thema «Oil for Tractors».
14. April 2009, 08:21
MICHAEL HUG

Sieben Diktatoren beherrschen das Toggenburg. Ihre Macht demonstrieren sie mit sieben kraftstrotzenden Traktoren. Diese stehen sinnbildlich und implizit für die Reputation der Diktatoren einerseits und anderseits steht jedes ihrer Einzelteile als dem Volk entrissener Obolus. Freidenkende Kunstschaffende lehnen sich dagegen auf und entreissen den autokratischen Churfürsten zumindest eines dieser Symbole der Potenz und zerlegen es in einer 24stündigen Aktion bis zum allerletzten Einzelteil.

Einige Schrauben lösen

«Es wird einige Schrauben zu lösen geben», sagt Markus Eugster, Mitglied der Künstlergruppe OHM41, «und es wird viel altes Öl fliessen.» Die Idee seiner Gruppe ist im März als Siegerin eines Wettbewerbs hervorgegangen, den der Verein Kunsthallen Toggenburg für ihre vierte Ausstellung ausgeschrieben hat. Daniela Vetsch vom Verein: «Wir hatten 19 Eingaben von Kunstschaffenden aus der ganzen Schweiz. Gewonnen hat das Kunstnetzwerk Ohm41, weil es eine bestechende Idee hatte, die zudem unserer Vorstellung am nächsten kam.»

Ohm41 keine Unbekannte

Ohm41 ist in der Region keine Unbekannte. Das Gros seiner zehn Mitglieder kommt aus dem Raum Wil, mit Thomas Freidl und Roland Rüegg sind auch zwei Toggenburger dabei. Rüegg sitzt im Vorstand des Vereins Kunsthallen und nimmt als Ohm41-Mitglied nicht teil, wohl aber der Ganterschwiler Thomas Freidl: «Ohm41 schickt ein Rumpfteam aus vier Künstlern, weil die restlichen Mitglieder des Netzwerks in diesem Jahr anderweitig stark engagiert sind.» Thomas Freidl, der Wiler Markus Eugster und die Hinterthurgauer Andreas Schedler und Stefan Kreier sind diese vier Kunstschaffenden, die sich die Idee «Oil for Tractors» ausgedacht haben.

Zerlegung in 24 Stunden

Diese vier setzen sie auch um: 24 Stunden Zeit gibt man sich, um den Traktor auseinander zu nehmen, von morgens sechs Uhr bis zur gleichen Zeit am nächsten Tag. Vetsch: «Die Aktion ist gleichzeitig Vernissage, das heisst, man kann der Performance in der Rittberghalle beiwohnen, selbstverständlich auch über 24 Stunden, das wäre echte Solidarität.» Daniela Vetsch verrät auch, dass eine Multimediashow geplant sei, und die Aktion von Videokameras und Interviewern begleitet wird. Es gibt einen Prolog, eine Erzählung und ein Finale. «Die Details sind uns noch nicht alle bekannt.»

Planungsphase

Derzeit befinden sich Markus Eugster und seine drei Demontagekollegen in der Planungsphase: «Wir arbeiten zurzeit am Feinkonzept.» Es ginge nicht einfach darum, einen Traktor zu zerlegen. Wichtig seien die Implikationen, welche die sieben Churfürsten versinnbildlichen, erklärt Eugster, sowie die Metaphern zum aktuellen Zeitgeschehen, man denke nur an die Abwrackaktionen in Deutschland. Eugster spricht von Protuberatoren, Bürgerkollektiven und Zapfsäulen, bringt Stichworte wie «Oil for Food» ins Spiel oder Zylinderkopf und Differentialgetriebe beziehungsweise der Sand darin. Daniela Vetsch ist begeistert: «Die Zerlegung dieses Mobilisationsgeräts in der Rittberghalle, die direkt an der geplanten Umfahrungsstrasse von Bütschwil steht, birgt viel Brisanz zu den Toggenburger Verkehrsdiskussionen.» Die Performance zur Arthur#4 findet am 12. und 13. September statt.


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