Kunsthotel Arthur im alten Pöstli

Kunst an originellen Schauplätzen: Das ist das Motto der Kunsthallen Toggenburg. Dieses Jahr verwandeln Ostschweizer Künstler das ehemalige Hotel Post in Ebnat-Kappel in ein Kunstobjekt. Abends gibt es Konzerte, Filme, Vorträge, ein Ferienfoto-Karaoke und Poetry-Slam.
05. Juni 2014, 07:47
HANSRUEDI KUGLER

EBNAT-KAPPEL. Der violette Campingwagen leuchtet über den ganzen Bahnhofplatz von Ebnat-Kappel. Es ist das Maskottchen des Vereins Kunsthallen Toggenburg. Bei jeder Ausstellung wird er neu bemalt. Dieses Jahr ist darauf der US-Schauspieler Anthony Perkins zu sehen, der mit der Hand etwas abwehrt. Was im Hitchcock-Thriller «Psycho» ein Zeichen des Entsetzens ist, soll in Ebnat-Kappel ironisch auf das Thema hinweisen. Die Kunstveranstalter der Kunsthallen Toggenburg haben sich nämlich dem Thema Tourismus gewidmet und führen eine Woche lang, von morgen Freitag an, das Kulturhotel Arthur. 14 eingeladene Künstler haben ehemalige Hotelzimmer und die Wohnungen in Kunstobjekte verwandelt. Die Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg stellt das Hotel Post in der Zeit zwischen dem Auszug der Mieter und dem Abbruch für das künstlerische Projekt zur Verfügung. An seiner Stelle wird bis Herbst 2015 dann der Neubau der Raiffeisenbank entstehen.

Bewohnbare Kunstzimmer

Lois Hechenblaikner stellt seine tourismuskritischen Fotografien unter dem Titel «Von Paradiesen und Apokalypsen» aus. Die in Wattwil aufgewachsene Tänzerin und Performerin Katja Grässli inszeniert einen Raum mit Silhouetten. Silvio Faieta täuscht Hotelmobiliar mit Plakaten vor. Einige der Kunstzimmer sind als bewohnbare Kunstobjekte für eine Übernachtung buchbar. So schafft das «Hotel Arthur» für eine Woche Raum für eine ironisch-kritische Auseinandersetzung mit Tourismus, mit dem Ausverkauf der Landschaft, mit Erinnerungen und Nostalgie. Denn wo aus dem Hotel Post bald ein Bankneubau wird, brachen einst Postkutschen ins obere Toggenburg auf und feierten Skifans in den 1970er-Jahren Weltcuprennen.

«Next tourist director»

Im «Hotel Arthur» bietet der Kunstverein zudem jeden Abend ein Kulturprogramm. Für die Abende sind Gastköche engagiert. Die Abendveranstaltungen beleuchten verschiedene Facetten des Tourismus. Im Rahmen des Poetry-Slam-Abends wird der neue Toggenburger Tourismusdirektor gesucht. Der Fotograf Lois Hechenblaikner stellt nicht nur seine Fotos aus, sondern beleuchtet auch in einem Vortrag kritisch die touristischen Veränderungen in Landschaft und Kultur der Bergregionen, vor allem in seiner österreichischen Heimat. Die Thurgauer Schriftstellerin Andrea Gerster liest aus «Zimmer frei». Der Dia-Abend «Ferienfoto-Karaoke» mit Moderation nimmt das Fernweh aufs Korn oder ins Visier. Konzerte mit jungen Bands wie Panda Lux, Orpheas oder Urban Junior runden das Programm ab. Was beim Programm nicht fehlen darf: Zum allerletzten Mal findet in der «Post» ein griechischer Abend mit Judith und Aristo Sourvinos statt, die 38 Jahre lang, bis ins Jahr 2010, das Restaurant Post geführt hatten.


Leserkommentare

Anzeige: