Am Künstlergespräch in Ebnat-Kappel erfuhr man die Beweggründe der «arthur #3»-Künstler

«Ich musste weg von hier!»

EBNAT-KAPPEL. Am Samstagvormittag fand im Rahmen der laufenden Kunstausstellung «arthur#3» im «Schuppe» ein Gespräch mit den teilnehmenden Kunstschaffenden statt.
29. September 2008, 01:05
Michael Hug

Zu einer nicht kunstfördernden Zeit – morgens um zehn Uhr – trafen vier Kunstschaffende, die Organisatorengruppe der «arthur#3» und eine Handvoll Interessierte zum Künstlergespräch im Ebnat-Kappler «Schuppe» ein. Von den sechs beteiligten Kunstschaffenden waren Manuel Strässle aus Basel (Installation im Bahnhof Lichtensteig), Erika Looser und Philipp Koller aus Zürich (Gemeinschaftsinstallation im Wartehäuschen auf dem Perron in Wattwil) und Christian Eberhard, ebenfalls aus Zürich (Installation im Bahnhof Nesslau) zum Gespräch erschienen. Man war guten Mutes, der Morgenfrische im ungeheizten Güterschuppen – unter Zuhilfenahme von genügend heissem Kaffee und situationsgerechter Kleidung – zu trotzen.

Kaffee und Kleidung

Rund eine Stunde trotzte man, dann waren Energie und Thema erschöpft. Das Thema: Die Haltung der «arthur#3»-beteiligten Kunstschaffenden zu ihrem Auszug aus dem Toggenburg im Allgemeinen und zur Ausstellung im Besonderen. Alle sechs Kunstschaffenden waren einst im Toggenburg wohnhaft und sind seit mehreren Jahren in Schweizer Städten künstlerisch tätig (Roland Guggenbühler ist 2007 in Zuzwil verstorben).

Drei der vier anwesenden «Ausgezogenen» gaben als Grund für den Wegzug die Ausbildung an. Nur Manuel Strässle hatte persönliche Gründe: «Es war mir zu eng. Es war keine Frage des Wegwollens, sondern des Wegmüssens!»

Umfeld neu geschaffen

Die vier haben sich an ihren Lebensorten mittlerweile ein soziales Umfeld geschaffen, so dass sie sich – vorläufig – ein Zurückkommen nicht vorstellen können. Roland Rüegg, Wattwiler Bildhauer und damit auch ein Kunstschaffender, ist geblieben: «Ein solcher Auszug kam für mich nie in Frage. Wohl auch deshalb, weil ich als Autodidakt nicht wegen einer Ausbildung wegziehen musste.» In diesem Zusammenhang stellte Gesprächsleiterin Brigitte Schönenberger (Kirchberg) fest, dass es bemerkenswert viele Toggenburger Kunstschaffende gibt, sei es im Toggenburg selber oder in anderen Gegenden der Schweiz.

Viele Toggenburger Künstler

Die Gründe dafür oder ob dies ein subjektiver Eindruck ist, fand die Gesprächsrunde nicht heraus. Ob die Stadt inspirierend sei, wollte Schönenberger wissen. Sehr sogar, meinten die «Ausgezogenen». Einerseits sei es die Inspiration durch das künstlerisch tätige Umfeld, andererseits das grosse kulturelle wie auch kunstbezogene Angebot in den Städten.

Dem hielten wiederum die im Publikum anwesenden Kunstschaffenden Roland Rüegg, Jan Käser und Herbert Weber entgegen, dass Ruhe und Abgeschiedenheit auf dem Land ebenso inspirierend sind. Im Übrigen, war man sich einig, scheint die Kunst auf dem Land – insbesondere eine Ausstellung wie «arthur#3» – wenn nicht mehr Menschen, so doch eine breitere Bevölkerungsschicht anzusprechen.

Hiergebliebene, Weggegangene

Bei diesem Punkt verlagerte sich die Argumentation auf die «hiergebliebenen» Kunstschaffenden, wohl auch aufgrund der Altersstruktur – die «Weggezogenen» sind fast durchwegs jünger als die «Dagebliebenen». Leo Morger: «Künstler müssen intervenieren, dabei ist der öffentliche Raum fast noch die einzige Umgebung, um hervorzutreten.» Galeristin Brigitte Schönenberger: «Im öffentlichen Raum ist man plötzlich ganz breit!»

Jan Käser: «Oft fragt man sich, ob man nur noch Vernissagen machen muss, da nachher doch keiner mehr kommt. Das ist bei dieser arthur-Ausstellung anders. Man kann unmöglich nicht hinsehen, die Konfrontation ist Alltag!» Insofern sei es ein Glücksfall, dass es mit der Wattwiler Kunsthalle nicht geklappt hat, war man sich bei den «Arthur#3»-Organisatoren einig.


Leserkommentare

Anzeige: