Der Samichlaus und seine Geschichte

Der «Samichlaus» – bald ist er wieder da und beschenkt die Mädchen und Buben mit Köstlichkeiten. Aber was bedeutet sein Name und warum regnet es an seinem Ehrentag «Brotmane» und «Biberli»? Wir werfen einen Blick auf die Traditionen hinter den vorweihnachtlichen Bräuchen.
06. Dezember 2014, 02:48
PETER KÜPFER

REGION. «Sami» ist eine schweizerdeutsch angepasste Form des lateinischen «sanctus» für «der Heilige». «Chlaus» ist die schweizerische Form für Nikolaus. So sagen die Innerschweizer ihrem berühmten Sohn, dem Einsiedlerheiligen im Ranft, Niklaus von Flüe, noch heute «de heilig Chläus». Aber warum taucht vor Weihnachten gerade Sankt Nikolaus auf, warum hat er einen roten Mantel und verteilt den Kindern Nüsse, Biberflade und Mandarinen?

Eine lange Tradition

Der Nikolaus-Brauch geht auf den Heiligen Nikolaus von Myra zurück, einen der populärsten Heiligen aus den ersten Jahrhunderten der Christenheit. Myra ist eine Stadt in der kleinasiatischen Region Lykien, die damals zum Römischen Weltreich gehörte. Nikolaus von Myra war ein höchst populärer Bischof, der insbesondere den Armen und Benachteiligten half. Nachts schlich er unerkannt durch die Stadt und legte auf die Fenstersimsen besonders armer Familien Geschenke und Köstlichkeiten für die Kinder. Daraus wurde dann unser Samichlaus, ein Vorbote unserer Weihnacht.

Regionale Ausprägungen

Echt schweizerisch kommt der Samichlaus in unseren Breitengraden aus dem tiefen Wald und führt in seinem Sack die Köstlichkeiten für die Kinder mit sich. In einigen Ländern und Regionen, so beispielsweise Norddeutschland und Nordeuropa, in Frankreich und im englischsprachigen Raum von San Francisco bis Australien ist St. Nikolaus zum Weihnachtsmann (Santa Claus, Père Noël) mutiert, der den Kindern am Weihnachtstag die Geschenke frei Haus liefert, vorzüglich durch Abwurf durch den Kamin.

Artige Kinder und böse Kinder

Im autoritären 19. Jahrhundert kam dann das Schema «artige» Kind» und «böses Kind» voll zum Tragen, wobei der moderne Brauch auch auf alte Überlieferungen zurückgreifen konnte. Im süddeutschen Raum, in Österreich und teilweise auch in der Schweiz wird der rot gekleidete bischofsartige Sankt Nikolaus von einem schwarzen, finsteren Gesellen mit der Rute begleitet, dem Knecht Ruprecht, dem Krampus, wie er in einigen Gegenden Österreichs noch heisst, oder schweizerdeutsch-verharmlosend: dem Schmutzli. Dieser verkörpert das Böse, und deshalb sucht er mit seiner Rute die bösen Kinder heim. Da diese Bezeichnung bei uns aus der Mode ist, verschwindet auch der Schmutzli oder ist heute einfach zum etwas mürrischen Diener des Samichlaus geworden, der zwar maulend, aber fleissig den Kindern, auch den unartigen, auf Geheiss des Samichlaus die Nüssli und Mandarinli verteilt.

Warum ein «Biberflade?»

Sie sind aus dem Sack des Samichlaus nicht wegzudenken: die viereckigen braunen Biberfladen oder Lebkuchen, wie sie hochdeutsch heissen, mit ihren Papierbildern drauf, die oft kaum wegzuschaben sind, oder ihren farbigen Zuckerdekorationen. In Norddeutschland heissen diese Leckereien «Pfefferkuchen», obwohl sie ähnlich schmecken wie unser Biberfladen. Dabei ist auch hier unsere schweizerische Lautung gar nicht so weit weg vom Norddeutschen. «Fladen» ist ein flaches Gebäck. «Biber» hat mit dem auch unsere Gewässer wieder heimsuchenden Tier nichts zu tun. Es ist eine Umformung von Pfeffer. Nun war Pfeffer von alters her ein seltenes und deshalb sehr kostbares Gewürz. Deshalb sagte man früher sehr reichen Leuten auch Pfeffersäcke. Exotische Gewürze zu besitzen, war den normalen Menschen nur einmal im Jahr möglich, eben an Weihnachten. Deshalb enthalten viele traditionelle Weihnachtsgebäcke starke, orientalische Gewürze wie Nelken, Zimt, Muskat, Koriander und Ingwer. Da diese Gewürze allesamt ein sehr starkes Aroma haben, galten sie alle als Pfeffer oder pfefferartig. Und deshalb war ein Weihnachtsgebäck, das diese gesuchten Spezereien enthielt, eben ein Pfefferkuchen oder, ostschweizerisch, ein Biberflade. Übrigens hat nach Duden Lebkuchen in seiner Bedeutung nichts mit Leben zu tun, sondern mit Laib: es war halt ein Kuchen, der die Form eines flachen Brotes hatte.

Grittibenzen und Brotmane

Und warum backen die Bäcker um den 6. Dezember herum wie wild Brotmane oder Grittibenzen? Gebäck in menschlicher Form gibt es seit langer Zeit, eine besondere Attraktion für Kinder. Für einmal ist die Puppe essbar. Während Herkunft und Bedeutung von «Brotma» kein Rätsel ist, ist es für «Grittibenz» schwieriger. «Gritti» ist ein altes Adjektiv und bedeutet das gleich wie «rittlings». Gemeint sind seine gespreizten Beine, wie beim Reiten. «Benz» ist die alemannische Form für «Benedikt».

Da früher der Name «Benz» ungefähr so weit verbreitet war wie später «Hans» oder «Fritz», heisst der «Grittibenz» eigentlich der «Benz», oder verallgemeinernd, der Mann mit den gespreizten Beinen. Ob es aus Gründen der Gleichberechtigung wohl bald einmal in vorweihnachtlicher Zeit auch gebackene «Brotfrauen» gibt?


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