Im September findet die dritte Ausstellung des Vereins Kunsthallen Toggenburg statt, diesmal in Wartesälen von fünf Bahnhöfen

Arthur wird zum Kunstnomaden

TOGGENBURG. Sechs Exil-Toggenburger kehren für Arthur 3 zurück. In den Wartesälen der SOB machen sie sich Gedanken zu «Auszug, Einzug». Die Kunsthalle in Wattwil allerdings ist für den Verein Kunsthallen Toggenburg als Ausstellungsort «gestorben».
16. Juli 2008, 01:05
Hansruedi Kugler

«Arthur ist endgültig zum Nomaden geworden», sagt Roland Rüegg, Wattwiler Künstler und Mitinitiant der Kunsthallen Toggenburg. Die Eröffnungsausstellung im Herbst 2006 auf dem Heberlein-Areal hätte zum Startschuss für eine Toggenburger Kunsthalle werden sollen. Ein Jahr später sprach man dann von einem Provisorium: Die Shedhalle sollte künftig eine Basisstation bilden, von der aus der Kunstverein mit ihren neuen Maskottchen, dem Camping-Wagen Arthur, verschiedene Orte im Toggenburg besuchen wollte. Aktuelles Kunstschaffen sollte ins Tal geholt und hier mit der Umgebung einen spannenden Dialog aufnehmen, kommentieren oder mystifizieren, belächeln oder phantasieren. Die Iburg war 2007 die erste Aussenstation. Sie war einen Monat lang mehr als das hübsche Türmchen, sondern ein Ort düsterer Legenden, paranoider Überwachung und verspielter Symbolik.

Kunsthalle ist gestorben

Basisstation und nomadisierende Ausflüge: Von dieser Idee hat sich der Verein nun verabschiedet. «Für den Verein Kunsthallen Toggenburg ist die Shedhalle als Ausstellungsort gestorben», sagt Rüegg. Der Verein hat sich mit den Eigentümern nicht auf eine Benutzung einigen können. Die Leute der Kunsthallen Toggenburg hatten die Vision eines reinen Kunstraums, wo aktuelle Kunst ausgestellt und im Experiment entstehen kann. Eine Miete hätte der Kunstverein nicht aufbringen können. Nach zwei Jahre «haben wir die Geduld verloren», sagt Roland Rüegg. Er sagt es ohne Bedauern: «Unterdessen sind wir mit Arthur so glücklich, dass wir das Nomadisieren zur Dauerexistenz machen.»

Ein «sans papiers» auf Tour

«Die Kunst geht hinaus in die Dörfer, verlässt die Halle, die oft als Elfenbeinturm wahrgenommen wird», sagt Nicolas Sourvinos vom Kunstverein. Jeden Herbst entstehen und erlöschen neue Kunsthallen an ungewohnten Orten. Der Name «Arthur» ist eine Zusammensetzung aus «Art» und «Thur», also Kunst im Thurtal, oder Kunst auf Tour.

Als die Leute vom Kunstverein für den Wohnwagen eine Zulassung beantragen wollten, zeigte es sich, dass sich dieser Wohnwagen illegal, also ohne Einreisepapiere, als «sans papiers» in der Schweiz aufhält. «Das passt aber ganz gut zu unserem Kunstverständnis, wonach Kunst durchaus auch subversiv sein soll», sagt Nicolas Sourvinos. «Das erhöht zudem den Spassfaktor beim Nomadisieren», meint Roland Rüegg, «obwohl wir unsere Ausstellungen nicht als Provokation anlegen.»

Was bleibt vom Nomadentum?

Auch wenn die Kunstnomaden nach einem Monat wieder ihre Zelte abbrechen: Arthur soll Spuren hinterlassen. Von Arthur 1 hängt immer noch ein Bild von Loredana Sperini in der Shedhalle, Jan Kaesers Schweizer Fahne, auf welcher das Kreuz leicht verformt aufgenäht ist, hängt nun fix bei der Iburg (der Kunstverein hat die Fahne nach der Ausstellung Arthur 2 der Gemeinde Wattwil geschenkt). Für repräsentative oder bloss dekorative Kunstwerke im öffentlichen Raum haben die Leute vom Verein Kunsthallen Toggenburg wenig übrig. Dekorative Skulpturen auf Verkehrskreiseln entsprechen definitiv nicht unserem Ziel», sagt Roland Rüegg.

Sinnbild Wartesaal

Spuren soll auch die diesjährige Ausstellung in den Wartesälen der Südostbahn hinterlassen. In Lichtensteig, Wattwil, Ebnat-Kappel, Krummenau und Nesslau ziehen weggezogene Toggenburger mit ihrer Kunst in die Wartesäle der Bahnhöfe ein. «Das Wegziehen ist allzu oft auch Realität für junge Toggenburgerinnen und Toggenburger», meint Nicolas Sourvinos. Wartesäle seien deshalb ideale Sinnbilder für das Reisen und das Rückkehr, für Sehnsucht und Fernweh. Und Wartesäle erfüllen ein weiteres Kriterium der Kunsthallen-Leute: Diese wollen Kunst an Orten zeigen, wo Passanten, die sonst nie in Kunsthallen oder Museen gehen, von Kunst überrascht werden können.


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