Thurgauer erliegt nach Motocross-Unfall seinen Verletzungen

RISIKO ⋅ Das Motocross Amriswil hat einiges zu verdauen. Der vor zwei Wochen verunfallte Seitenwagenfahrer ist nun seinen Verletzungen erlegen.
07. Oktober 2017, 08:24

Eine traurige Nachricht hat sich diese Woche in der Szene herumgesprochen – und die Thurgauer Staatsanwaltschaft hat sie mittlerweile bestätigt: Martin Kobi aus Langrickenbach ist am letzten Montag seinen schweren Verletzungen erlegen. Er war am Rennwochenende vor 14 Tagen auf der Amriswiler Motocross-Strecke während eines Oldtimer-Seitenwagenrennens böse gestürzt. Nach Abklärungen der Kantonspolizei hatte er die Kontrolle über sein Motorrad verloren, worauf sich dieses mitsamt Seitenwagen überschlug. Der Fahrer wurde mit der Rega ins Spital geflogen. Sein 15-jähriger Beifahrer blieb unverletzt.

Kobi ist in diesem Jahr bereits der zweite Thurgauer, der bei einem Motocrossrennen tödlich verunglückt ist. Felix Indergand, Präsident des Auto- und Motor-Sportclubs Oberthurgau, der selbst an Oldtimerrennen teilnimmt, sagt: «Es ist verrückt so etwas. 400 Fahrer waren auf der Piste und einen trifft es so hart.» Er ist ebenso rat- und sprachlos wie der Pressesprecher vom Motocross Amriswil: «Es ist tragisch, dass er an seinem Heimrennen verunfallen musste. Das ist wirklich dumm gelaufen.»

«Martin Kobi war ein spe­zieller Mensch. Mit einer eigenen Meinung. Der hat sich nicht gern etwas sagen lassen», sagt Philipp Kempf, Sportpräsident des Schweizerischen Auto- und Motorradfahrer-Verbands (SAM). «Ich habe sogar noch am Samstag, einen Tag vor dem Unfall, mit ihm darüber gesprochen, ob er starten wolle. ‹Klar, super, kein Problem›, hat Kobi mir gesagt: ‹Ich passe auf.›»

Kempf versichert, auch ältere Semester könnten an Oldtimer-Rennen teilnehmen. Er könne aber keine Auskunft darüber geben, wie geübt und trainiert Kobi gewesen sei. In den Tagen nach dem Unfall habe es Gerüchte ­gegeben, dass es ihm gar nicht gut gegangen sei. «Man hatte Angst, dass er nicht über die Runden kommen könnte», sagt SAM-Zentralpräsident Roger Uhr.

Die Strecke ist von zwei Verbänden als sicher abgenommen worden. Deswegen und weil es in den letzten 50 Jahren in Amriswil nie einen schwerwiegenden Unfall gegeben habe, wog man sich in Sicherheit – und ist in diesen Tagen umso schockierter.

Die Fragen nach Konsequenzen drängt sich auf. «Die Sicherheit der Zuschauer und Fahrer ist für uns prioritär», sagt Uhr. «In Amriswil war die Sicherheit gewährleistet. Ein Restrisiko lässt sich natürlich bei diesem Sport nie ausschliessen», sagt Kempf. Es war an jenem Wochenende nicht der einzige Vorfall mit Verletzten beim Rennen in Amriswil. Für Schlagzeilen sorgte nämlich zuerst ein Unfall am Samstag. An diesem Tag verlor kurz nach 14.30 Uhr ein 22-jähriger Fahrer die Kontrolle über sein Motorrad und wurde abgeworfen. Die Maschine durchbrach zwei Absperrungen und prallte gegen drei Zuschauer. Eine Frau und ein Kind wurden leicht verletzt. Schlimm traf es aber einen Sechsjährigen, der schwere Verletzungen erlitten hatte. Er musste für mehrere Tage ins Spital.

 

Peter Exinger

peter.exinger@thugauerzeitung.ch


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