Trinkwasser-Chef fordert Massnahmen: "Chemikalien landen direkt im Trinkwasser"

WEINFELDEN ⋅ Das Trinkwasser für die Region ist von bester Qualität. Es weist kaum Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf. Trotzdem fordert Walter Krähenbühl griffigere Massnahmen als vom Bund vorgeschlagen.
09. Februar 2018, 16:31
Mario Testa

Mario Testa

mario.testa@thurgauerzeitung.ch

"Antibiotika sind im Weinfelder Trinkwasser bisher nicht nachgewiesen und auch bei den Pflanzenschutzmitteln ist alles im grünen Bereich", sagt Walter Krähenbühl. "Sogar in der Summe liegt die Belastung durch Pflanzenschutzmittel unter dem zulässigen Grenzwert." Zwar seien die neusten Daten der Nationalen Grundwasserbeobachtung (Naqua) noch nicht veröffentlicht, aber als Geschäftsführer der Technischen Betriebe Weinfelden (TBW) hat er Einsicht in die Messwerte. Auch das Pumpwerk Gugl, das der Regionalwasserversorgung Mittelthurgau (RVM) gehört, aber von den Technischen Betrieben betreut wird, gehört zu den Naqua Messpunkten. "Alle drei Monate kommt ein Mitarbeiter des Bundesamts für Umwelt und nimmt Wasserproben", erklärt Krähenbühl. "Die letzte Naqua-Statistik wurde 2009 veröffentlich, nun warten alle gespannt auf die nächsten Zahlen."

Die Wasserqualität in den Hauptmerkmalen wie Härte oder Nitratgehalt geben die Technischen Betriebe regelmässig bekannt. Die Pflanzenschutzmittel-Belastung jedoch nicht. Es sind Stoffe wie Azetin, Desethylatrazin oder Desphenyl-Chloridazon, die sich auch in unserem Grundwasser und damit im Trinkwasser befinden. Mit der Einreichung der Initiative "Sauberes Wasser für Alle" diesen Januar rückte das Thema mehr in den Fokus.

"Bund hat einen zahnlosen Papiertiger verabschiedet"

Walter Krähenbühl könnte aufgrund der guten Messwerte für das Weinfelder Wasser zurücklehnen. Trotzdem findet er die Initiative unterstützungswürdig: "Unser Grundwasser ist derart wertvoll, hat aber keine Lobby. Die Wasserwerke sind die Hüter des Wassers und sonst eigentlich niemand, da tut eine solche Initiative sehr gut." Der vom Bund vergangenen Herbst verabschiedete Aktionsplan Pflanzenschutzmittel sei im Bereich Grundwasserschutz viel zu lasch, um dem Problem ernsthaft zu begegnen. "Das ist ein zahnloser Papiertiger." Es sei auch nicht verwunderlich, wenn das Bundesamt für Landwirtschaft für diesen Aktionsplan verantwortlich zeichne. "Die Bauern sind ja die Verursacher dieser Grundwasser-Belastung. Da wundert es mich nicht, dass ihnen das Bundesamt für Landwirtschaft keine strikten Massnahmen auferlegt."

Aus dem Boden direkt ins Wassernetz

Das Wasser, das aus den Weinfelder Hähnen fliesst, ist unbehandelt. Es wird direkt aus dem Thurgrundwasser-Strom gepumpt und verteilt, zur Qualitätssicherung werden regelmässig Proben entnommen. Nebst dem Gugl des RVM pumpen die Technischen Betriebe auch in einem eigenen Brunnen im Schachen (siehe Bild) aus dem Grundwasserstrom. "Bevor es zum Schachen gelangt, fliesst das Grundwasser unter Waldgebieten durch. Daher ist es hier praktisch gar nicht belastet. Die Werte aus dem Gugl sind da deutlich repräsentativer, da das Wasser dort zuvor auch unter Äckern durchfliesst." Es sei interessant, zu sehen, wie gut das Wasser aufzeige, was von den Bauern angebaut werde. "Anhand des gemessenen Werts an Desphenyl-Chloridazon, einem Herbizid, kann beispielsweise auf Rübenanbau geschlossen werden."

Walter Krähenbühl betont: "Ich trinke unser Wasser gerne und bedenkenlos jeden Tag. Aber gleichzeitig finde ich es schon fragwürdig, wenn im Aktionsplan Pflanzenschutzmittel für die Rückstände im Trinkwasser die Formulierung ‹nach heutigem Wissensstand unbedenklich› verwendet wird." Es sei wichtig, dass sich die Menschen bewusst seien, dass alles was an Chemikalien in den Boden gelange, auch im Trinkwasser lande. Nur so könne dieses Lebenselixier auf lange Frist gesichert werden, ohne aufwendige Aufbereitung.

Zwei Brunnen in der Mittelthurgauer Thurebene

Der Grundwasserstrom im Thurtal versorgt weite Teile der Bevölkerung im Mittelthurgau mit Trinkwasser. Um es zu fördern, betreiben die Technischen Betriebe Weinfelden sowohl ihren eigenen Brunnen im Schachen, als auch den Brunnen im Gugl, welcher der Regionalwasserversorgung Mittelthurgau-Süd gehört. In beiden Brunnen wird das Wasser in einer Tiefe von etwa 20 bis 30 Metern gefasst. Während es sich beim Gugl um einen Vertikalbrunnen handelt, der das Wasser durch viele kleine Löcher in eine vertikale Röhre drückt, ist der Schachen ein Horizontalbrunnen. Aus vielen horizontal in der Erde verlaufenden Armen fliesst das Wasser dort ins zentrale Becken.


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