Umweltgerecht: Rosen aus Bonau

Rote Rosen werden heute am Valentinstag so viele verschenkt wie sonst nie. Die meisten Blumen importieren die Händler aus fernen Ländern in die Schweiz. Umweltfreundlicher geht es mit Rosen vom Rosenhof in Bonau.

14. Februar 2013, 07:29
MARIO TESTA

Es duftet gut in den Treibhäusern des Rosenhofs in Bonau, aber es ist kühl. Die meisten Rosenstöcke in den langen Reihen von Töpfen mit weissem Perlit-Granulat sind zurückgeschnitten, nur wenige der vielen tausend Pflanzen blühen. Gelbe, rote und weisse Rosen strecken sich dem bedeckten Himmel hinter den Glasscheiben entgegen. «Jetzt im Winter wachsen die Rosen nur langsam. Wir heizen nur so viel, dass die Temperatur hier in den Gewächshäusern im Januar und Februar nicht unter Null Grad fällt», sagt Markus Irsslinger, Geschäftsführer der Schäfle Rosen AG. Und wenn geheizt wird, dann mit dem neuen System, welches seit Anfang Wintersaison läuft.

Bisher liessen grosse Pumpen in der Heizzentrale das heisse Wasser in den langen Röhren der Gewächshäuser zirkulieren. Diese bilden eine Art Heizkörper in den grossen Hallen aus Glas. «Letzten Herbst haben wir die alten Pumpen ersetzt. Diese konnten nur mit voller Leistung oder gar nicht pumpen, das ist nicht ökologisch und nicht wirtschaftlich», erklärt Irsslinger. «Nun haben wir Pumpen installiert, die den Fluss des Heizungswasser je nach Bedarf drosseln. Viele Temperaturfühler und ein Computer regeln das Ganze.» Mit zusätzlichen Isolationen an den Heizungsrohren spart der Rosenhof so rund 60 Prozent oder umgerechnet 13,5 Megawattstunden Strom pro Jahr.

Rosen mit Klimaschutz-Label

Im Vorfeld der Sanierungsmassnahmen liess sich Irsslinger von der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) beraten. «Wir haben unseren Betrieb – wie viele Gärtnereibetriebe – CO2-zertifiziert. Deshalb die EnAW-Beratung», sagt Irsslinger. 52 000 Franken investierte der Gärtner in die neue Pumpanlage. Als Belohnung für diese und weitere Energiesparmassnahmen trägt der Rosenhof nun das Klimaschutz-Label der EnAW. Irsslinger rechnet damit, dass diese Investition in 15 Jahren amortisiert sein wird und sich dann, dank tieferer Stromrechnungen, auch finanziell positiv in den Büchern niederschlägt.

Dazu beitragen wird auch ein Zustupf der Klimastiftung (siehe Box). 4500 Franken zahlt sie dem Rosenhof an die neuen Installationen. «Es braucht viel Idealismus, um eine solche Investition im hartumkämpften Markt zu tätigen», sagt Markus Irsslinger. «Jeder Beitrag ist uns dabei natürlich von grossem Wert.»

Kundschaft hat sich gewandelt

Noch vor wenigen Jahren wuchsen in allen Treibhäusern des Rosenhofs auf einer Fläche von zwei Hektaren Rosen. Heute nur noch auf einer halben Hektare. «Die Käuferschicht hat sich stark gewandelt. Früher waren Rosen wertvoller, wurden in grosser Stückzahl lokal produziert und im Fachgeschäft verkauft», sagt Irsslinger. Heute werden sie aus Afrika und Südamerika importiert, sind sie für alle erschwinglich und werden im Supermarkt verkauft. «Schweizer Rosen sind wohl teurer, aber sie sind qualitativ besser und dank kurzer Wege ökologischer im Transport», sagt Irsslinger. Auch dank der grossen Vielfalt der Rosen und der Marktnähe könne sich der Rosenhof von der Billigkonkurrenz abheben.


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