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Tagblatt Online, 07. Juli 2012 09:01:00

Sie kämpft gegen den Abriss

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Lina Rietmann-Graf vor der «Hirschen»-Scheune. «Ihr Abbruch muss unbedingt verhindert werden», sagt die Weinfelderin. (Bild: Urs Bänziger)

WEINFELDEN. Die Weinfelderin Lina Rietmann-Graf will verhindern, dass die «Hirschen»-Scheune einem neuen Wohn- und Geschäftshaus weichen muss. Sie hat gegen das Bauvorhaben Einsprache erhoben.

URS BÄNZIGER

Die Tage der «Hirschen»-Scheune an der Thomas-Bornhauser-Strasse in Weinfelden scheinen gezählt. Die Ebneter Consult AG und die Wanzenried Bauleistungen AG wollen das über 200jährige Gebäude abreissen und ein neues Wohn- und Geschäftshaus erstellen. Die Visiere stehen, die Bauauflage ist erfolgt.

Lina Rietmann-Graf möchte den Abriss verhindern. Sie hat beim Weinfelder Bauamt eine Einsprache eingereicht. «Es kann doch nicht sein, dass in Weinfelden Gebäude abgebrochen werden, welche seit Jahrhunderten zum Dorfbild gehören», sagt sie. Es sei in den vergangenen Jahren schon genug «gesündigt» worden. Sie sei nicht jemand, der wehmütig dem Alten nachtrauere. «Es geht mir nicht um die Nostalgie, sondern ums Prinzip», betont die Weinfelderin.

Als erhaltenswert eingestuft

Die Scheune bilde mit der Wirtschaft und dem Zwischenbau optisch eine Einheit, welche im aktuellen Gemeindeverzeichnis der bedeutsamen Bauten und Anlagen in der Gesamtform als erhaltenswert gelte. Zudem werde der «Hirschen» als geschützt eingestuft und der hinter der Scheune stehende Gasthof zum Trauben stehe gar unter eidgenössischem Denkmalschutz. Man könne doch bei drei aneinandergebauten, teils geschützten Gebäuden nicht einfach eines davon abreissen, sagt Lina Rietmann. «Wofür wird überhaupt ein Verzeichnis der bedeutsamen Bauten erstellt?» Das Wohn- und Geschäftshaus werde um einiges höher, breiter und länger als die Scheune. «Der Neubau wird die Sicht auf historische Gebäude wie den <Trauben> und die reformierte Kirche beeinträchtigen.»

Leider gehe es immer nur ums Geld. «Alleinige finanzielle Überlegungen dürfen bei diesem Entscheid keine Rolle spielen.» Lina Rietmann schlägt vor, die «Hirschen»-Scheune zu erhalten, statt abzureissen. «Man kann sie doch umbauen und trotzdem für Wohnungen nutzen. Halt nicht so viele wie im geplanten Neubau.»

Weinfelden sei einwohnermässig eine Stadt und müsse deshalb auch an einem möglichst grossen historischen Kern interessiert sein. Sie sei nicht die einzige, die so denke und den Abriss der «Hirschen»-Scheune nicht tolerierten, betont Rietmann. Sie hat sich an den Thurgauer Heimatschutz gewendet. Der teilt ihre Meinung, dass ein Abbruch eine Beeinträchtigung des ganzen Ensembles wäre. Der Heimatschutz will an seiner nächsten Sitzung beraten, wie er sich für den Erhalt der Scheune einsetzen kann.

Nach Gestaltungsplan erlaubt

Das Unterfangen dürfte allerdings schwierig sein, denn nach dem 1998 erstellten und vom Kanton abgesegneten Gestaltungsplan ist es der Bauherrschaft erlaubt, die Scheune abzubrechen und einen Neubau zu erstellen.




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