Tagblatt Online, 28. April 2012 12:21:00
Müller organisiert, Demiashkin spielt
Fritz Müller mit einem Prospekt, auf dessen Umschlag der Pianist Dmitri Demiashkin zu sehen ist. (Bild: Esther Simon)
Weinfelden. Russische Pianisten sind Kult. Kaum einer lässt Chopins Kompositionen brillanter über die Tasten perlen als Wladimir Aschkenasi, und wohl keiner hat Liszt spannender und engagierter interpretiert als Wladimir Horowitz. Am Sonntag, 6. Mai, um 18 Uhr, gastiert ein russischer Pianist auch im Weinfelder Rathaus. Er heisst Dmitri Demiashkin.
Dass es überhaupt zu dem Konzert des international erfolgreichen, erst 30jährigen Pianisten kommt, haben die Weinfelder ihrem Mitbürger Fritz Müller von der Fröschengasse 2 zu verdanken.
Der Administrator
Eigentlich hat ja die ehemalige Dirigentin des Männerchors Weinfelden, Swetlana Isler-Schiller, Demiashkin an einem Konzert in St. Peter in Zürich entdeckt und ihn nach Weinfelden gelockt. Aber Fritz Müller hat die ganze Organisation des Weinfelder Konzertes übernommen. Er hat für einen standesgemässen Flügel im Rathaus geschaut, er telefoniert, korrespondiert, verteilt Flyers und Plakate an allen Ecken und Enden. Er ist der Administrator.
Müller singt in vier Chören
Fritz Müller hat Erfahrung in solchen Dingen. Er hat bereits unzählige Konzerte in Weinfelden organisiert. Er gilt auch als Vater des Festchores am Schweizer Gesangsfest. In diesem Chor singt Müller noch immer mit. Auf seine Stimme verlassen sich auch die Weinfelder Troubadoure, die Sängerrunde vom Bankplatz und nicht zuletzt der Männerchor Weinfelden.
Roelli-Lieder am Konzert
Als das Konzert mit Demiashkin stand, war für Müller deshalb klar, dass am 6. Mai auch der Männerchor seinen Auftritt haben müsste. Da der Chor ein Konzert mit Liedern von Hans Roelli zu dessen 50. Todestag plant, schien es Fritz Müller angemessen, dass der Männerchor an Demiashkins Klavierkonzert Roelli-Lieder singt. Roelli schrieb im Laufe seines Lebens rund 1200 Lieder. Einige wurden zu Volksliedern, darunter viele Soldatenlieder. Auch der Gassenhauer «Alles fahrt Schi» stammt aus seiner Feder.
Auch für Demiashkin ist das Weinfelder Konzert eine Art Hauptprobe für den Concours Géza Anda in Zürich, einen internationalen Klavierwettbewerb, der nur alle drei Jahre stattfindet. Swetlana Isler-Schiller ist der Meinung, dass Demiashkin so viel wie möglich auftreten sollte. Mit den Konzerten verdient der gebürtige Russe, der schon seit 13 Jahren in der Schweiz lebt, immerhin seinen Lebensunterhalt.
Im Wechselbald der Gefühle
Dmitri Demiashkins Erfolgsliste ist trotz seiner jungen Jahre bereits lang: Er gewann zahlreiche Preise in Europa und Nordamerika und spielte mit renommierten Orchestern. An seinem Weinfelder Konzert lässt er Werke von Schubert und Schumann erklingen. Trotz dieser hervorragenden Voraussetzungen sitzt der Administrator derzeit im Wechselbad der Gefühle. Auf dem Plakat steht, dass der Eintritt zu Demiashkins Konzert frei ist. Fritz Müller hofft jetzt nur, dass keiner das alte Sprichwort hervorkramt, wonach nichts Wert ist, was nichts kostet. Esther Simon
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