Sie verliebten sich wie Banker

BÜRGLEN ⋅ Heinz und Brigitte Bernet haben 30 Jahre bei der Raiffeisenbank gearbeitet. Gestern war ihr letzter Tag. Das Ehepaar will sich aber nicht zur Ruhe setzen, sondern neue Projekte wagen – nicht nur gemeinsame.
01. Dezember 2017, 07:31
Sabrina Bächi

Sabrina Bächi

sabrina.baechi

@thurgauerzeitung.ch

Sich verlieben an einer Fach­prüfung – das geht wahrscheinlich nur unter Bankern. Beim Ehepaar Bernet hat es jedenfalls funktioniert. «Es war schon Liebe auf den ersten Blick», sagt Brigitte Bernet. Eine schwere Schreib­maschine brachte Brigitte und Heinz zusammen. Er hat die Maschine für Brigitte in den Prüfungsraum getragen. «Er war mein Held des Tages», sagt sie schmunzelnd.

1985 haben die beiden geheiratet und ein Jahr darauf gemeinsam bei der Raiffeisenbank in Bürglen angefangen zu arbeiten. Er als Leiter der Bank, sie in der Kundenberatung. Obwohl sie beide die gleiche Ausbildung ­haben, ist er ihr Chef geworden. Probleme deswegen gab es aber nie. Angefangen haben sie zu dritt. Heute arbeiten in Bürglen sieben Personen. «Das Team war immer gut durchmischt und die Zusammenarbeit während all der Jahre sehr angenehm», sagt Heinz Bernet.

Vieles hat sich geändert

Das Verständnis für die Aufgaben und Verantwortungen des anderen sei sicher ein Grund, weshalb die Zusammenarbeit und das Zusammenleben bis heute so gut funktionieren, sind sich beide einig. Seit 1992 wohnen sie in Bürglen. «Das war bei der Anstellung eine Bedingung», sagt er. Vieles hat sich in den letzten 30 Jahren verändert. Langweilig sei es ihnen nie geworden. Die Schalter sehen anders aus, samstags hat die Bank geschlossen und anstatt auf Schreibmaschinen tippt man heute auf der Computertastatur. «Mir ist das Vertrauen zu den Kunden besonders wichtig. Das braucht auch seine Zeit, bis man das aufgebaut hat. Das macht für mich den Beruf so spannend», sagt sie. Mit 58 Jahren geht das Ehepaar Bernet nun in Früh­pension. Gestern war ihr letzter Arbeitstag. Nach über 40 Jahren im Bankgeschäft wollen sie sich anderen Dingen widmen. Sich nicht zur Ruhe setzten, aber ­einen Gang zurückschalten, das sei ihr Ziel. «Ich möchte Teilzeit arbeiten. Irgendwo, wo ich am Abend ein Resultat meiner Arbeit sehe», sagt Heinz Bernet. Auch seine Frau möchte eine neue ­Arbeit finden. Wo, sei noch offen. «Ich brauche einfach den Kontakt zu den Menschen, sonst gehe ich ein», sagt sie.

Ausflüge und Kochen

Anstatt zusammen zu arbeiten, werden sie künftig mehr in der Freizeit zu zweit unternehmen. Etwa Ausfahrten mit dem Motorboot auf dem Bodensee. Heinz Bernet will künftig vermehrt Zeit in seine grosse Leidenschaft investieren: das Kochen. «Ich bin immer um halb zwölf nach Hause gegangen und habe das Mittagessen gekocht», sagt er. «Und ich konnte nur noch an den Tisch sitzen, wenn ich heimkam», sagt sie lachend.«Ich koche vieles gerne, am liebsten etwas mit Fleisch», sagt er. Wenn er in einem Res­taurant in der Küche mithelfen könnte, würde er das sofort machen, sagt Heinz Bernet. «Mein Mann kann wirklich sehr gut ­kochen», bestätigt seine Frau. Eine feine Berührung an der Hand, ein sanftes Lächeln. Die lang­jährige Zusammenarbeit hat sie zusammengeschweisst.


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