Neue Ziele mitten in der Legislatur

BÜRGLEN ⋅ Der Gemeinderat hat gestern seine Pläne für die kommenden drei Jahre vorgestellt. In den attraktiven Wohn- und Arbeitsort will er gute Steuerzahler locken und so die angeschlagene Finanzsituation verbessern.
06. Oktober 2017, 05:20
Mario Testa

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@thurgauerzeitung.ch

Der Zeitpunkt für die Bekanntgabe der Legislaturziele ist aussergewöhnlich. Es läuft bereits die zweite Hälfte der vierjährigen Phase bis zu den nächsten Gesamterneuerungswahlen des Gemeinderats. Dass die Bürgler Exekutive ihre Legislaturziele erst gestern bekannt gegeben hat, hat triftige Gründe. «Kurz nach den Gesamterneuerungswahlen 2015 sind drei neugewählte Gemeinderäte bereits wieder abgesprungen, und wir mussten zu viert die Arbeit von sieben erledigen. Zur Ausarbeitung der Legislaturziele fehlte die Kapazität», sagt Gemeindepräsident Erich Baumann. Später seien dann noch seine gesundheitlichen Probleme dazwischen gekommen.

Seit einem Jahr ist der Gemeinderat wieder vollzählig, die neuen drei Gemeinderäte konnten sich einarbeiten, und Baumann ist zurück im Büro. So konnte die Exekutive an einer Klausurtagung im Juni und zwei Abendsitzungen ihre neuen Ziele für Bürglen ausformulieren. Dabei wurden sie professionell begleitet von Gemeindeberater Jean-Claude Kleiner.

Besseres Zusammenleben von Jung und Alt

Drei Schwerpunkte setzt sich der Gemeinderat für seine Arbeit bis ins Jahr 2020. Sie betreffen die Dossiers Raumplanung, Finanzen und Gesellschaft. «Wir möchten generationenübergreifende Aktivitäten fördern unter Mitwirkung der Bevölkerung», sagt Barbara Keller Foletti, Ressortleiterin Gesellschaft. «Wir haben ein gutes Alterskonzept und auch viele Angebote für Jugendliche. Was fehlt, ist die Koordination – und da wollen wir ansetzen.» Einen ersten Anlass hat Keller dazu geplant (siehe Kasten). Auch würden mittelfristig die Angebote der Schule und der Gemeinde für Familien und Kinder überprüft und langfristig ein Konzept für das generationenübergreifende Zusammenleben erstellt.

Vize-Gemeindepräsidentin Jasmine Schönholzer präsentierte die Ziele im Bereich Raumplanung. Der Zonenplan und das Baureglement müssen angepasst werden. Eigentlich hätten diese Überarbeitungen bereits auf Anfang 2018 fertig sein müssen. «Wegen der Probleme mit den Vakanzen und gesundheitlichen Ausfällen sind wir aber nicht dazu gekommen. Wir haben deshalb beim Kanton eine Fristverlängerung bis Ende 2020 erbeten.» Sie sei zuversichtlich, dass die Verlängerung auch bewilligt wird.

Teure Wohnungen sollen gute Steuerzahler bringen

Viel vorgenommen hat sich Erich Baumann im Bereich der Finanzen. Die Schulden konnten in den vergangenen sechs Jahren bereits auf 1500 Franken pro Einwohner halbiert werden. «Nun wollen wir das Eigenkapital von 1,7 Millionen und den Steuerfuss halten, trotzdem in den Werterhalt und Ausbau der Infrastruktur investieren sowie die Steuerkraft erhöhen», sagt Baumann. Letzteres will der Gemeinderat erreichen, indem gute Steuerzahler in die vier Dörfer der Gemeinde gelockt werden. «Wir wollen den qualitativen Wohnungsbau fördern, soweit wir darauf Einfluss nehmen können.» Zudem führe an einer Erhöhung des Wassertarifs kein Weg mehr vorbei, und es brauche weiterhin eine strikte Ausgabendisziplin. «Vieles ist wünschbar und gut, aber wir müssen uns auf das Notwenige konzentrieren.»


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