Improvisation gehört dazu

WEINFELDEN ⋅ Das Blaswerk hat am Samstag zu einer musikalischen Besonderheit eingeladen. Die Big Band Zug unterhielt zusammen mit Rüdiger Baldauf das Publikum mit selbstarrangierten Swing-, Funk- und Popstücken.
16. Oktober 2017, 07:37
Flavio Di Nicola

Flavio Di Nicola

weinfelden@thurgauerzeitung.ch

Fest schliesst er die Augen und scheint mit den Klängen seiner Trompete weit weg zu fliegen: Rüdiger Baldauf, bekannt durch die deutsche Late-Night-Show «TV Total», hat am Samstagabend mit der Big Band Zug in Weinfelden gastiert. Die 15 Mann und zwei Frauen starke Big Band tourte mit dem deutschen Jazztrompeter durch verschiedene Städte in der Schweiz. Nicht zuletzt wegen des Ostschweizer Bandleaders Stefan Andres machte die Formation in Weinfelden Halt. Baldauf brachte einige seiner eigenen Stücke mit, die er gemeinsam mit der Innerschweizer Musikformation zum Besten gab. Rund 50 Personen fanden sich im Blaswerk Haag ein und füllten damit den Saal. Dass der Funken übersprang, zeigte sich an den wippenden Köpfen und Füssen der Zuhörer, die sich im Takt zu Stücken wie «Captain Marvel», «Working Day and Night» oder «You are not alone» von Michael Jackson bewegten. Auch die Musiker hatten Spass am Auftritt und bereicherten die Stücke mit spontanen Showeinlagen und zeigten ihr Können.

«Als Jazzmusiker musst du offen sein», sagt Rüdiger Baldauf. «Einen Rahmen zu haben ist wichtig, aber damit die Musik lebendig wirkt, muss man den einzelnen Solisten genügend Raum bieten.» Diesen Raum füllte der Musiker, der lange Jahre für die WDR Big Band Köln engagiert war, sowohl mit der Trompete als auch mit dem Flügelhorn gekonnt aus. Auch die Musiker der Big Band Zug liessen es sich nicht nehmen, das Publikum mit ihren Instrumenten zu begeistern. Abwechselnd improvisierten Saxofone, Trompeten und Posaunen, während die übrige Band den Raum mit Hintergrundmusik zum Klingen brachte.

Die Big Band probt projektbezogen

«Die Big Band Zug hat keinen fes­ten Probetag, sondern findet sich einige Male im Jahr zu projektbezogenen Anlässen zusammen», sagt Pascal Uebelhart, der auf dem Tenorsaxofon und dem Sopransaxofon improvisierte. Er arrangierte die Stücke von Baldauf für die Band neu, damit das Zusammenspiel reibungslos klappte. «Wir haben uns diese Woche am Montag das erste Mal wieder getroffen und angefangen, die Stücke einzuüben. Ab Mittwoch stiess Rüdiger zu uns und am Donnerstag hatten wir bereits unser erstes Konzert in Bern.» Aufgrund dieser kurzen Vorbereitungszeit wundert es nicht, dass noch nicht alle Ansagen perfekt sassen. Die Versprecher des Leaders Andres wurden ihm vom Publikum aber gerne verziehen. Auch Baldauf musste sich immer wieder einmal absichern, was als nächstes gespielt wird. Durch die Bescheidenheit auf der Bühne und das anschliessende Beisammenstehen mit den Besuchern wirkte der Musiker sehr nahbar. Gastgeber Marco Weber zeigte sich mit dem Anlass sehr zufrieden. Er freute sich, dass die Band beim Publikum Anklang gefunden hatte.


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