Ihre Ehe hält seit 70 Jahren

WEINFELDEN ⋅ Walter und Huldi Künzle feierten gestern ihre Gnadenhochzeit im Alterszentrum. Freude bereitet den beiden ihre grosse Familie.
11. April 2018, 05:21

Kennengelernt haben sich die beiden bei ihrer Konfirmation. «Ich war die Jüngste, er der Älteste unserer Konfirmandengruppe», sagt Huldi Künzle und ergänzt mit einem Lachen. «Ich weiss noch, er hat gesagt, ich sei eine ‹Gfählti›.» Ein Liebespaar seien sie da aber noch nicht geworden, das kam erst ein paar Jahre später. «Auch beim Tanz haben wir uns besser kennengelernt», sagt Walter Künzle, und auf die Frage, ob seine Huldi denn die Schönste gewesen sei: «So zimli.» Am 10. April 1948 läuteten schliesslich die Hochzeitsglocken.

Die 91-Jährige und der 92-Jährige sind also seit 70 Jahren verheiratet und feiern damit die Gnadenhochzeit. «Der Name passt. Es ist ja auch eine Gnade. Wir sind gut ‹zwäg› und können immer noch miteinander reden. Dafür sind wir dankbar», sagt Huldi Künzle. Am Sonntag waren ihre fünf Kinder zu Gast beim Jubilarenpaar im Alterszentrum und haben mit ihnen gefeiert.

Zweisamkeit auf dem Bauernhof

Seit bald vier Jahren wohnen Künzles nun schon in der kleinen Wohnung im obersten Stock des Haus B im Alterszentrum Weinfelden. Zuvor lebten sie in Rothenhausen. «Mein Mann war als Vertreter für eine Mühle unterwegs, ich versorgte unsere 3000 Hühner», sagt Huldi Künzle. Begonnen hat ihre Zweisamkeit in Illighausen, wo sie einen Bauernhof führten. «Aber unser Haus ist leider abgebrannt, da haben wir in Rothenhausen gebaut und sind dahingezogen.»

«Die Ehe gibt einem die Sicherheit, dass man sein Leben gestalten und etwas zusammen machen kann. Man ist zu zweit, das ist wertvoll», sagt Huldi Künzle. Ein Rezept, wie es mit der Ehe so lange klappt, haben die beiden nicht. «Ein Rezept? Nein», sagt Walter Künzle und seine Frau ergänzt: «Wir hatten auch strube Zeiten zwischendurch. Das gibt es wohl überall. Man muss auch etwas für sein Glück tun, das kommt nicht von alleine.» Auch für ihr hohes Alter kennen sie kein Rezept. «Wir haben beide viel gearbeitet, offenbar ist das gesund.»

Sie haben zwölf Enkelkinder und sechs Urenkel

Die arbeitsreichen Jahre haben beide nun hinter sich. Sie geniessen ihre Zeit heute mit der Familie. Zwölf Enkelkinder und sechs Urenkel haben sie. «Wir wünschen uns, dass wir noch ein paar Jahre gesund bleiben und die Familie geniessen können», sagt Huldi Künzle. Jeden Mittag lesen sie die Zeitung, mit dem Jassen haben sie dieses Jahr aufgehört und auch Spaziergänge liegen nicht mehr drin, Walter Künzle kann mit seinem Rollator keine weiten Strecken mehr gehen. «Aber wir haben ja einen schönen Balkon und sitzen gerne zusammen draussen.»

 

Mario Testa

mario.testa@thurgauerzeitung.ch


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