Heilung auf Don Ballonis starkem Rücken

WEINFELDEN ⋅ Myriam Isenrich bietet Reittherapien mit ihrem Warmblut-Wallach an. Sie kommen auch den Kindern der Altnauer Stiftung Schmetterling zu Gute.
15. Februar 2018, 05:20

«Das Pferd bietet Kindern die Möglichkeit, auf seinem Rücken Trost und Geborgenheit zu finden», sagt die Weinfelder Reittherapeutin Myriam Isenrich überzeugt. «So hilft das Pferd den Kindern, ihr Leben erträglicher zu machen.» Für Isenrich ist die Zusammenarbeit mit der Stiftung Schmetterling ein Glücksfall, da sie dadurch ihre Arbeit als Reittherapeutin professioneller gestalten kann. Isenrichs Ziel ist es, Eltern, welche zeitlich und finanziell schon stark gefordert sind, nicht auch noch mit den Kosten einer Reittherapie zu belasten: «Wir finanzieren die Reittherapie über Spendengelder, die Stiftung Schmetterling kontrolliert und verwaltet dieses Geld».

Myriam Isenrich hat erlebt, dass Eltern bei der Reittherapeutin Unterstützung gesucht haben, nachdem sie schon etliche andere Therapien für ihre Kinder ausprobiert hatten. «Das Pferd nimmt vorbehaltlos jeden Menschen an, gleich welchen Charakters und welcher Art.» Der Erstkontakt eines Kindes mit dem Therapiepferd Don Balloni, einem grossen Warmblut-Wallach mit schmalem und freundlichem Gesicht, gehe meist ähnlich vonstatten. «Er geht auf das Kind zu und dieses verliert seine Berührungsängste und geht auch zu ihm in die Box», sagt die Reittherapeutin. Diese erste Begegnung wird zum einzigartigen Erlebnis, das Eis ist gebrochen und der Einstieg in die Therapie erfolgt.

Über das Pferd zur Gesellschaft

Gemäss den Erfahrungen der Therapeutin spielt die Rasse des Pferdes keine Rolle. Wichtiger ist der gute Charakter des Tieres und das grosse Vertrauen gegenüber seiner Begleitperson, mit der es kooperiert und die für die Sicherheit des Kindes verantwortlich ist. Myriam Isenrich erinnert sich an ein Erlebnis mit einem fünfeinhalbjährigen Buben. Dieser kommunizierte nur mit seinen Eltern, der Therapeutin und seiner Kindergartenlehrerin. Abklärungen ergaben, dass der Bub grundsätzlich nicht mit Männern sprach. Dazu kam, dass der Kleine das Essen verweigerte. «Durch die Begegnung mit dem Therapiepferd begann der Knabe, offener zu werden. Er fing an zu kommunizieren und auch zu essen», erinnert sich die Reittherapeutin. «Dank Don Balloni hat der Bub den Draht zur Gesellschaft gefunden». Im Anschluss an die Erstbegegnung wurde der Knabe in eine Sechser-Ponygruppe von Kindern eingegliedert. «Das Getragen werden auf dem Rücken und das Führen des Ponys verlangt eine Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Es ist für das Kind ein grosses Erlebnis und ein besonderer Höhepunkt wenn es spürt, dass das Tier ihm folgt und ihm seine Liebe und Zuneigung zeigt», sagt Myriam Isenrich.

Training für die Muskeln und das Gleichgewicht

Oftmals erlebt das Umfeld hyperaktive Kinder mit ADHS als auffallend, nervig und laut. Das Pony nimmt dieses Verhalten auf und reagiert konträr. «Dadurch reagiert der kindliche Körper auf die grossräumige und ruhige Bewegung des Tieres und muss dessen Bewegungen ohne Sattel permanent austarieren», sagt die ADHS-Trainerin. Dies führe zu einem speziellen Muskel- und Gleichgewichtstraining und oftmals wirke diese Entspannung gar einschläfernd. Aber auch das Gegenteil kann eintreten: Träge Kinder werden durch den schnellen Rhythmus eines kleineren Pferdes mit kleineren Schritten wach und aktiv.

Werner Lenzin

weinfelden

@thurgauerzeitung.ch

www.stiftung-schmetterling.ch


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