Halle des Anstosses

ZEZIKON ⋅ Bauunternehmer Peter Nauer hat ohne Bewilligung eine Halle gebaut. Der Kanton prüft nun sein nachträglich eingereichtes Baugesuch. Wird es nicht genehmigt droht ein Rückbau.
07. Oktober 2017, 11:13
Sabrina Bächi

Sabrina Bächi

sabrina.baechi

@thurgauerzeitung.ch

In Zezikon bei Affeltrangen steht neben einem ehemaligen Bauernhof eine grosse, neu gebaute Lagerhalle. Die grünen Sträucher sind frisch gepflanzt und noch klein. Dem Gebäude haftet jedoch ein Makel an: Die Baubewilligung für die 20 mal 30 Meter grosse Halle fehlt. Trotzdem ist sie schon fixfertig. Hinzu kommt, dass die Halle ausserhalb der Bau- in der Landwirtschaftszone steht. Daher muss der Kanton gestützt auf das Raumplanungsgesetz beurteilen, ob eine Bewilligung erteilt werden kann.

Beim Amt für Raumentwicklung ist nun ein nachträgliches Baugesuch eingereicht worden. «Das Baugesuchsverfahren läuft derzeit», sagt die Amtsleiterin Andrea Näf. Nachträglich eingereichte Baugesuche zu vorgängig widerrechtlich erstellten Bauten gebe es immer wieder, sagt Näf. «Dies sind aber Einzelfälle.»

Rebellion gegen viele Vorschriften

Da es ein laufendes Verfahren ist, kann Näf keine weiteren Informationen zum entsprechenden Fall liefern. Auch die Gemeinde, auf deren Gebiet die Halle steht, hält sich bedeckt. Gemeinden haben den Auftrag zu überprüfen, ob Bauten rechtmässig erstellt werden. In diesem Fall wurde jedoch rechtswidrig gebaut und die Gemeinde hat reagiert: «Wir haben einen Baustopp verfügt», sagt Christoph Fey, Gemeindeschreiber von Affeltrangen.

Von Baustopp kann jedoch keine Rede sein. «Diesen habe ich ignoriert, da die Halle fast fertig war», sagt Hallenbesitzer Peter Nauer. Seit 80 Jahren ist das Land, auf dem die Halle steht, in Familienbesitz. Den Landwirtschaftsbetrieb gibt es aber nicht mehr. Der Grund, warum Nauer dennoch eine grosse Halle braucht, sind Waldhackschnitzel. «In der Halle steht eine Trocknungsanlage, damit kann ich Holzschnitzel für Heizungen lagern», sagt er. Diesen Mittwoch nimmt er die Anlage in Betrieb.

Zur fehlenden Baubewilligung sagt Nauer: «Ich weiss, dass es nicht ganz richtig ist, aber ich wehre mich gegen die vielen Vorschriften und den unverhältnismässig hohen administrativen Aufwand.» Als Bauunternehmer weiss er von Bauern, die seit Jahren auf eine Bewilligung warten. Die Halle hätte er auch in der Gewerbezone bauen können. «Dort hätte es aber bestimmt Ärger wegen des Lärms gegeben», sagt er. Daher sei der ehemalige Bauernhof der ideale Standort. «Ich bin immer offen damit umgegangen, dass ich ohne Bewilligung baue.» Nauer findet, die Halle sei keine Verschwendung von Kulturland und verschandle auch nicht die Umgebung. Etwa eine halbe Million hat er in das gesamte Projekt investiert. Einer Rückbauforderung würde er mit vehementer Gegenwehr trotzen. «Dann warte ich, bis jemand kommt und die Halle abreisst – ich bin halt ein kleiner Revoluzzer», sagt er. Er hofft, mit seinem Verhalten andere Bürger wachzurütteln. «Es soll auch einen Appell an die Gemeinden sein, sich vermehrt gegen den Kanton zu stellen.»


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