Gemeinsam gegen die Fluten

CHEMENBACH ⋅ Die Gemeinden Märstetten, Wigoltingen und Müllheim spannen beim Hochwasserschutz zusammen. Nach jahrelanger Planung steht nun eine Information über die geplanten Massnahmen für die Bevölkerung an.
08. Februar 2018, 14:38
Mario Testa

Mario Testa

mario.testa@thurgauerzeitung.ch

"Solche Bilder sind nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen könnte", sagt Sonja Wiesmann. "Wenn wir Glück haben, kommt es nie soweit. Aber wenn doch, müssen wir gerüstet sein." Die Gemeindepräsidentin von Wigoltingen durchforstet an ihrem PC die Bilder, die ihr Georg Willi zur Verfügung gestellt hat. Sie zeigen die Überflutungen, die der Chemenbach im Frühsommer 1995 im Gebiet Hasli beim Bahnhof Müllheim-Wigoltingen verursacht hat. Die Bilder zeigen ein Hochwasser, wie es etwa alle 20 Jahre stattfinden kann, die Gemeinden müssen sich auf Erlass des Kantons jedoch für ein 100-jähriges Hochwasserereignis vorbereiten, mit deutlich grösseren Ausmassen.

Hochwasserschutzmassnahmen Chemenbach heisst das Projekt, mit welchem sich die drei Gemeinden Märstetten, Wigoltingen und Müllheim deshalb auch schon seit über fünf Jahren beschäftigen. "Zu Beginn war auch die Gemeinde Kemmental noch bei den Gesprächen dabei. Es hat sich dann aber gezeigt, dass auf ihrem Gemeindegebiet kein Handlungsbedarf besteht." Als der Kanton Thurgau den Gemeinden nach Erstellung der aktualisierten Gefahrenkarte den Auftrag erteilte, den Hochwasserschutz ihrer Bäche zu planen, sei für sie schnell klar gewesen, dass ein Alleingang kein Sinn mache. "Der Bach fliesst durch unsere drei Gemeinden und wenn da jeder für sich schaut, dann verschiebt er nur das Problem eine Gemeinde weiter. Deshalb habe ich Kontakt zu Müllheim und Märstetten aufgenommen", sagt Sonja Wiesmann. Mit den Gemeindepräsidenten von Märstetten und Müllheim sei die Arbeit am Hochwasserschutzprojekt dann sehr einvernehmlich und lösungsorientiert vorangegangen.
 

Kreditbegehren für die Detailplanung

In einem nächsten Schritt müssen die drei Gemeinden aus ihrem Vorprojekt nun ein Bauprojekt erstellen. Die Kosten für diesen Planungskredit belaufen sich auf 450'000 Franken. "Mindestens 60 Prozent der Kosten übernehmen Bund und Kantone. Den Rest teilen sich die drei Gemeinden auf", sagt Sonja Wiesmann. Da die Gelder von Bund und Kanton erst nach Bewilligung gesprochen werden, kommt nun in jeder Gemeinde an der nächsten Versammlung ein Kreditantrag von 150'000 Franken für die Planung vors Stimmvolk. Einzig Märstetten verzichtet darauf, den Kredit zu beantragen. "Das sind ganz klar gebundene Ausgaben. Wir sind ja verpflichtet, den Hochwasserschutz umzusetzen", sagt Märstettens Gemeindepräsident Jürg Schumacher. "Ich hab die anderen Gemeinden auch versucht, davon zu überzeugen – was, wenn die Stimmbürger den Kredit oder später den Baukredit ablehnen und die Arbeiten müssen trotzdem gemacht werden? Das würde dann wohl keiner verstehen." Er sei jedoch optimistisch, dass sich die Stimmbürger in den beiden anderen Gemeinden der Wichtigkeit des Hochwasserschutzes bewusst seien und die Kredite gutheissen. Um diese und weitere Fragen im Vorfeld der Kreditabstimmungen zu klären und über die geplanten Massnahmen zu informieren, veranstalten die drei Gemeinden eine gemeinsame Informationsveranstaltung.

Informationsabend: Mittwoch, 21. Februar, 20 bis 22 Uhr, Mehrzweckhalle Wigoltingen.


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