Gemeinden befürworten die Korrektur

REGION ⋅ Der Kanton Thurgau will der Thur zwischen Bürglen und Weinfelden wieder mehr Platz einräumen und den Flusslauf korrigieren. Das Projekt kostet 28 Millionen Franken. Es soll den Hochwasserschutz verbessern und das Naherholungsgebiet aufwerten.
23. November 2017, 08:07
Mario Testa

Mario Testa

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Vor über 120 Jahren wurde die Thur in ein enges Korsett gezwängt. Seither fliesst sie im vorgegebenen Bett auf vielen Streckenabschnitten schnurgerade durch den Kanton. Mit der Thurkorrektur soll der Fluss wieder mehr Platz und die Gelegenheit bekommen, das Land «sich windend zu durchfliessen», wie es im Thurgauerlied so schön heisst. Ein erster Abschnitt bei Frauenfeld wurde bereits korrigiert, nun soll der zweite Folgen zwischen Bürglen und Weinfelden. Kostenpunkt: 28 Millionen Franken.

Primäres Ziel des Kantons ist ein besserer Hochwasserschutz für Weinfelden dank Überflutungsräumen und einer reduzierten Fliessgeschwindigkeit der Thur. Dazu sollen durch eine Revitalisierung neue Lebensräume für die Tierwelt und ein attraktives Naherholungsgebiet geschaffen werden. Einzelne Waldgebiete müssen neuen Auenwäldern weichen. Dazu wird die Landwirtschaftsfläche in Flussnähe von 52 auf 42 Hektaren reduziert.
 

Abgespeckt vom Wünschbaren aufs Nötige

Drei Gemeinden betrifft die Thurkorrektur in diesem Abschnitt: Bürglen, Bussnang und Weinfelden. Und sie befürworten alle die geplanten Massnahmen, wie eine Umfrage bei den Verantwortlichen der drei Gemeinden zeigt. «Der Weinfelder Gemeinderat unterstützt eine massvolle Renaturierung der Thur mit Einbezug der Energiegewinnung am Wehr. An erster Stelle steht der Hochwasserschutz für die Bewohner von Weinfelden», sagt der Weinfelder Gemeinderat Walter Strupler. Bussnangs Gemeindepräsident Ruedi Zbinden sagt: «Erste Priorität hat der Hochwasserschutz und diesen unterstützen wir solidarisch, obwohl unser Gemeindegebiet nicht zu den Hauptschadengebieten eines Thurhochwassers zählt.» Und Bürglens Gemeindepräsident Erich Baumann sagt: «Grundsätzlich begrüsst und unterstützt der Gemeinderat das Projekt. Da Bürglen vom Hochwasser wenig gefährdet ist, kann es von der ökologischen Aufwertung in Form eines neuen Auenwalds profitieren.» Auch in Weinfelden begrüsst man nebst dem verbesserten Hochwasserschutz die Aufwertung des Naherholungsgebiets. Einig sind sich die drei Befragten, dass das vorliegende Projekt in seinem Umfang passt. «Bei der jetzigen Variante wurde vom Wünschbaren auf das Nötige abgespeckt, so dass der Gemeinderat keine Einwände mehr hat», sagt Ruedi Zbinden. Erich Baumann, sein Amtskollege aus Bürglen, ergänzt: «Mit diesem Bauprojekt wurde die übertriebene Fokussierung auf den ökologischen Aspekt richtigerweise korrigiert und damit auch die Kosten gesenkt.» Nur in einem Punkt hebt Baumann den Warnfinger. Bei der Stromgewinnung im geplanten neuen Wehr in Weinfelden. «Entgegen der Haltung der Wasserkraftnutzung und teilweise auch der Gemeinde Weinfelden halten wir die nun festgelegte Staustufe für die absolute Maximalhöhe. Eine weitere Verlängerung der Staulinie lehnen wir entschieden ab.»
 

Die drei Gemeinden konnten mitreden

Zufrieden sind die drei Anstössergemeinden auch mit den Möglichkeiten, sich in die Planung einzubringen. «Wir hatten Einsitz in der Regionalen Arbeitsgruppe, in der alle Interessenvertreter dabei waren. So waren wir immer aus erster Hand informiert und konnten mitwirken», sagt Ruedi Zbinden. «Sowohl Armin Eugster als auch ich konnten unsere Sicht und Anliegen meist wirkungsvoll einbringen. Das haben wir sehr geschätzt», sagt Erich Baumann. Und Walter Strup­ler hat für Weinfelden gar vorzeitige Massnahmen erwirkt. «Der Gemeinderat konnte Anliegen in das laufende Projekt eingeben. Zusammen konnte man den Hochwasserschutz für das Freibad zeitlich vorziehen.»

Weinfelden beteiligt sich mit einer Million Franken am Projekt, Bürglen mit 320'000 Franken und Bussnang mit rund 200'000 Franken. Für Bürglen sei dies das oberste Limit, sagt Erich Baumann. «Der Kostenteiler sollte nochmals überprüft werden.» Den grössten Teil der Thurkorrekturkosten tragen der Bund mit 10 und der Kanton mit 14 Millionen Franken.

In der morgigen Ausgabe der «Thurgauer Zeitung» kommen Kritiker des Projekts zu Wort.


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