Essenz des Sieges

WUPPENAU ⋅ Die Barfuss-Brauerei hat mit ihrem Bier Nordhaus Whiskey Vanilla Porter die Silbermedaille beim Swiss Beer Award gewonnen. Für das Brauerehepaar Patton ist es eine Anerkennung seiner Arbeit.
30. November 2017, 07:08
Sabrina Bächi

Sabrina Bächi

sabrina.baechi@thurgauerzeitung.ch

«Als ich den Anruf bekam, konnte ich es gar nicht glauben», sagt Karin Patton von der Barfuss-Brauerei in Wuppenau. Sie und ihr Mann Bryan sind stolze Gewinner einer Silbermedaille des Swiss Beer Award. Sie konnten die Experten der Jury mit ihrem Nordhaus Whiskey Vanilla Porter in der Sonderkategorie überzeugen. Es ist das erste Mal, dass die Teilzeitbrauer an einem Wettbewerb teilgenommen haben. «Dass es so gut läuft, hätten wir nicht erwartet und freut uns natürlich extrem», sagt Karin Patton. Gestern Abend konnte das Brauer Ehepaar an der Preisverleihung die Anerkennung für ihre jahrelange Arbeit entgegen nehmen. Angefangen hat alles in der Waschküche mit kleinen Braukesseln. Mittlerweile haben sie in Hagenbuch Gewerberäumlichkeiten gemietet, in denen drei 1500-Liter-Tanks und ein Braukessel mit 600 bis 1200 Liter Fassungsvermögen stehen. Längst ist es mehr als nur ein Hobby. Seit diesem Sommer arbeitet die gelernte Pflegefachfrau Anästhesie Teilzeit für die Brauerei. Ihr Mann nimmt sich jeweils donnerstags Zeit für seine Braukunst. Als Software-Ingenieur arbeitet er nur noch zu 80 Prozent.

Am Wettbewerb teilgenommen haben die beiden aber nicht nur wegen einer möglichen Prämierung, sondern weil es zusätzlich eine Laboranalyse der Biere gibt. «Wir haben ja kein Labor zu Hause, daher dachten wir, dass es eine gute Möglichkeit wäre, unsere Werte zu überprüfen», sagt die Biersommelière. Sie waren «gwundrig», wie Experten ihr Bier bewerten würden.

Ohne Wodka kam der Whiskey ins Spiel

Speziell an ihrem Porter ist die Vanilleessenz, die dem Bier hinzugefügt wird. «Wir haben die Vanillestangen immer mit dem geschmacksneutralen Wodka desinfiziert. Als uns eines Abends der Wodka ausgegangen war, nahm mein Mann kurzerhand einen Bourbon und entschloss sich – ebenso spontan –, nicht nur die Schoten, sondern die ganze Essenz dem Bier beizufügen», sagt Patton. Daraus entwickelte sich das dunkle Porter Nordhaus. Die Vanilleschoten werden während eines Monats in Whiskey eingelegt. Zehn Liter Essenz mischen Pattons auf 600 Liter Bier. «Das Nordhaus Whiskey Vanilla Porter kommt bei Degustationen immer sehr gut an», sagt Patton.

Mit ein Grund, weshalb sie genau dieses Bier für den Wettbewerb ausgesucht haben. Es sei sehr speziell, und das Ehepaar trinkt es auch selber sehr gerne. Die holzige Note des Whiskeys und der Vanillegeschmack passen gut zum Porter, attestiert den Bauern aus Wuppenau auch die Jury. Sich auf den Lorbeeren ausruhen, das wollen sie bestimmt nicht. Im Gegenteil. Sie haben eine neue Serie gegründet, für die Bryan Patton experimentierfreudig neue Biersorten entwickeln kann. Kunden stimmen auf der Homepage ab, wie gut ihnen das Spezialbier, beispielsweise mit Früchten oder Hochprozentigem vermischt, geschmeckt hat. «Wenn ein Bier besonders gut ankommt, dann brauen wir es in grösseren Mengen», sagt sie.

Dass ihr stark gewachsenes Geschäft Barfuss-Brauerei heisst, hat nicht etwa damit zu tun, dass Pattons wie Hippies ohne Schuhe in der Brauküche stehen. «Ein Wegweiser des Barfussweges Wuppenau zeigt in unseren Garten. Immer wieder fragen uns Wanderer, ob sie denn durch unseren Garten müssen. Deshalb kann unser Geschäft nur Barfuss-Brauerei heissen», sagt Karin Patton vergnügt.


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