Der Wanderfalke ist selten, in Weinfelden wird er aber immer wieder gesichtet

WEINFELDEN ⋅ Der Wanderfalke ist Vogel des Jahres 2018. Beobachtungen zeigen, dass er immer wieder in der Region auftaucht. Einen Brutstandort hat er bis jetzt aber keinen. An Möglichkeiten fehlt es aber nicht.
10. Februar 2018, 14:26
Sabrina Bächi

Er ist der Usain Bolt der Lüfte: der Wanderfalke. Mit bis zu 300 Kilometern in der Stunde stürzt er von hinten auf seine Beute. Er nutzt den Überraschungsmoment und tötet seine Beute oft schon durch die Wucht des Aufpralls. Ausserdem ist er der weit verbreitetste Vogel der Welt, da er alle Kontinente ausser die Antarktis besiedelt. Trotzdem ist er selten, auch in der Schweiz. Mitte der 50er Jahre erlitt seine Population empfindliche Einbussen, weil das Pestizid DDT die Schalen seines Geleges schwächte und es kaum noch Nachwuchs gab. Mittlerweile erobert er seinen Lebensraum hierzulande langsam aber sicher wieder zurück. Birdlife Schweiz hat den versierten Jäger deshalb zum Vogel des Jahres 2018 gekürt.
 

(BirdLife)

«In der Region Weinfelden gibt es immer wieder Sichtungen von Wanderfalken», sagt Stephan Lüscher, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Weinfelden. Ein Brutstandort hat er rund um Weinfelden jedoch noch nicht. Im ganzen Kanton ist nur ein Brutstandort bekannt. «Natürlicherweise brütet er an Felswänden. Im Schweizer Mittelland unter anderm auf hohen Bäumen», sagt Lüscher. Da der Wanderfalke selbst kein Nest baue, benutze er öfters Horste der Kolkraben. «Hier ist das sein natürlicher Brutstandort, weil es wenig Felswände gibt. Auch Nisthilfen auf hohen Türmen nimmt er gerne an.» Da würde sich beispielsweise der Turm der KVA anbieten. Dort sei jedoch schon ein Turmfalkenpaar Zuhause. «Ein möglicher Standort könnte auf den Silos der Meyerhans Mühlen sein.» Ob dort aber ein Nistkasten angebracht wird, sei noch Zukunftsmusik. Dass er irgendwo am Ottenberg einen ungestörten Nistplatz findet, sei auch denkbar. Die Bedingungen seien für den schnellen Jäger ideal. «Der Wanderfalke ist ein klassischer Vogeljäger», erklärt Lüscher. Über 200 Wildvogelarten gehören in sein Beuteschema, auch Tauben stehen auf seinem Speiseplan. «Nahrung hat es in der ganzen Region genügend.» Trotz seines Namens wandert der Falke nicht in den Süden für die Überwinterung. «In der Schweiz ist er ein sogenannter Standvogel, hat aber sehr grosse Reviere für seine Beuteflüge», sagt Lüscher. Seine spitzen Flügel sind typische Bestimmungsmerkmale des Vogels. «Auch an der schwarzen Gesichtsmaske erkennt man ihn gut», sagt er.

Vergiftete Tauben gegen den Jäger

Vogel des Jahres ist der Wanderfalke nicht nur wegen seiner imposanten Flugkünste oder dem eleganten Aussehen geworden. Sondern weil ihm neue Bedrohungen zu schaffen machen. Dies seien beispielsweise Vergiftungen durch Taubenzüchter, schreibt Birdlife Schweiz. Frisst der Wanderfalke eine mit Gift präparierte Taube, stirbt er. Deshalb darf auch niemand wissen, wo der Brutstandort des Thurgauer Wanderfalkenpaares liegt. Auch Windanlagen in der Nähe von Horsten führen zu Schlagopfern. Zudem sei das Gelege von nur drei bis vier Eiern im Jahr klein. «Es ist realistisch, dass sich die Population erholt und es auch in der Region wieder brütende Wanderfalken gibt, aber es braucht Zeit.» Helfen kann man den Vogel indem man ihn akzeptiere und in Ruhe lasse. «Ich würde mich sehr freuen, wenn es den Wanderfalken hier wieder gibt.»


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