«Dieses Projekt braucht seine Zeit»

BERG ⋅ Die Familie Brauchli will ihr grosses Ziegeleigelände überbauen. Vergangene Woche hat sie mitgeteilt, dass Herzog & de Meuron aus dem Projekt ausgestiegen sind. Geschäftsleiter Andrea Martini sagt, wie es weitergeht.
06. Februar 2018, 16:54
Mario Testa

Mario Testa

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@thurgauerzeitung.ch

Andrea Martini, bedauern Sie den Ausstieg von Herzog & de Meuron?

Der Masterplan von Herzog & de Meuron war unter architektonischen Aspekten ein starkes und visionäres Projekt. Aus Investorensicht gab es jedoch kritische und berechtigte Anforderungen, die eine erneuet Marktanalyse und eine Weiterentwicklung bedingten. Leider hat Herzog & de Meuron bei diesem Meilenstein beschlossen, sich zurückzuziehen, was wir bedauern. Wir hätten uns eine weitere Zusammenarbeit gut vorstellen können.

Weshalb wurde eine neue Marktanalyse durchgeführt?

Bei Herzog & de Meuron lag der Fokus auf der architektonischen Vision. Wir befinden uns nun in einer Projektphase, in welcher es um die weitere Ausarbeitung der Rahmenbedingungen geht. Diese vertiefte Analyse gehört zu den Aufgaben unseres neuen Partners, des Totalunternehmers Losinger Marazzi AG. Dabei haben wir gesehen, dass es Anpassungen am Masterplan braucht.

Welche Anpassungen?

Das neue Ziegleiquartier soll sich natürlich aus dem heutigen Bestand heraus entwickeln und mit der Gemeinde Berg eine Einheit bilden. Die Marktsituation bedingt dabei eine Etappierung. Jede Etappe muss in sich selbst und mit dem Ort funktionieren. Ein ausgewogener Mix aus privaten, halböffentlichen und öffentlichen Freiräumen soll attraktiven Erholungs- und Begegnungsraum für Berg wie auch die Bewohner des neuen Quartiers schaffen. Diese Punkte waren im ursprünglichen Masterplan nicht genügend berücksichtigt.

Wie kamen Sie auf die Losinger Marazzi AG als Totalunternehmer?

Wir kennen sie aus unserem geschäftlichen Netzwerk. Die Firma verfügt über sehr viel Entwicklungs- und Realisierungserfahrung. Das Unternehmen hat mit uns dann auch mögliche Partner evaluiert. Die Wahl fiel auf KCAP, ein international arbeitendes Architektur- und Planungsbüro mit Büro in Zürich. Gründer Kees Christiaanse ist renommierter ETH-Professor und kennt den Thurgau zum Beispiel aus seinen Arbeiten für die Entwicklung des Kerns von Romanshorn. KCAP wird mit dem dynamischen Wiener Landschaftsarchitekten von YEWO zusammenarbeiten.

Wieder haben Sie also renommierte Partner an der Seite. Passt das für ein Dorf wie Berg? Wir sind überzeugt, dass wir für das Projekt in Berg ein kompetentes und optimales Team zusammenstellen konnten. Beide Büros stehen für hohe Qualität und für die Fähigkeit, auf einen Ort und die lokalen Bedürfnisse eingehen zu können.

Wie viel Einfluss auf die Entwicklung des Ziegeleiquartiers hat Ihre Familie als Grundbesitzerin, wie viel der Totalunternehmer?

Wir haben uns für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Losinger Marazzi entschieden. Ein solches Engagement funktioniert auf beiden Seiten aufgrund einer professionellen und vertrauenswürdigen Basis. Mit unserem Entscheid für den Produktionsstandort Berg behalten und tragen wir auch in Zukunft als Grundeigentümer unsere nachbarschaftliche Verantwortung.

Gibt es bereits Investoren für Ihr Projekt?

Die Investorensuche werden wir forcieren, wenn der neue Masterplan und der Gestaltungsplan vorliegen. Erfahrungsgemäss brauchen Investoren einen gewissen Detaillierungsgrad, damit sie sich entscheiden können. Mit der Marktanalyse von Losinger Marazzi haben wir sichergestellt, dass die nächsten Schritte auf die Bedürfnisse des Markts ausgerichtet sind.

Die Ziegelproduktion bleibt Berg erhalten. Werden Sie sie zu Gunsten von mehr Bauland verkleinern?

Wie wir die Produktion in Berg genau ausrichten, hängt auch von der Arealentwicklung ab. Wir bearbeiten das Thema deshalb in enger Koordination mit dem Totalunternehmer.

Wie werden die Pläne, das Ziegeleiareal zu überbauen, von der Bevölkerung und der Politik aufgenommen?

Wir haben durchs Band positive Rückmeldungen erhalten. Vor rund drei Jahren haben wir im Verwaltungsrat unser Ziel definiert, unserer Heimatregion einen visionären und qualitativ hochstehenden architektonischen Beitrag zu ermöglichen.

Haben Sie zwischenzeitlich an der Umsetzung des Projekts gezweifelt?

Wir waren uns bewusst, dass ein solches Projektvorhaben nur mit starken und erfahrenen Partnern bewältigt werden kann. Deshalb arbeiten wir seit April 2017 mit Losinger Marazzi zusammen. Die Umsetzung eines qualitativen und nachhaltigen Projektes unter Einbezug verschiedenster Interessen benötigt ihre Zeit. Diese Zeit möchten wir dem Projekt lassen.

Das Interview wurde schriftlich geführt


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