Dank Spendengeldern: Boas lernt nun Rechnen

WEINFELDEN ⋅ Olivia Langers Begegnung mit einem Buben in Uganda hat dazu geführt, dass nun mehrere Kinder zur Schule gehen können. Der Verein Olutindo Uganda – Brücke der Freundschaft sorgt für Fortschritte im Projekt.
18. November 2017, 05:19
Isabella Gómez

Isabella Gómez

isabella.gomez@thurgauerzeitung.ch

Über zwei Dutzend ugandische Kinder hören gespannt dem Lehrer zu – Rechnen ist angesagt. Über ein Schulzimmer verfügen sie nicht, deswegen sitzen sie draussen auf dem Boden. Doch das gehört nun der Vergangenheit an. «Mit Spendengeldern wurde ein Schulhaus gebaut, kürzlich wurde es eingeweiht», sagt die Weinfelderin Olivia Langer, Mitbegründerin des Vereins Olutindo Uganda – Brücke der Freundschaft. Für den Bau der Schule seien 35000 Ziegelsteine benötigt worden. Für die Entstehung des Projekts reichte jedoch eine einzige Begegnung.

Er brachte den Stein ins Rollen

Im Jahr 2013 reiste Olivia Langer mit Willi Hausammann nach Uganda. «Seine Tochter lebt dort, deswegen hatten wir Zugang zu den einheimischen Familien», sagt sie. Als sie zu einer Witwenzusammenkunft eingeladen wurden, fiel ihr ein Bub auf.

«Er stand draussen und schaute die ganze Zeit durch ein Fenster rein», sagt Langer. Sie sei dann zu ihm hingegangen und habe in einem leisen Ton auf Schweizerdeutsch gesagt, dass er doch auch reinkommen soll. «Seitdem ist Boas, so heisst der Bub, nicht mehr von meiner Seite gewichen.» Boas ging ­Langer nicht mehr aus dem Kopf. ­Zurück in der Schweiz erfuhr sie, dass er teils bei seiner verwitweten Mutter und teils beim Onkel in der Garage wohnt. Dort kann er ein bisschen Geld verdienen. Das Schulgeld für Boas kann sich seine Familie nicht leisten. «Deshalb wollte ich das Schulgeld für ihn spenden, doch seine Mutter war dagegen, weil sie wollte, dass Boas arbeiten geht und Geld nach Hause bringt», sagt Langer.

Glückliche Wendung

Willi Hausammanns Tochter habe dann die Idee gehabt, mit dem gleichen Geldbetrag mehreren Kindern aus der Gegend einmal wöchentlich Unterricht zu ermöglichen. Die Samstagsschule sei danach schnell zustande gekommen. Seither kann Boas eine Schule besuchen. «Angefangen hat es mit zehn Kindern, mittlerweile sind es schon etwa 100.» Nebst Rechnen gehören Lesen und Englisch zu den Hauptfächern. Auch eine warme Mahlzeit gibt es für die Kleinen.

Olivia Langer reiste bereits ein zweites Mal nach Uganda, als die Schule eingeweiht wurde. Das letzte Mal war es bestimmt nicht, denn sie hat vor, so bald wie ­möglich wieder hinzugehen. «Ich ­hoffe, dass Boas dann bereits ein bisschen Englisch spricht und wir uns unterhalten können.»


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