Alles stabil im zweiten Anlauf

WEINFELDEN ⋅ Der Bau des Primarschulzentrums Elisabetha Hess ist weit fortgeschritten. Die massiven Pfähle, die nach dem Abbruch in den Untergrund gebohrt wurden, zeigen Wirkung. Diesmal hält die Konstruktion.
21. September 2017, 08:19
Mario Testa

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@thurgauerzeitung.ch

Pfahlbauten können die Weinfelder Primarschüler künftig am eigenen Schulhaus erkunden. Das neue Primarschulzentrum Elisabetha Hess steht nämlich komplett auf Pfählen. 101 Löcher haben die Bauarbeiter vergangenes Jahr in den Untergrund gebohrt und sie mit Armierungseisen und Beton gefüllt. Nun ist der Baugrund stabil und beim Wiederaufbau des Rohbaus zeigen sich keine Risse oder Verschiebungen der Bausubstanz. «Beim ersten Anlauf hatten wir zwar mehr Pfähle im Untergrund, aber wesentlich schlankere und vor allem gingen sie nicht so tief», erklärt Projektleiter Peter Trachsel vom Generaunternehmer Implenia AG. «Die neuen Pfähle haben wir bis in die Grundmoräne getrieben, sie gehen bis zu 22 Meter tief runter.»

Sollte sich der Untergrund also wieder verflüssigen – wie es im Frühling 2016 der Fall war, was zum Baustopp und Rückbau des bereits weit fortgeschrittenen Rohbaus geführt hatte – dann sollte sich das Schulhaus nun nicht mehr bewegen. Die Pfähle verharren an ihrem Ort und mit ihnen das Schulhaus und die Turnhalle oben drauf. «Wir waren übervorsichtig, haben sehr viele Messungen durchgeführt und jeden einzelnen Pfahl dreifach geprüft», sagt Trachsel.

Der Kreditrahmen reicht trotz Neuanfang

Bei einem Augenschein auf der Baustelle hatten Primarschulpräsident Thomas Wieland und Schulbehörde- und Baukommissionsmitglied Daniel Engeli am Dienstag Erfreuliches zu berichten. «Das Schulhaus wird im Sommer 2018 bezugsbereit sein, also pünktlich zu Beginn des neuen Schuljahres», sagt Thomas Wieland. «Wir haben uns in der Task-Force, die wir nach dem Rückbau ins Leben gerufen haben, drei Ziele gesteckt: eine zeitnahe Lösung, die Abwendung eines Rechtsstreits und das Einhalten des Baukredits. Alle drei Ziele werden wir erreichen.» Zwar wird das Schulhaus aufgrund des Rück- und Neuaufbaus erst ein Jahr später bezugsbereit sein als ursprünglich geplant. Dank des Abwendens eines Rechtsstreits dauere es aber nicht noch länger, sagt Wieland.

Laut Daniel Engeli wurden für die zusätzlichen Stabilisierungsmassnahmen im Untergrund 1500 Kubikmeter Beton und 90 Tonnen Stahl verbaut. «Das Schulhaus steht nun auf solidem Grund», sagt er. Gar die dreifache Menge an Beton und Armierungseisen sind mittlerweile auch im Schulhaus und der Turnhalle verbaut worden. Bereits sind die meisten Fenster installiert und damit die Gebäudehüllen geschlossen. «Die Turnhalle ist dicht, das haben Messungen gezeigt. Bis Ende September wird auch der Schulhaustrakt geschlossen sein.» Die Dichte sei wichtig, da es sich beim Zentrum um einen Minergie-A-Bau handelt, der sich dank Sonnenkollektoren auf dem Dach selber heizt. «Wichtig ist auch zu sagen, dass 60 Prozent der Handwerkeraufgaben in Weinfelden vergeben wurden. So eine Wertschöpfung für den Ort hinzukriegen, hätten wir ohne Generalunternehmung nicht geschafft.»

Der weitere Fahrplan sieht vor, dass bis im Februar der Rohbau mit den aussen liegenden Fluchttreppen abgeschlossen ist, dann beginnen die Umgebungsarbeiten am Hartplatz und der Spielwiese. Bereits gut zu erkennen sind die acht Schulzimmer im Obergeschoss des Schulhauses. Dank Oberlichtern und grossen Fenstern werden sie sehr hell sein, zudem ermöglichen flexible Wandbereiche künftige Neuaufteilungen der Räume.

Generalunternehmer als Versicherung

Die Mehrkosten für den Abbruch und Wiederaufbau der Gebäude beläuft sich auf mehrere Millionen Franken. Die Schulgemeinde Weinfelden muss jedoch nur die Mehrkosten tragen, die aufgrund der zusätzlichen Pfählung und teilweise etwas dickerer Mauern entstanden sind. Und diese reizen den Kreditrahmen von rund 22 Millionen Franken noch nicht aus. «Den ganzen Rück- und Wiederaufbau in Millionenhöhe muss also nicht der Steuerzahler berappen», betont Thomas Wieland. «Der Generalunternehmer Implenia wirkt da wie eine Art Versicherung für uns.»


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