Wanderung in die Vergangenheit

SCHÖNHOLZERSWILEN. Der Geoweg in Schönholzerswilen ist eine geologische, geographische und kulturelle Spurensuche. Er liefert Wanderern so viele spannende Informationen, dass sie sich bei jedem Wetter auf den Weg machen.
08. Mai 2012, 01:07
RUDOLF STEINER

Buchstäblich im Regen stehen lassen hat Petrus die Gäste bei der Eröffnung des Geoweges in Schönholzerswilen. Trotzdem konnte Gemeindeammann Hans Möckli zwischen 40 bis 50 unentwegte und wasserfeste Wanderer begrüssen. Nicht unter ihnen war der eigentliche Initiant, der 64jährige Ruedi Ruegger. Er hatte das missliche Wetter vorausgeahnt und sich auf eine Ferienreise nach Frankreich aufgemacht.

Zerfallene Burg

Der Wandergruppe stand ein 9,5 Kilometer langer und nach offiziellen Angaben zweieinhalbstündiger Marsch nördlich von Schönholzerswilen bevor. Die erste Infotafel erreichten die Wanderer nach knapp 20 Minuten im Wald zwischen Immenberg und der Hintermühle, welche auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Kradolf-Schönenberg steht. Auf der Burg Wunnenberg, die fast vollständig überwachsen ist, hausten bis 1300 die Freiherren von Wunnenberg. Dann zerfiel die Burg langsam und die Steine dienten 1712 bis 1714 beim Bau der reformierten Kirche Schönholzerswilen als willkommenes Baumaterial, wie Kantonsarchivar Hansjörg Brem erklärte.

Zwischen dem Weiler Metzgersbuhwil und Mettlen führt der Weg am Moos vorbei, das seit 1975 unter Naturschutz steht. In diesem Reservat, wo bis zum Ersten Weltkrieg Torf abgebaut wurde, leben heute Libellen, Sumpfschrecken, Ringelnattern und Teichrohrsänger. Zudem ist hier seit einiger Zeit auch der Biber aktiv. Ein erst kürzlich entdeckter Grenzstein bezeugt, dass vor 300 Jahren die Landgrafschaft Thurgau ans Territorium des Klosters St. Gallen grenzte.

Prähistorische Siedlung

Nach einem kurzen Anstieg erreichten die Wanderer Toos-Waldi, wo in der Frühbronzezeit eine rege Siedlungstätigkeit herrschte. Ausgrabungen belegen, dass die Siedlung bis in die Spätbronzezeit (um 300 n. Chr.) bewohnt war. Nicht weit davon entfernt befindet sich die Tongrube Altegg, in der die ZZ Wancor aus Istighofen den Rohstoff für die Produktion von Dachziegeln und Backsteinen abbaut. Das Alter des Abbaugebiets wird auf etwa 12 Millionen Jahre geschätzt, die bis zu 30 Meter mächtigen Schichten aus der oberen Süsswassermolasse liefern noch mindestens Rohstoff für die nächsten 25 Jahre.

Wer auf dem Rückweg nach Schönholzerswilen durch das Itobel einen Abstecher machen will, kann das hoch über dem Itobelbach gelegene Bruederloch besuchen. Bis heute weiss man nicht genau, ob der mystische Ort unseren Vorfahren als Wohnhöhle oder Kultstätte diente.


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