Meilenstein für alpine Bauten

Ende September wird die neue Monte-Rosa-Hütte in den Walliser Alpen eingeweiht. Am Bau dieses technischen Wunderwerks sind auch Weinfelder beteiligt. 130 Schlafplätze sind in der Thurgauer Gemeinde vorfabriziert worden.

22. Juli 2009, 01:03
Caroline Leuch

Weinfelden. Regelmässig berichtet «Schweiz aktuell» über die höchstgelegene Baustelle der Schweiz: Zwischen Gorner-, Grenz- und Monte-Rosa-Gletscher wird auf 2883 Metern über Meer die neue Monte-Rosa-Hütte gebaut. Gemeinsam entwickelt wurde dieses High-Tech-Wunder von der ETH Zürich und dem Schweizer Alpen-Club SAC. Diesem gehört der Weinfelder Architekt Peter Büchel seit seinem 16. Lebensjahr an. In seiner Funktion als Architekt, der seit über 15 Jahren auch im Bereich Gebirgsbautenberatung tätig ist, begleitete er das Projekt von Beginn weg.

Grosse Herausforderung

Am Projekt beteiligt ist auch die Meier Schreinerei AG aus Weinfelden. «Nach diversen Verhandlungen – mussten wir uns doch gegen die Konkurrenz aus dem Wallis behaupten – haben wir den Zuschlag erhalten», freut sich Projektleiter Markus Meier. In jeder Beziehung handle es sich bei diesem Auftrag um eine grosse, aber interessante Herausforderung: «Die Planung für den Innenausbau basiert ausschliesslich auf CAD-Daten der Elementbaukonstruktion», erklärt der Projektleiter. Konkret wurden die 130 Schlafplätze, das Küchenoffice sowie Spezialschränke in der Weinfelder Schreinerei vorfabriziert. Anfang Juli wurden 12 Tonnen Material per Lastwagen, Bahn und letztlich mit der Air Zermatt auf die Baustelle transportiert. Während zweier Wochen bauten Jakob Grob, Roger Kliem und Lehrling Peter Brauchli die Schlafstellen ein, die weitgehend aus Braunkern-Esche aus dem Thurgauer Wald fabriziert wurden. Regelmässig steht Markus Meier mit seinem Team in Kontakt. «Alles läuft bestens, ich kann mich auf unser Team, das eine Topleistung erbringt, hundertprozentig verlassen.» Zudem sei die Zusammenarbeit mit den anderen Handwerkern vorbildlich. «Auf 2883 Meter über Meer ist man auf gegenseitige Hilfe und Rücksichtnahme angewiesen.» Die Handwerker übernachten in der alten Monte-Rosa-Hütte und werden dort vom Hüttenwart verpflegt. «Für uns Flachländer dauert es zwei Tage, bis sich der Körper an die dünne Luft und an das Klima gewöhnt hat und die volle Leistung bringen kann», erklärt Markus Meier. Auch Peter Büchel ist vom Unternehmerteam, das hauptsächlich von Walliser Firmen gestellt wird, begeistert. «Durchs Band klappte bisher dank hoch optimierter Abläufe aller Beteiligten alles sehr gut.» Energietechnisch gilt die Monte-Rosa-Hütte als High-Tech-Bauwerk, das seine Energie dank Solarzellen, einem Sonnenkollektorenfeld herstellen kann. Die Abwässer werden mit einer Membranfilterkläranlage zu über 95 Prozent gereinigt und für die Toilettenspülung wiederverwendet. Jede einzelne energietechnische Komponente ist auf das Gebäudemanagement abgestimmt. «Mit der Betriebsoptimierung beginnt nach der Eröffnung im September Stufe 2. Vereinfacht gesagt wird sich die Hütte, die mit Daten aus der Wetterstation und dem Reservationssystem gespeist wird, auf das Klima vorbereiten, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen», erklärt Peter Büchel.

Daten in der ETH

Alle Daten laufen in der ETH zusammen und werden dort kontrolliert. «Diese Einpendelphase ist äusserst komplex und anspruchsvoll, doch mittelfristig auch für die Wirtschaft ein zukunftweisendes Projekt.» Mit der Monte-Rosa-Hütte setzten die ETH und SAC einen Meilenstein für das hochalpine Bauen. Kein Wunder sprechen Büchel und Meier von einer «besonderen Herausforderung», bei solch einem Projekt mitarbeiten zu können.


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