Gipfeli – schwarz wie die Nacht

Die Meyerhans Mühlen AG produziert dunkles Mehl für Brot, das glänzend schwarz aussieht. Was als Gag gedacht war, hat inzwischen einen Fan-Kreis gefunden. Die Kreativität von Geschäftsführer Dominic Meyerhans und seinem Team hört aber beim Bäckernacht-Mehl nicht auf.
21. April 2016, 02:40
IDA SANDL

WEINFELDEN. Tiefschwarz und glänzend liegt das Gipfeli im Korb. Reinbeissen, befiehlt die Neugier. Nein, warnt das Gehirn: Ist hart, verbrannt, bitter. Die Neugier siegt zum Glück, denn das Gipfeli ist zart und luftig und es schmeckt ein bisschen süsslich. Wie ein gutes Gipfeli eben schmecken sollte.

Die neue Generation

Das Hirn ist irritiert und das gefällt Dominic Meyerhans, seit 2015 Geschäftsführer der Meyerhans Mühlen AG in Weinfelden. Er führt den Familienbetrieb bereits in der sechsten Generation, hat schon als Kind in der Mühle gespielt. Meyerhans ist verantwortlich für Produktentwicklung, Marketing und Innovation. Er macht sich zum Beispiel Gedanken darüber, wie die Kunden eine emotionale Bindung zu seinem Unternehmen aufbauen. Das Ziel ist erreicht, wenn die Konsumenten in der Bäckerei nach Brot fragen, das mit Meyerhans-Mehl gebacken wurde. Dominic Meyerhans lächelt: «Das wird kaum passieren.»

Hansi Meyer könnte dabei helfen. Hansi Meyer ist der Leiter Innovation, ein Tüftler, der ein bisschen aussieht wie Albert Einstein. Graues, wildes Haar, grauer Schnurrbart, Rollkragenpullover, Anzug, darüber der weisse Kittel des Lebensmittel-Technologen. Hansi Meyer grüsst nicht nur von den Meyerhans-Lastwagen, er stellt auf Videoclips auch die neuesten Produkte aus dem Hause vor, oder moderiert Kundenanlässe. Eigentlich macht Hansi Meyer ganz schön viel, dafür, dass es ihn gar nicht gibt. Er ist eine Kunstfigur, gespielt von einem Schauspieler. «Wir hätten auch unsere neuen Walzenstühle zeigen können», sagt Meyerhans, «aber das hätte wohl nur wenige angesprochen.»Hansi Meyer ist das Gesicht dern Meyerhans Mühlen AG. Seine Botschaft: Diese Firma mahlt nicht nur gutes Mehl, sondern ist kundennah und bringt immer wieder neue Produkte auf den Markt.

Schwarzes Mehl zum Beispiel. Dominic Meyerhans winkt ab. «Das war eigentlich nur ein Gag.» Erdacht für die alljährliche Bäckernacht. Meyerhans hatte bei einem Bäcker in Baden-Württemberg Pech-Kekse entdeckt. Eine Art Gegenentwurf zu den bekannten chinesischen Glückskeksen: schwarz, mit derben Sprüchen.

Schwarz geht immer

Der Teig wird schwarz, wenn man ihm Pflanzenkohle beimischt. Schwarze Lebensmittels sind Trend: Vom Vulkansalz bis zum Black Detox Smoothie. Die Herausforderung sei gewesen, das richtige Mischverhältnis zwischen Mehl und Pflanzenkohle zu finden. Zum schwarzen Gebäck muss jeweils etwas Helles dazu gebacken werden. Denn Schwarz kann sich nicht dunkler färben, man sieht also auch nicht, wann das Brot fertig gebacken ist.

Nur ein paar Tonnen

Das schwarze Brot kam so gut an, dass es über die Bäckernacht hinaus gefragt ist. Es gibt sogar schon Stammkunden. Ein Koch in Weinfelden bestellt zum Beispiel regelmässig schwarzes Mehl für seine Pasta. Eine Grossbäckerei will es für ihre Hamburger-Buns haben und einige Pizzerien haben ebenfalls schwarze Pizza auf ihre Speisekarte gesetzt. «Mit Käse, Tomaten oder Rucola sieht das sehr elegant aus», sagt Meyerhans. Allerdings wird das schwarze Mehl nach seiner Einschätzung immer ein Nischenprodukt bleiben: «Mehr als ein paar Tonnen pro Jahr werden wir davon wohl nicht verkaufen.» Andere Innovationen sind wichtiger. Etwa das helle Vollkornmehl, das auch passionierten Weissbrot-Essern schmecken wird. Oder die rustikale Sauerteig-Brotmischung «Alter Fritz» mit Ittinger Kloster-Roggen.

Auf der einstigen Rasenfläche vor dem Firmengebäude in Weinfelden hat Meyerhans IP-Suisse-Weizen angebaut. Ein Ar ist die Fläche gross. Im Sommer soll das Getreide geerntet und anschliessend daraus Brot für die Mitarbeiter gebacken werden. Das Getreide soll für sie nicht nur eine Ware sein, wünscht sich Meyerhans. «Das ist unser Rohstoff, sie sollen ihn wertschätzen».


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