Tagblatt Online, 10. August 2012 01:34:00
Von der Legende zum Vorbild
Ex-Stadtpolizist Ruedi Studer geht mit gutem Beispiel voran. (Bild: Ernst Hunkeler)
Seit kurzem ist in Stein am Rhein ein absolut einmaliges T-Shirt unterwegs: Ruedi Studer, ehemalige Stadtpolizei-Legende, trägt es. Dani Griesser hat es bedruckt.
ERNST HUNKELER
STEIN AM RHEIN. SH 7715 fährt nicht mehr. Der Besitzer des Kontrollschildes war der Steiner Ex-Postbeamte und -Stadtpolizist Ruedi Studer, und er hat es abgegeben. Den Führerausweis kann ihm auch keiner mehr abnehmen, weil er ihn nicht mehr hat: per Post retourniert. Dafür trägt Ruedi Studer nun ein neues T-Shirt mit dem Aufdruck «Ich ha dä Brief abgäh ...» und einem moosbewachsenen Auto als Illustration.
Ein bedeutsamer Schritt
Gut, Ruedi Studer, der Mann mit dem vielleicht grössten Insiderwissen über Stein und die Staaner der vergangenen 50 Jahre, ist bald 81 Jahre alt. Aber längst nicht all seine Altersgenossen gehen diesen bedeutsamen Schritt und geben Ausweis und Schilder ab – und dies erst noch mit so viel Humor. Dabei war der Mann in seinem ganzen Leben nicht in einen einzigen Unfall verwickelt – weder als Pöstler noch als Polizist noch als Privatmann.
Studer war in Stein erst Postbeamter, lernte damit die Steiner aus der PTT-Perspektive kennen, war dann Pöstler in Neuhausen, wechselte dort schliesslich zur Polizei und kam zum 1. Februar 1960 als Stadtpolizist nach Stein am Rhein. Er wohnte bis zu seiner Pensionierung 1995 mit seiner Familie im Rathaus. Was den Steiner Sheriff stets auszeichnete, war seine absolute Geradlinigkeit, die unter anderem auch dazu führte, dass er sich die einzige Busse seines Lebens selbst aufbrummte: Seine Frau machte ihn einst darauf aufmerksam, dass er sein Auto ausserhalb der Dienstzeit im Parkverbot stehen habe. Und was tat Studer? Richtig – er zeigte sich selbst an und sorgte damit im Rathaus für einige Verwirrung.
Humorist im Narrenrat
Studer ist zudem für seinen speziellen Humor bekannt, der aktuell im Bekenner-T-Shirt buchstäblich zum Tragen kommt. Er ist der letzte Überlebende des ersten Steiner Narrenrates und brachte mit seiner Schnitzelbank-Formation «Fallesteller» manche Peinlichkeit ans Licht und die Leute zum Lachen.
Nicht mehr ums Lachen war es ihm in diesem Jahr: Nachdem seine Frau gestorben war, musste er selbst zweimal ins Spital. Grund genug, nun eben Führerausweis und Kontrollschilder abzugeben. Er hat zwei Söhne, die ihn bei Bedarf chauffieren und die sowieso täglich nach ihm schauen.
Die Nummernschilder wird wohl einer von Studers Söhnen einlösen. Auf dass die Nummer SH 7715 auch weiterhin unter dem Namen Studer durch die Lande reisen wird.
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