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Tagblatt Online, 07. Juni 2012 01:04:00

Umstrittene Mehrwertabgabe

Mehrwertabgabe Zoom

Es wird fleissig gebaut in Fruthwilen, Gemeinde Salenstein. Bauland mit Blick auf den See ist besonders beliebt. (Bild: Nana do Carmo)

Am 17. Juni stimmt das Thurgauer Volk über das neue Planungs- und Baugesetz ab. Ermatingen befürchtet durch die Mehrwertabgabe einen enormen Anstieg der Bodenpreise. Andere Gemeinden sehen jedoch für sich keine Auswirkungen.

ERIKA PàL

Wird das Volk am 17. Juni Ja zur geplanten Mehrwertabgabe sagen, so muss in Zukunft der Landbesitzer 20 Prozent des Mehrwerts, das sein Grundstück durch die Einzonung erhält, an die Gemeinde und den Kanton abgeben. Dieses Geld will man für allfällige Kosten bei Auszonungen verwenden. Gemeindeammann von Basadingen Peter Mathis hat hierfür keine Bedenken. «Unsere Gemeinde hat das Glück, dass wir noch relativ viel eingezontes Bauland haben. Für die nächsten Jahre sind keine weiteren Einzonungen geplant», so Mathis. «Wir haben relativ billiges Bauland. Auch mit der Mehrwertabgabe wird der Quadratmeter immer noch sehr preiswert sein.» Im Moment kostet ein Quadratmeter Bauland in Basadingen zwischen 200 und 240 Franken.

Neuer Zonenplan gibt Sicherheit

Auch die Gemeinde Eschenz fürchtet sich vor der Mehrwertabgabe nicht. In den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren sieht Gemeindeammann Claus Ullmann keinerlei Auswirkungen für Eschenz. «Wir haben soeben einen Zonenplan erstellt, er liegt sogar noch beim Regierungsrat. Wir haben für die nächste Zeit bestimmt nichts zu befürchten», sagt Ullmann. «Bauland ist immer eine Frage von Angebot und Nachfrage.»

Dies sieht Martin Stuber, Gemeindeammann von Ermatingen, anders. «Die Bodenpreise werden in die Höhe schnellen. Wer sein neu eingezontes Bauland verkaufen will, der wird die 20 Prozent der Mehrwertabgabe bestimmt zusätzlich verrechnen», sagt Stuber. Für ihn besteht kein Zweifel, dass die Vorlage zum Planungs- und Baugesetz (PBG) am 17. Juni eindeutig angenommen wird. «Viele Thurgauer besitzen bereits ihr Haus und finden, dass Baulandbesitzer gerne etwas abgeben dürfen.» Ein solches Gesetz sei im Moment einfach nicht nötig. Denn ein Quadratmeter Bauland kostet in Ermatingen, mit Blick auf den Untersee, bereits jetzt schon zwischen 1000 und 1200 Franken. «Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass wir immer mehr Einwanderer haben, uns aber der nötige Platz fehlt.» Ein enormer Anstieg der Bodenpreise sei somit unumgänglich.

Teures Bauland

In Salenstein zahlt man ebenfalls gegen 1500 Franken für einen Quadratmeter Bauland mit Seeblick. Doch auch hier hält man am aktuellen Zonenplan fest. «Für die kommenden zehn Jahre rechnen wir mit keinen neuen Einzonungen», sagt Herbert Rispy, Leiter Ressort Bau der Gemeinde Salenstein. Stuber beschäftigt vor allem die Verwendung des Geldes. «Es wird überall wie wild gebaut. Für Auszonungen wird das viele Geld bestimmt nicht benötigt», so der Ermatinger Gemeindeammann.




Leser-Kommentare:
1 Beitrag

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deich (07. Juni 2012, 09:15)
Seesicht

Die "immer mehr Einwanderer", die der Gemeindeammann von Ermatingen erwähnt, kommen doch besonders auch wegen der niedrigen Steuern und - als angenehmer Nebeneffekt, durch die Tatsache, dass die benachbarte Agglomeration Kreuzlingen-Konstanz mit ihrer Infrastruktur, von der Bildung (3 Hochschulen, 6 Gymnasien usw.) bis hin zur derzeitigen wirtschaftlichen Prosperität alles besitzt, was "das Herz begehrt"! Damit wird so oder so jeder Betrag besonders für einen Bauplatz mit "Seesicht" gezahlt. Gleiches gilt auch für Salenstein und einige andere Gemeinden am Untersee. In 15 bis 25 Jahren wird tatsächlich "der nötige Platz" fehlen. Auch die "Seesicht" ist dann halt im Wohlstand der Zugezogenen aufgegangen. Diese Entwicklung ist bereits heute sichtbar und anscheinend gewollt. Da muss man doch nicht klagen. Die Politik (und alles was daran hängt!) steuert die Entwicklung im Guten und im Bösen - könnte sie steuern. Thurgauer Goldküste eben!

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