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Tagblatt Online, 01. Juni 2012 01:07:00

Die Stadt ist kein Hotelier

Roger Forrer Zoom

Seit einem Jahr im Stadthaus: Stadtammann Roger Forrer. (Bild: Reto Martin)

Der neue Stadtammann Roger Forrer will die Finanzen seines Städtchens in Ordnung bringen. Dazu setzt er nicht auf grosse Sparrunden, sondern auf viele kleine Schritte.

GUDRUN ENDERS

STECKBORN. Die Stadt will sich nicht länger am See & Park Hotel Feldbach beteiligen. Das jedenfalls sieht der Steckborner Stadtrat so. Er könnte dies auch selbständig entscheiden. Trotzdem will er am kommenden Dienstag, 5. Juni, an der Gemeindeversammlung die Meinung der Bürger hören. «Ich würde gerne das grundsätzliche Okay einholen», sagt Stadtammann Roger Forrer.

Das Problem sind die Finanzen: Investitionen für das See & Park Hotel Feldbach von rund zwei Millionen stünden an, sagt Forrer. «Wir müssten bis zu 0,5 Millionen Franken für das Hotel in unser Budget nehmen.» Dabei will das Städtchen erst einmal die eigenen Schulden abtragen. Zudem sieht der Stadtrat die Teilhabe an einem Hotelbetrieb nicht als Kernaufgabe an. Die Stadt hält aber seit Eröffnung des Hotels ein Viertel der Aktien. «Wir haben unsere Aktien von zwei Büros bewerten lassen. Die sind nichts mehr wert», sagt Forrer. Zudem hat die Stadt Darlehen ans Hotel gewährt, die möglicherweise gefährdet sind. Doch Forrer sieht noch einen kritischeren Punkt: «Wir müssten bei einem Ausstieg vertraglich absichern, dass das Feldbach ein Hotel bleibt.»

Beinahe eine Punktlandung

Die Rechnung, über die abgestimmt wird, fällt auch in Steckborn erfreulicher aus als budgetiert. Statt eines satten Minus über mehr als 400 000 Franken, schliesst die Rechnung der Stadt fast mit einer Punktlandung. Nur noch ein kleines Minus von knapp 55 000 Franken steht unter dem Strich und das bei einem Gesamtaufwand von knapp 18 Millionen.

Das deutlich bessere Ergebnis ist auf mehr Steuererträge zurückzuführen. Doch Stadtammann Forrer legt Wert auf eine differenzierte Betrachtung: «Obwohl wir 75 Steuerpflichtige hinzugewonnen haben, ist die Steuerkraft pro Einwohner gesunken.» Lag 2010 die Steuerkraft eines Einwohners noch bei rund 1860 Franken, sank sie ein Jahr später auf rund 1730 Franken. «Wachstum bedeutet nicht zwangsläufig mehr Geld.»

Viele kleine Schritte zum Ziel

Forrer ist wichtig: «Wir müssen lernen mit dem Geld umzugehen, das wir haben.» Dabei ist er kein Freund grosser Sparrunden. Er setzt lieber auf kleine Schritte. Als Beispiel nennt er die Stützpunktfeuerwehr, die in Steckborn so gross ist wie in Frauenfeld. «Aber wir haben viel weniger Einwohner.» Deshalb reicht in Steckborn die Feuerwehrabgabe zur Finanzierung nicht aus. Forrers Konsequenz: «Wir bemühen uns jetzt um kantonale Unterstützung.»





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