Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 30. Oktober 2009 01:01:45

Neue Denkräume für alle öffnen

Zoom

Stefan M. Seydel hat ein Nachschlagewerk über mögliche Kommunikationsformen realisiert. (Bild: Bild: zVg)

Tina Piazzi und Stefan M. Seydel von rebell.tv haben ein Buch herausgegeben, das die Ergebnisse ihrer Arbeit bündelt. «Die Form der Unruhe» hat über 500 Seiten und könnte anregend für Menschen in Entscheidungsprozessen sein.

barbara fatzer

amriswil/berlin. Noch nie standen uns so viele Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung wie jetzt, um uns zu informieren und mit anderen in Kontakt zu kommen. Wie man diese gleichwertig nutzen kann, das macht rebell.tv täglich vor. Jetzt hat dieses Sozialunternehmen auch ein Buch veröffentlicht, das sich als überaus spannendes Nachschlagewerk über unsere Zeit entpuppt.

Vor etwa dreissig Generationen gelang es der Menschheit, Gedanken und Gesprochenes festzuhalten, indem an verschiedenen Orten die Schrift dafür eingesetzt wurde. Und seit gut fünfhundert Jahren lassen sich Manuskripte durch die Drucktechnik in grosser Zahl vervielfältigen und darum leichter verbreiten. Im 20. Jahrhundert ermöglichen technische Erfindungen wie Telefon, Radio, Fernsehen und Internet einen Informationsaustausch, der grenzenlos scheint und sehr vielen Menschen zugänglich gemacht wird.

Die neue Technologie über das Web erlaubt auch, selbst aktiv über Blogs oder Videos Informationen zu verbreiten und auf den Fluss der Kommunikation Einfluss zu nehmen.

Vernetztes Sozialwerk

Diese ständig sich weiterentwickelnde Plattform nutzen auch Stefan M. Seydel und Tina Piazzi, um ihre Projekte und Themenfelder öffentlich zu machen. Zuerst geschah das über ihre Produktionsform intervention GmbH (von 1997 an).

Seit fünf Jahren betreiben sie rebell.tv, das völlig ungewohnt, aber desto kreativer, inspirierend und herausfordernd daherkommt.

Die beiden haben den Mut, sie beschäftigende Fragen der Zeit, wie etwa wie das gesellschaftliche Leben gestaltet werden kann, über Begegnungen, Gespräche, Interviews und Dokumente aufzuwerfen, ihnen nachzugehen und durch neue Bezüge und Vernetzungen vertieft weiterzubearbeiten.

Ganz wesentlich bei ihrem Vorgehen ist ihr anderer Ansatz zum Nachdenken: Es geht nicht darum, die eigene Meinung durchzusetzen, sondern alles, was sie sammeln, über das Internet zugänglich zu machen, zu verlinken, in einen Dialog zu bringen, Rückmeldungen dazuzufügen und Informationen so in einer ständigen Spannung zu halten. Jeder Beitrag habe seine Berechtigung und sollte akzeptiert werden, ist ihre Meinung. Gerade so entstehen neue Denkräume, die alle für sich nutzen können.

Das Buch ist nicht veraltet

Mit dem 512seitigen Buch «Die Form der Unruhe» legen die beiden Moderatoren in der konventionellen Art des Buches das exemplarisch ausgewählte Material in drei Kapiteln vor, das in dieser Zeit zusammengekommen ist. Aber ganz unabhängig von den Mitteilungen über Blog, Radio- und Fernsehtechnik von rebell.tv, die hier jede einzelne aufgelistet ist, kommt man über das scheinbar veraltete Buchlesen zu einem Nachschlagewerk über mögliche Kommunikationsformen, über unbekannte und neu angedachte Themen, über bekannte Zeitgenossen aus Wissenschaft, Politik oder Kultur, aber auch über unbekannte Mitmenschen mit ihren Vorstellungen über unsere Welt. Jedes gesendete Gespräch ist dank den Angaben auf dem Netz abrufbar, dazu kommen eine Fülle von thematisch verknüpften Webseiten, Literaturangaben und Kontaktmöglichkeiten.

Besonders anregend und sehr lesenswert sind die bis jetzt 93 Wochenkommentare des Journalisten Hanspeter Spörri, die auch hier abgedruckt sind, wie etwa «Die Krise des Mittelstands» (18. März 2009) über den Qualitätsjournalismus. Man möchte sich wünschen, dass möglichst viele in Entscheidungsprozessen stehende Politiker, Wirtschaftsleute und Wissenschafter dieses Buch auf ihren Schreibtischen vorfinden, um angeregt zu werden, wie sie unser Zusammenleben in Zukunft mitgestalten möchten.

Die Form der Unruhe, Band 1, Tina Piazzi/Stefan M. Seydel, Junius- Verlag, Hamburg, http://blog.rebell.tv/p12474.html Zurzeit zeigt Stefan M. Seydel im Zürcher Cabaret Voltaire (DADA-Haus) vier Werke, die Kunst sein könnten, unter dem Titel «Kunst Macht Probleme» (bis 22.11.). www.cabaretvoltaire.ch/




Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / ipad

iPad und E-Paper

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: