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Tagblatt Online, 23. April 2012 01:05:27

Leuchtspur

Über den Tellerrand schauen

Sie kennen das sicher auch: Aus dem Nichts überrascht eine kleine Geste, ein Satz – unerwartet.

Und plötzlich ist die Welt ein bisschen heller.

Neulich, nach einer eher ernsten Besprechung in Zürich, war dies ein Apfel. Beim Abschied in die Hand gedrückt ohne Hintersinn und Anspielung – einfach so.

Er schmeckte wunderbar, auch wenn es vielleicht gar ein Zürcher Apfel war. Der Bruch in der gewohnten Förmlichkeit war erfrischend. Im doppelten Sinne.

Solche Brüche interessieren: sei es ein Zürcher Apfel, eine absolut gelungene Jodeleinlage während eines tollen Rockkonzerts oder Hunderte Holzscheite neben ausgefeilten Kunstwerken. Brüche werfen aus der Routine und öffnen den Blick über den Tellerrand.

Auch Jean Grädels Tellerränder in der neuen Inszenierung faszinieren, und der Inhalt scheint ebenfalls zu schmecken. Integration, Migration, Schauspiel, Realität und Kulinarisches – der Blick auf andere Welten tut gut! Und ab und an entdeckt man, dass die Welten doch nicht ganz so weit auseinander liegen, wie man gedacht hat. Man nimmt das Entdeckte mit in den Alltag, geniesst die Erinnerung, lernt etwas, brütet über einer Erkenntnis…

Doch manchmal ist ein Apfel auch einfach nur ein Apfel!

Karin Herzog




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