Tagblatt Online, 04. September 2009 01:00:57
Künstler laden Künstler ein
«rotzeit»: Print einer Installation von Jan Kaeser auf dem Bahnhofvorplatz Frauenfeld. (Bild: Bild: pd)
Mit «Walk» zeigt der Galerist Adrian Bleisch bis zum 26. September in Arbon einen Rundgang, bebildert mit drei «seiner» Künstler, die ihrerseits befreundete Gastkünstler einladen durften.
dorothee kaufmann
arbon. Zum Künstler-Repertoire der Galerie Adrian Bleisch gehören sicherlich Jan Kaeser, Ute Klein und Valentin Magaro. Neu an diesem Ort stellen jetzt Judith Albert, Daniele Bünzli und Guido Vorburger aus.
Die Idee, frischen Wind in der Kunst zu zeigen, hat Adrian Bleisch ganz basisdemokratisch gelöst. Die Künstler selbst waren gefragt, Künstlerkollegen ins Boot zu holen. So ergeben sich spannende Gegenüberstellungen von sich nahestehenden Künstlern.
Über die Region hinaus
Fotografie, Malerei, Collage und Installation sind bei «Walk» vertreten, während die Künstler aus der ganzen Schweiz kommen und der Blick sich mit dieser Ausstellung so über die Region hinaus weitet. Der Titel der Ausstellung «Walk» lädt überdies ein, das neue Terrain schlendernd zu erkunden:
Da sind die drei Installationen von Jan Kaeser, zum Beispiel seine fotografisch festgehaltene Installation und Aktion «rotzeit» aus dem Jahr 2008.
Eine Bronzenachbildung von plattgefahrenen, knallroten Frauenpumps auf dem Bahnhofsvorplatz in Frauenfeld gab Anlass für Passanten, zu stutzen. Ob Schein oder Sein, die Schuhplastik tat ihre Wirkung. Sie stellte eine Intervention in den Verkehrsfluss dieses öffentlichen Raumes dar. Der Normalität entrissen gibt ein solches Objekt durch seine täuschende Echtheit zunächst Rätsel auf, Raum für Geschichten.
Dass Jan Kaeser einzelne Passantenkonstellationen aufnahm und zu einer fast narrativen Fotoserie verarbeitet, ist ein doppelter kreative Aufbereitung.
Judith Albert wurde von ihm eingeladen mit ihren «Timecodes» und ihrem Fotobuch «Promenade» teilzunehmen. Wie in einem Film scheint die Kamera die Wirklichkeit abgetastet zu haben. Die Zeit ist dokumentarisch bis auf den Bruchteil einer Sekunde auf jedem Bild festgehalten.
Die Folge der Gartenbilder fügte die Künstlerin zu einem Buch, das am Ende wie ein Daumenkino funktionieren könnte. Judith Albert gelingt es so, die Dimension Zeit in die Serie des Standbildes zurückzuholen.
Conrad Steiner und Daniele Bünzle laden ein zum genauen Hinschauen. Ihre Collagen und Zeichnungen kommen eher kleinformatig daher.
Valentin Magaro, den man vor allem als Zeichner surrealer Situationen kennt, zeigt hier kraftvolle Acrylbilder mit ähnlichen Stilelementen: Das Raster, die Dekonstruktion, die Doppelung, das Paradoxe und das Verletzliche. Technoides System und verletzliche Kreatur werden hier miteinander verwoben. Magaro lud Guido Vorburger ein, der ähnlich kraftvolle, surreale Visionen ins Bild setzt.
Ute Klein überrascht mit Fotografien und Ölmalerei. Sie versteht es, einzelne Fotos als Anlass zu nehmen, Struktur, Farbe und Bildaufbau in Malerei fortzuspinnen. Heraus kommen teilweise verblüffende Artefakte.
Gestalten und Formverlust
Daniella Tuzzi wiederum war auf Einladung von Ute Klein gekommen. Tuzzi widmet sich dem scheinbar realistischen Blick auf die Natur, wobei das Morbide, das Materielle und Mediale eine Rolle spielen. Die Bilderwand zeigt eine Entwicklung vom schwarzen Quadrat über Gestaltwerdung und Möglichkeiten des Gestaltens bis zum Formverlust, der wiederum im schwarzen Quadrat endet, das nicht zuletzt eine Anspielung das berühmte schwarze Quadrat der Kunstgeschichte ist.
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