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Tagblatt Online, 21. November 2008 01:00:34

Das Ziel verfehlen ist das Ziel

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Kulturpreisträger-Sextett: Adrian Bleisch, Heidi Schöni, Susanna Entress, Uwe Moor, Lukas Peer und Claudia Rüegg (erste Reihe v. l.).

Mit dem «forumanderemusik» ist der diesjährige Kulturpreisträger einer, der sich in seiner Arbeit nicht schubladisieren lässt und gerade deshalb nachhaltig im kantonalen Kulturleben wirkt.

martin preisser

frauenfeld. Eine passendere Musik hätte man für die Kulturpreis-Verleihung ans «forumanderemusik» am Mittwoch im Eisenwerk nicht finden können. Das «Kleine Blasorchester» unter David Philip Hefti spielte «Märsche, um den Sieg zu verfehlen» des kürzlich verstorbenen Mauricio Kagel. «Was könnte zeitgenössische künstlerische Arbeit besser charakterisieren, als dass alle Anstrengungen auf ein Ziel gerichtet werden, das dann nicht nur verfehlt wird, sondern sogar nicht erreicht werden soll?», fragte Regisseur Peter Schweiger, ehemaliger St. Galler Schauspieldirektor.

Einschränkung mitformulieren

Das «forumanderemusik» wurde dafür geehrt, dass es in spartenübergreifenden Veranstaltungszyklen mit künstlerischen Mitteln eine differenzierte Auseinandersetzung mit Aspekten unseres Lebensraums in Gang setzt. Der Verein lässt sich in seiner Arbeit aber bewusst nicht klar definieren oder in feste Schubladen stecken. Und gerade darin liegt der Reiz der Ausstrahlung dieses innovativen und sich nicht wiederholen wollenden Kulturvermittlers. Peter Schweiger pointierte in seiner Laudatio, dass jede eindeutige Aussage zugunsten einer lebbaren Wahrheit unterlaufen werden müsse, ja im Prinzip ihre Einschränkung mitformulieren muss, um glaubhaft zu sein. Heisst: Das Ziel einer Kultur vermittelnden Arbeit erreichen, indem man auch das «Verfehlen» miteinbezieht.

Denken in Prozessen

Ein wenig in diesem Paradoxon bewegt sich das Thurgauer «forumanderemusik». Dass sich der Kanton für solch einen Preisträger entschieden habe, fand Schweiger überraschend. Die Arbeit des Forums sei durch das Denken in Prozessen geprägt. Diese Art des Denkens könne durchaus auch Vorbildcharakter für die Politik haben, die jetzt gerade einen solchen Kulturveranstalter auszeichne.

Seit einiger Zeit sind Kulturpreis-Verleihungen im Kanton nicht nur offizielle Feiern, sondern selbst hochwertige Kulturanlässe. So liess es sich Peter Schweiger nicht nehmen, zu den Märschen Kagels dessen «verwirrlich-ironischen» Text «Der Tribun» zu gestalten, dessen schräge Thesen wie «Grenzen machen glücklich» oder «Ich möchte alle Umwege ebnen» geradezu ironische Gegenthesen zur Arbeit des «forumanderemusik» sind.

Gemeinden müssen ran

Regierungsrätin Monika Knill ging in ihrer Rede nicht auf die Arbeit des «forumanderemusik» ein, sondern nutzte den Auftritt, um aktuelle kulturpolitische Überlegungen des Kantons zu unterstreichen. Sie wünscht sich ein stärkeres finanzielles Engagement der Gemeinden für Kultur.

Ja zu Kultur-Verbünden

Im Thurgau wende der Kanton mehr als doppelt so viel für Kultur auf als die Gemeinden. Das sei nicht überall in der Schweiz so. Nachahmenswerte Beispiele für neue Modelle der Kulturförderung im Kanton sind für Monika Knill Initiativen wie der Verein Kultur Südthurgau, wo sich Gemeinden und Kulturanbieter zusammengeschlossen haben, um der Kultur in ihrer Region mehr Schlagkraft zu geben. Zu solchen Initiativen sage der Kanton finanziell gerne ja. «Solche Modelle der Zusammenarbeit sind für alle Regionen im Kanton nicht nur möglich, sondern sehr wünschbar und längerfristig wohl erforderlich.»

Claudia Rüegg, Präsidentin des «forumanderemusik», freut sich über den Kulturpreis, der aber auch mit der Gefahr der Verpflichtung verbunden sei. Sie wünscht sich, dass das Forum trotz dieser Verpflichtung seine Verspieltheit nicht verliere. «Wir sind ein vagabundierender Wanderzirkus», definiert Rüegg das stets Überraschende des Forums, das in den letzten Jahren mit rund hundert Künstlerinnen und Künstlern zusammengearbeitet hat.




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